Interview mit Nissan-Chef: "Wir setzen auf Allrad" - DER SPIEGEL
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Interview mit Nissan-Chef "Wir setzen auf Allrad"

Wie ein vor dem Ruin stehendes Unternehmen binnen weniger Jahre zum Glanzstück der Branche werden kann, führt Nissan gerade vor. Hier zu Lande setzen die Japaner vor allem auf Nischenmodelle. Markenvorstand Ralf-Toni Pulm erläuterte gegenüber SPIEGEL ONLINE diese Strategie.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Nissan hat angekündigt, verstärkt Nischenmodell auf den Markt bringen zu wollen. Ist das eine Art Arbeitsteilung mit dem Allianzpartner Renault, der künftig eher für die Volumenfahrzeuge zuständig sein wird?

Ralf-Toni Pulm: Ganz und gar nicht, es handelt sich um eine Entscheidung, die Nissan unabhängig getroffen hat. Wir glauben ganz einfach, dass sich die klassischen Volumensegmente immer weiter aufsplittern. Und darin sehen wir eine gute Chance für Wachstum.

SPIEGEL ONLINE: Welche Nischen genau haben Sie bei dieser Strategie im Auge?

Pulm: Wir halten vor allem den Markt für Allradfahrzeuge für längst noch nicht ausgeschöpft. Deshalb werden wir um den Jahreswechsel herum unseren neuen SUV Murano in Deutschland einführen. Und an der Studie Qashqai sehen Sie, dass diese Entwicklung weitergeht.

SPIEGEL ONLINE: Warum setzen Sie ausgerechnet auf Allradautos? Diese Antriebsart ist für die meisten alltäglichen Fahrbedingungen überflüssig und kostet obendrein mehr Kraftstoff?

Pulm: Zum einen richten wir uns nach den Kundenwünschen, und da sehen wir einen klaren Trend hin zum Allradantrieb. Zugleich aber werden wir das Angebot an sparsamen Dieselmotoren weiter ausbauen, um trotz Allradantrieb anständige Verbrauchswerte zu erzielen.

SPIEGEL ONLINE: Die neueren Nissan-Modelle fallen durch ein eher exzentrisches Design auf. Ist das der richtige Weg, wo doch Renault nicht nur gute Erfahrungen mit allzu ungewöhnlich gestylten Autos gemacht hat?

Pulm: Ein klar unterscheidbares und durchaus auch etwas kühneres Design gehört zu den zentralen Markenwerte von Nissan. Und es ist durchaus gewollt, dass innerhalb der Nissan-Palette der europäische Einfluss auf die Optik der Autos steigt. Der Qashqai zum Beispiel wurde ausschließlich in unserem europäischen Designzentrum im Londoner Stadtteil Paddington entwickelt.

SPIEGEL ONLINE: Derzeit findet eine kleine Tournee durch vier deutsche Großstädte statt, wo in so genannten Z-Lounges auf den Sportwagen Nissan 350 Z aufmerksam gemacht werden soll. Sieht so die Zukunft der Autovermarktung aus?

Pulm: Ich glaube schon, dass wir neue Wege im Marketing gehen müssen. Ganz besonders bei Autos, mit denen wir Leute ansprechen, die bislang noch keine Nissan-Kunden sind. Wer ein Auto wie den 350 Z kauft, hat vorher wahrscheinlich Audi, Porsche oder BMW gefahren. Mit unserem SUV-Modell X-Trail ist uns das bereits gelungen. 70 Prozent der X-Trail-Käufer fuhren davor keinen Nissan.

SPIEGEL ONLINE: Aber lassen sich Pkw tatsächlich in Lounges oder bei besonderen Events besser verkaufen als im klassischen Autohaus?

Pulm: Das kommt darauf an. Bei Aktionen wie den Z-Lounges in einigen Metropolen sollen ja keine Autos verkauft werden, sondern Interessenten den lokalen Händlern zugeführt werden. Im Übrigen glaube ich schon, dass wir die verschiedensten Formen ausprobieren sollten, um das ganze Spektrum an Fahrzeugen, das wir anbieten, auch optimal zu vermarkten.

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