Internet-Tankstelle: Shopping an der Zapfsäule - DER SPIEGEL
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Internet-Tankstelle Shopping an der Zapfsäule

Im Internet surfen, während das Benzin in den Tank läuft? Aktuelle Staumeldungen abrufen und die Weiterfahrt planen? Geht es nach dem Hamburger Unternehmen ACS Systemberatung, ist das längst keine Zukunftsmusik mehr.
Von Alexander Stirn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Allein zum Tanken fährt heute fast niemand mehr zur Tankstelle. Ein Shop, der vom Brötchen bis zum Computerzubehör alles Mögliche bietet, lässt Tankstellen immer mehr zum Supermarkt werden. Und jetzt, so will es das Hamburger Software- und Beratungsunternehmen ACS , hält auch noch das Internet Einzug.

Auf der Cebit präsentierte die Firma den Prototypen einer Zapfsäule mit Internet-Anschluss. Noch kommen die Seiten auf dem Touchscreen zwischen den Tankrüsseln recht nüchtern daher: Oben die Angabe, wie viel Sprit schon in den Tank geflossen ist und was fürs Benzin zu zahlen ist, darunter ein Menüpunkt mit aktuellen Stauinformationen, einem Routenplaner und Informationen zum Wetter. Doch das Angebot könnte bald viel bunter werden.

"So etwas lädt geradezu dazu ein, Werbung zu machen", sagt ACS-Prokurist Thomas Ernst. Werbung für Motorenöl und Zigaretten etwa, aber natürlich auch Werbung für den Tankstellenshop. Denn die Zapfsäule mit Display ist für Ernst nur ein Schritt auf dem Weg zur vernetzten Tankstelle. Selbstverständlich muss auch der Shop ins Internet: "Die Kunden sollen schon vom Büro aus ihre Bestellung für den abendlichen Einkauf abgeben können", sagt Ernst. Wer ordert, bekommt eine Tütennummer - und kann zwanzig Minuten später seine Einkaufstüte einfach in der Tankstelle abholen.

Für Ernst hat so etwas nur Vorteile: Der Kunde profitiere durch niedrigere Preise - wenn schon nicht beim Benzin, dann vielleicht bei Lebensmitteln oder Haushaltswaren. Und der Tankstellenpächter hat mehr Planungssicherheit, schließlich steht hinter dem ACS-Konzept ein SAP-basiertes Warenwirtschaftssystem.

Dadurch, dass auch die Kasse am Internet hängt, kann genau ausgewertet werden, welcher Artikel sich wann am besten verkauft. Bestellungen für den Nachschub an Benzin und Diesel werden automatisch an den Großhändler geschickt. Selbst die Preisschilder an den Regalen im Tankstellenshop haben ausgedient: Ernst würde sie am liebsten noch heute durch kleine Displays ersetzen, die ebenfalls mit dem Warenwirtschaftssystem verbunden sind.

Die Überlegungen von ACS gehen sogar noch weiter. Plastikkarten können Autofahrer künftig getrost zu Hause lassen - ein kleiner Chip am Auto oder Schlüsselanhänger identifiziert den Kunden an der Zapfsäule automatisch. Das System schreibt die Kosten fürs Benzin auf die monatliche Rechnung.

Das Tanken im Vorbeifahren ist für Ernst nur eine konsequente Entwicklung. Um so wichtiger, den Kunden mit anderen Mitteln in den Shop zu locken. "Irgendwann", so die Vision des ACS-Prokuristen, "erscheint an der Tankstelle nicht mehr der Benzinpreis, sondern das aktuelle Angebot für den Liter Milch."

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