Jürgen Trittin fordert härtere Strafen für Raser - DER SPIEGEL
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Grüner Ex-Umweltminister Autos sind für Deutsche, was Waffen für Amerikaner sind - findet Jürgen Trittin

In den Augen von Ex-Umweltminister Jürgen Trittin fixieren sich die Deutschen viel zu stark aufs Auto - das hänge noch mit der Nazizeit zusammen. Künftig sollten Fahrer bei Verstößen höhere Strafen zahlen.
Tempolimit (Symbolbild): "Wir brauchen endlich eine angemessene Sanktionierung"
Tempolimit (Symbolbild): "Wir brauchen endlich eine angemessene Sanktionierung"

Tempolimit (Symbolbild): "Wir brauchen endlich eine angemessene Sanktionierung"

Foto: Andreas Arnol / DPA
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Der Grünenbundestagsabgeordnete Jürgen Trittin fordert höhere Strafen für Verkehrssünder. Verstöße müssten "endlich härter und stärker sanktioniert werden", sagt Trittin in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL .

Lesen Sie hier das komplette Gespräch mit Jürgen Trittin:

"Wir haben in Deutschlands Bußgeldkatalog extrem niedrige Strafen für den Verstoß gegen Verkehrsregeln", findet der ehemalige Umweltminister. "Wer auf dem Radweg parkt und blockiert, wird meist nicht mal abgeschleppt. Das ist lächerlich. Und wer permanent rast, bekommt in der Schweiz sogar Gefängnisstrafen. Wir brauchen hier endlich eine angemessene Sanktionierung."

Das Verhältnis der Deutschen zum Auto bezeichnet Trittin als "eine kollektive Neurose, vergleichbar mit der, die Amerikaner mit dem freien Zugang zu Schusswaffen haben". Nach dem Faschismus habe man sich hier auf die neue Freiheit, die sich mit dem Auto verband, konzentriert. Aber diese Neurose lasse nach, so Trittin. "Es ist nur eine Frage der Zeit, dass es auch bei uns ein Tempolimit geben wird. Genau wie es nur eine Frage der Zeit war, bis die Wehrpflicht abgeschafft wurde."

Jürgen Trittin (Archivbild): Kollektive Neurose der Deutschen

Jürgen Trittin (Archivbild): Kollektive Neurose der Deutschen

Foto: Britta Pedersen / DPA

Der Grünenpolitiker kritisiert zugleich seinen Parteifreund Winfried Kretschmann für dessen Aussage, dass es einen sauberen Diesel gebe, den man noch lange brauche. "Ich würde dazu raten, eine untergehende Technologie nicht perfektionieren zu wollen. Der Kretsch kann natürlich romantische Gefühle hegen, aber der Diesel hat keine Zukunft mehr", sagt Trittin. Wenn sich ein Strukturwandel abzeichne, gehe es darum, ihn zu gestalten, nicht darum, ihn zu verhindern. "Die Argumente erinnern mich an die SPD im Ruhrgebiet, die noch bis in die Neunzigerjahre die Steinkohle hochgehalten hat. Mit katastrophalen Folgen fürs Ruhrgebiet."