Interview mit Jaguar-Chef: Mehr cool Britannia - DER SPIEGEL
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Interview mit Jaguar-Chef Mehr cool Britannia

Jaguar tut sich schwer in Deutschland. Im vergangenen Jahr verkaufte die britische Ford-Tochter knapp 5000 Autos hier zu Lande. Neue Modelle sollen nun den Aufschwung einleiten. SPIEGEL ONLINE sprach mit Rainer Landwehr, Geschäftsführer von Jaguar Deutschland, über Absatzerwartungen, Stil und Tweedjacket.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Die Jaguar-Neuzulassungen in Deutschland gingen zuletzt rapide zurück. Wie ist die Lage im Augenblick?

Rainer Landwehr: Die Lage wird besser. Im ersten Quartal 2004 haben wir im Vergleich zum vergangenen Jahr um sechs Prozent zulegen können, das ist ganz ordentlich. Aber es stimmt schon, die Situation im Premium-Segment ist momentan besonders schwierig.

SPIEGEL ONLINE: Welche Verkaufszahl streben Sie in diesem Jahr an?

Landwehr: Wir haben mit dem X-Type Estate erst seit kurzem unser erstes Kombimodell im Angebot, dazu kommt ab Mitte Mai der S-Type Diesel. Deshalb erwarte ich, dass wir in diesem Jahr ein vierstelliges Volumen erreichen, das mit einer "6" beginnt.

SPIEGEL ONLINE: Jaguar konkurriert in Deutschland vor allem mit Audi, BMW und Mercedes. Warum sollten Autofahrer einen Jaguar kaufen?

Landwehr: Ich denke, unsere Fahrzeuge bieten eine ganz spezifische Mischung aus stilvollem Design, kultivierten und leistungsstarken Motoren und einem Schuss britischem Luxus. Vielleicht sind andere sportlicher oder extrovertierter, aber ich denke, ein Jaguar ist und bleibt etwas Besonderes.

SPIEGEL ONLINE: Wirkt die Marke Jaguar angesichts der immer mehr auf Lifestyle getrimmten Konkurrenz nicht allmählich doch ein wenig antiquiert.

Landwehr: Auf keinen Fall, wo ich schon die Notwendigkeit sehe, dass wir unser Image ein wenig korrigieren. Und zwar etwas weiter weg vom alten England mit Teatime und Tweedjacket, hin zu etwas mehr cool Britannia. Die richtige Balance dieser beiden Komponenten bedeutet für mich Jaguar.

SPIEGEL ONLINE: Wäre es dann nicht auch an der Zeit für ein dem entsprechendes neues Modell?

Landwehr: Mit dem X-Type Estate habe wir uns nach vorne gewagt. Ein Kombimodell bei Jaguar bedeutet schon einen neuen Schritt. Und die Resonanz zeigt, dass wir damit richtig liegen. Doch wenn Sie mich persönlich fragen, würde ich mir noch einen richtig schönen kleinen Roadster wünschen. Ein Auto wie die Studie F-Type, die perfekt zu Jaguar passen würde. Aber ich betone, dass dies mein persönlicher Wunsch ist - es gibt keine offiziellen Pläne.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht der typische Jaguar-Kunde in Deutschland aus?

Landwehr: Unsere Kunden sind zum großen Teil Selbständige, Leute, die sich etwas Besonderes leisten möchten. Es gibt zum Beispiel Jaguar-Fahrer, die sich das Auto quasi zur Pensionierung geschenkt haben, weil sie ihr Leben nun so richtig genießen wollen. Wir beobachten aber auch, dass gerade der X-Type Estate viele jüngere Kunden zu den Händlern lockt. Die möchten ein Auto mit Stil und gleichzeitig Praxistauglichkeit. Das wird mehr und mehr der Kunde der Zukunft. Auf jeden Fall haben Jaguar-Fahrer stets eine besondere Beziehung zu ihrer Marke.

SPIEGEL ONLINE: Ein Jaguar gilt aber noch immer auch als Snob-Auto...

Landwehr: Es stimmt schon, die soziale Akzeptanz ist in Deutschland nach wie vor ein Thema. Jaguar fahren wird als sehr exklusiv und teuer angesehen. Wir arbeiten daran, dass unsere Produkte zum einen bekannter werden und zum anderen die Interessenten wissen, dass es bei Jaguar durchaus erschwingliche Modelle gibt.

Das Interview führte Jürgen Pander.

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