Japanische Mini-Autos: Es geht auch kleiner - DER SPIEGEL
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Japanische Kei-Cars: Knirpse in Fahrt

Foto: Tom Grünweg

Japanische Mini-Autos Es geht auch kleiner

Alles bis vier Meter Länge geht in Europa als Kleinwagen durch - in Japan gelten solche Maße schon als üppig. Dort machen winzige Wägelchen ein Drittel der Zulassungen aus. Die sogenannten Kei-Cars wie der Nissan Otti beweisen, dass man mit sehr wenig Auto auskommen kann.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach dem Krieg fuhren die Deutschen zunächst BMW Isetta und Messerschmitt Kabinenroller - doch als die Wirtschaft wieder boomt, stiegen sie zügig auf größere Autos um. Auch in Japan gab es zunächst Minimobile wie Honda T-360, Mazda Caroll oder der Daihatsu Miset. Doch anders als die deutschen hielten die Japaner ihren Winzlingen die Treue.

Das mag auch daran liegen, dass die so genannten Kei-Cars steuerlich gefördert werden, seit nunmehr 60 Jahren. Im Jahr 1949 begrenzte die japanische Regierung den Hubraum auf 150 Kubikzentimeter, die Breite auf einen und die Länge auf 2,80 Meter. Inzwischen dürfen die Wägelchen immerhin 1,48 Meter breit und 3,40 Meter lang sein; der Motor darf bis zu 660 Kubikzentimeter Hubraum haben.

"Kei-Cars sind ein absolutes Erfolgsmodell", sagt Toshio Wagoya vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Tokio. Kein anderes Segment auf dem japanischen Markt sei derart stark entwickelt und dicht besetzt. "Allein vom Jahr 2000 an bis heute ist ihr Marktanteil von rund 30 auf knapp 40 Prozent gestiegen."

Viel billiger als normale Autos

Kein Wunder, dass bis auf Toyota alle japanischen Hersteller eine Flotte von Kei-Cars im Angebot haben. Und so können japanische Kunden zwischen rund 50 Typen wählen - kleine Sportwagen, Cabrios, Geländemodelle, Lieferwagen oder Retro-Limousinen eingeschlossen.

Dass die Autos, die man am gelben Nummernschild erkennen kann, so beliebt sind, erklärt die Tokioter Dolmetscherin Nishi Yokomizo vor allem mit deren Preis. "Sie sind billiger in der Anschaffung und im Unterhalt", sagt sie. Die Steuer betrage nur ein Fünftel des normalen Kleinwagen-Satzes und auch die Autobahngebühr sei reduziert.

Außerdem muss man in vielen Städten keinen Parkplatz nachweisen, um ein Kei-Car zulassen zu dürfen. "In Tokio gilt das jedoch nicht, da braucht man auch für ein Kei-Car eine Parkmöglichkeit", erklärt Yokomizo. Und das ist kostspielig. Schon in den äußeren Stadtbezirken zahlt man dafür bis zu 20.000 Yen (umgerechnet rund 150 Euro) im Monat. Wer im Zentrum wohnt, muss mit dem Dreifachen rechnen.

Fröhlich-friedliche Testfahrt im Nissan Otti

Die Dolmetscherin fährt dennoch einen Audi A3, weil der größer und bequemer sei und mehr her mache. Doch in weiten Teilen der Bevölkerung sind die Kei-Cars als vollwertige Autos akzeptiert. Status sei keine Frage der Größe, sagt Marktforscher Wagoya. "Obwohl die Autos klein sind, sind sie oft ausgestattet wie Luxuslimousinen." Reifendruckkontrolle, Kopf- und Seiten-Airbags oder ESP sind meist Standard, und Extras wie Klimaautomatik, Lederpolster oder Navigationsmonitore im Großformat keine Seltenheit.

Wie ausgefeilt die Auto-Zwerge tatsächlich sind, beweist zum Beispiel der Nissan Otti, mit dem SPIEGEL ONLINE eine Runde drehte: In dem charmanten Würfel haben vier Personen Platz. Der Otti kostet umgerechnet kaum 8000 Euro und überrascht dennoch mit einer ordentlichen Materialqualität, bequemen Sitzen, pfiffiger Tür und hübschem Design. Zum Türsystem: Während rechts hinten eine normale Klapptür angeschlagen ist, surrt links - in Japan also auf der Gehsteigseite - auf Knopfdruck eine Schiebetür auf.

660 Kubikzentimeter - mehr Hubraum darf ein Kei-Car nicht haben

Unter der Haube hingegen regiert Bescheidenheit. Kei-Car-konform verfügt der Otti über einen 0,66 Liter großen Dreizylindermotor, der auf 50 PS kommt. Obwohl der Wagen lediglich 850 Kilo wiegt, setzt das maximale Drehmoment von 62 Nm im Verbund mit einer Dreigang-Automatik dem Vortrieb eng Grenzen. Im Stop-and-Go-Verkehr von Tokio stört das nicht. Aber wenn man wie SPIEGEL ONLINE ausnahmsweise einmal in Europa mit einem Kei-Car unterwegs ist, sind Geduld und Demut angesagt.

So stark die Kei-Cars im japanischen Straßenbild verankert sind, so selten sind die Schrumpfmobile hierzulande - obwohl Suzuki und Daihatsu einige Modelle importieren. Europäische Hersteller tun sich mit der Auto-Schrumpfkur ohnehin schwer. Die erste Generation des Smart zum Beispiel scheiterte deshalb an den Kei-Car-Hürden, weil die Schwaben mit zu breiten Reifen die Größenvorgabe sprengten, berichtet ein japanischer Autoinsider.

VW will es künftig besser machen und das Angebot unterhalb der Baureihen Polo und Fox entsprechend ausweiten. Allerdings nicht mit eigenen Fahrzeugen. Statt selbst billige Kleinstfahrzeuge zu entwickeln, bemühen sich die Niedersachsen um einen Einstieg bei Suzuki - denn die haben in Japan in diesem Marktsegment die Nase vorn.

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