Abgasaffäre KBA untersucht möglichen Verbrauchsbetrug bei Porsche
Innenraum des Porsche Macan S
Foto: Porsche"Das KBA prüft gegenüber Porsche den Sachverhalt bezüglich der sogenannten Lenkradkennung", erklärte ein Sprecher der Flensburger Zulassungsbehörde am Donnerstag. Anhand der Lenkradkennung können Fahrzeuge feststellen, ob sie auf der Straße fahren oder auf dem Rollenprüfstand. Manipulierte Autos können dann dank einer speziellen Software in einen Modus schalten, in dem weniger Sprit verbraucht und somit auch weniger Kohlendioxid ausgestoßen wird. Im Normalbetrieb auf der Straße sind Verbrauch und Emissionen deutlich höher.
Porsche äußerte dazu lediglich, dass die Fahrzeuge die gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich Verbrauchsangaben und Abgasemissionen erfüllten. Ein Porsche-Sprecher sagte weiter, Lenkbewegungen würden grundsätzlich als Eingangsgröße für die "Schaltstrategie" genutzt. "Lenkbewegungen werden jedoch nicht verwendet, um einen Prüfstandsfahrzyklus zu erkennen und auf diesen zu reagieren. Dies gilt für sämtliche Porsche-Modelle."
Als erste hatte die "Wirtschaftswoche" über die Untersuchungen berichtet. Das Wirtschaftsmagazin berichtete, im November habe das Bundesverkehrsministerium wegen eines solchen Verdachts bereits eine Untersuchung von Audi-Modellen in Auftrag gegeben. Porsche-Insider hätten das Ministerium auf die Spur gebracht. Eine Stellungnahme des Ministeriums war zunächst nicht zu erhalten. Die "Bild am Sonntag" hatte im November berichtet, die kalifornische Umweltbehörde CARB habe im Sommer eine Lenkradkennung bei einem Audi mit V6-Motor entdeckt. Audi hatte sich mit Verweis auf die andauernden Gespräche zum Abgasbetrug in den USA nicht zu den Vorwürfen geäußert.
Abweichungen bis zu 35 Prozent
Volkswagen hatte vor gut einem Jahr zugegeben, Stickoxid-Werte von Dieselautos mit einer speziellen Software manipuliert zu haben. Davon sind weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Für die Aufarbeitung des Skandals hat der Wolfsburger Konzern 18,2 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Die Affäre hat dazu geführt, dass auch Abgaswerte anderer Autobauern überprüft werden.
Nach Informationen des SPIEGEL haben die Nachmessungen des KBA ergeben, dass fast 30 von 54 untersuchten Modellen sogar bei den Zyklustests viel mehr Kohlendioxid produzieren als angegeben - und damit mehr Kraftstoff verbrennen als im Fahrzeugschein vermerkt ist. Zwei Audi-A6-Modelle verbrauchten demnach beispielsweise über 35 Prozent oder fast zwei Liter Kraftstoff mehr. Große Abweichungen wurden auch bei einem getesteten Porsche Macan festgestellt.