Internet und Auto: Mobile E-volution - DER SPIEGEL
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Internet und Auto Mobile E-volution

Das Auto geht online. Von unterwegs ruft der Fahrer seine E-Mails ab, erledigt Banküberweisungen, ordert Theater-Karten und schaltet zu Hause schon mal die Kaffeemaschine an. Schöne mobile Autowelt - die so wohl keine Zukunft haben wird.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es stockt auf dem Daten-Highway. Nach der anfänglichen Begeisterung über den Anschluss des Autos ans weltweite Netz ist inzwischen Ruhe eingetreten. Speziell auf Autofahrer abgestimmte Service-Portale mit Routeninformationen, Business-Funktionen oder Freizeit-Tipps finden nur wenig Anklang. "Solche Dienste sind gefloppt, weil sie dem Kunden keinen wirklichen Mehrwert bringen", sagt Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) an der FH Gelsenkirchen.

Dafür werden nach Ansicht des Auto-Professors in den nächsten Jahren die "heimlichen Helfer" das Autofahren verändern. Damit sind Internet-gestützte Systeme gemeint, die im Hintergrund arbeiten, aber im spezifischen Umfeld des Fahrers sehr nützlich sind. Beispiel: Telediagnose. Die Hersteller werden ihre Autos in Zukunft noch weiter mit Elektronik voll stopfen. Mit der Gefahr, dass sie immer häufiger stehen bleiben. Zugleich aber auch mit der Chance, dass Probleme oder Reparaturen vorher rechtzeitig erkannt werden, wenn sie mit der jeweiligen Werkstatt verbunden sind. Auch Fernwartungen oder Behebungen von Softwarefehlern wären, abhängig von Art und Schnelligkeit des Datentransfers, damit in Zukunft vorstellbar.

Diese "intelligenten Autos" könnten aber nicht nur mit festen Servicestationen, sondern auch untereinander kommunizieren, um den Fahrer beispielsweise auf Unfälle hinter der nächsten Kurve oder auch vor Staus zu warnen. Mit solchen Kommunikationsplattformen beschäftigt sich beispielsweise DaimlerChrysler in dem "Projekt Fleetnet". Dabei fahren sechs mit Navigationssystemen, Monitoren und Funkantennen ausgerüstete Smarts in Ulm und um Ulm herum, die Daten über Straßenzustand, ESP- und Bremseinsatz oder Airbag-Zündung von Fahrzeug zu Fahrzeug weiterreichen und sich so gegenseitig über mögliche Gefahrenquellen informieren. "Die zunehmende Verbreitung der Navigationssysteme wird diese Entwicklung in nicht allzu ferner Zukunft beschleunigen", sagt Dudenhöffer.

Doch trotz E-Commerce- und eBay-Hysterie. Kaufen wird der Kunde seine Autos wohl auch künftig nur dann, wenn er sie vorher anfassen konnte. Das elektronische Autohaus funktioniert nicht. Dafür aber der Informations- und Kontaktaustausch im Internet. "Autoseiten gehören zu den am häufigsten frequentierten Websites", hat Dudenhöffer festgestellt. Über 70 Prozent der Verkäufe werden übers Internet angebahnt. Dies besonders im Gebrauchtwagensektor bei den einschlägigen Anbietern wie Mobile.de oder Autoscout24. Beim Neuwagenverkauf hat das Internet hingegen in erster Linie Informationsfunktion. "Wenn der Kunde heute ein Autohaus betritt, weiß er in der Regel schon sehr gut Bescheid."