Intermot Spaß mit Supermoto
München - Die Motorradhersteller haben ein Problem - und das sind in erster Linie ihre Kunden. Die sind schon seit geraumer Zeit nicht mehr jung und längst keine Trendsetter mehr. Junge Kunden werden selten gesehen, die Verkaufszahlen sinken insgesamt. Also wird allenthalben nach einem Ausweg gesucht. Doch während sich die Strategen in den Chefetagen noch Gedanken über wirksame Werbekampagnen machen, haben die Konstrukteure ihre eigenen Vorstellungen bereits in die Tat umgesetzt: Sie schwören bei den derzeit in München auf der Messe Intermot vom 15. bis 19. September vorgestellten Neuheiten vor allem auf Maschinen, die Spaß machen sollen.
Unter einem begehrenswerten Motorrad versteht die angestammte und leicht ergraute Kundschaft vor allem zwei Kategorien: amerikanisches Schwermetall in Form einer Harley-Davidson oder die Supersportler mit immer stärkeren Motoren und oft grellbunt gefärbten Verkleidungsschalen.
Intermot: Spaß mit Supermoto
Auch bei MZ in Zschopau (Sachsen) hat man vor einigen Jahren mit der Entwicklung eines hochwertigen Sporttourers begonnen. Doch als die MZ 1000 S fertig war, verkaufte sie sich längst nicht so gut wie erhofft. Also haben sich die MZ-Mannen umgeschaut und sind auf etwas gestoßen, das lange als Randerscheinung des Motorradfahrens galt: die Streetfighter. "Das ist einer der wenigen Bereiche, in denen vergleichsweise viele jüngere Fahrer zu finden sind", erklärt Michael Kusmanov, Sprecher des Industrie Verbandes Motorrad (IVM) aus Essen.
Nackte Maschinen
Streetfighter-Fahrer entfernen von ihren Motorrädern so gut wie alles, was etablierten Fahrern heilig ist - vor allem die vielen Plastikverkleidungen verschwinden schnell in der Garage. Stattdessen wird ein breiter Lenker montiert, die Optik puristisch, aber aggressiv gestaltet und beim Fahren vor allem die Faszination der Beschleunigung genossen. "Streetfighter haben eine ganz eigene Faszination. Sie machen tatsächlich Spaß", sagt Kusmanov.
Weil man bei MZ künftig auch Spaß beim Anblick der Verkaufszahlen haben möchte, hat man die Idee aufgenommen und der 1000 S einen "bösen Bruder" zur Seite gestellt. Die Unterschiede beschränken sich vor allem auf die Farbgestaltung und darauf, dass die SF mit einer kleinen, aggressiv wirkenden Lenkerverkleidung auskommt.
In Großbritannien wurden allem Anschein nach ähnliche Überlegungen angestellt. Denn die neue Speed Triple von Triumph besitzt ebenfalls ein betont zurückgenommenes Design. Auch auf den Wunsch nach ordentlicher Beschleunigung wurde reagiert: Während die gleich stark motorisierte neue Triumph Sprint ST ihren Fahrer hinter der Vollverkleidung mit 92 kW/125 PS durch den Wind ziehen muss, darf der frei auf der Speed Triple thronende Fahrer 96 kW/130 PS zähmen.
Mächtiges Stück Maschinenbau
Yamaha hat für das Highlight des Jahres ebenfalls nicht die Verkleidungsbauer bemüht. Bei der MT-01 steht die Erscheinung als mächtiges Stück Maschinenbau im Vordergrund - der Blick auf den Zweizylinder bleibt frei. Allerdings versuchen die Japaner damit nicht vorrangig, sich an den Trend zum Streetfighter anzuhängen. Das dort so gern gesehen "böse" Gesicht besitzt die MT-01 nicht.
Abgesehen davon, dass nicht alles böse sein muss, was Spaß bringt, finden sich die Streetfighter meist in den oberen Hubraumklassen. Das sind Preisregionen, die junge Fahrer oft blass werden lassen. Gerade für diese Klientel bringen die Hersteller daher einen Begriff in Umlauf, der bisher nur eingeweihten Motorrad-Enthusiasten etwas sagte: Supermoto. Bei dieser Sportart werden Rennen mit Maschinen gefahren, die optisch an Geländemotorräder erinnern und sich vor allem durch ihre Wendigkeit auszeichnen.
Auf der Intermot ist Supermoto neben Streetfighter das wohl am meisten hervorgehobene Wort. Suzuki hat es sich nicht nehmen lassen, eine Supermoto vorzustellen, und bei Honda ist ein entsprechendes Modell einer der Hoffnungsträger für die kommende Saison.
Supermoto mit 942 Kubik
Weil es vor allem um Spaß gehen soll, nennt Honda die FMX 650 mit 28 kW/38 PS "Funmoto", womit man dann auch gleich eine neue Fahrzeugkategorie geschaffen haben will. Neben dem versprochenen Fahrspaß auf kurvigen Straßen und unbefestigten Wegen wird die angesprochenen Nachwuchsfahrer aber vor allem der Preis interessieren: Der kann mit 5790 Euro als echtes Lockangebot betrachtet werden.
Beim italienischen Hersteller Aprilia ist man der Meinung, dass für Motorräder gleich ein neues Zeitalter anbricht - in dem es vor allem um Spaß geht. Den soll auch hier eine Supermoto vermitteln, die Pegaso 650 Strada mit 37 kW/50 PS starkem Einzylinder-Motor. Da aber auch der Begriff Streetfighter derzeit in der Szene in Mode ist, wird die kleine Strada auch mit diesem Etikett versehen - obwohl der Maschine der Kämpfer nicht anzusehen ist.
Doch die Motorradbauer wären nicht sie selbst, würden sie das Motto "höher, schneller, weiter" völlig beiseite lassen. So stellt KTM eine Supermoto vor, die mit 942 Kubikzentimetern Hubraum, zwei Zylindern und 72 kW/98 PS den Bereich nach oben abgrenzt. Es bleibt abzuwarten, wie vielen Käufern diese 950 Supermoto Spaß macht.