Klage in den USA: Toyota soll Bremsprobleme vertuscht haben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Klage in den USA Toyota soll Bremsprobleme vertuscht haben

Schwerwiegende Anschuldigung: Ein Kläger in den USA beschuldigt Toyota, viel früher als behauptet von den technischen Problemen seiner Autos gewusst zu haben. Statt das Problem öffentlich zu machen, habe der japanische Autobauer die Autos jedoch heimlich aufgekauft.
Toyota-Techniker mit Bremspedal: Verpflichtung zur Vertraulichkeit
Toyota-Techniker mit Bremspedal: Verpflichtung zur Vertraulichkeit

Toyota-Techniker mit Bremspedal: Verpflichtung zur Vertraulichkeit

Foto: ROBERT GALBRAITH/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Los Angeles - Mit Mühe und viel Geld hatte Toyota   seine Reputation einigermaßen wiederhergestellt. Die jetzt eingereichte Klage jedoch könnte den japanischen Autobauer wieder deutlich zurückwerfen: Es geht um nicht weniger als Vertuschung und Arglist. Nachdem Toyota Fälle von ungewollter Beschleunigung an Wagen aus seiner Produktion festgestellt habe, habe der Konzern betroffene Autos heimlich zurückgekauft, heißt es in einer Klageschrift, die bei einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Kalifornien eingereicht wurde. Nach Bekanntwerden der Mängel hatte Toyota weltweit Millionen Autos zurückrufen müssen.

In der am Mittwoch im Gericht von Santa Ana eingereichten Klageschrift heißt es, nach der Feststellung der Probleme durch Toyota-Techniker habe der Konzern entschieden, dass es "im Interesse des Kunden ist, ihm seinen Wagen abzukaufen". In Wirklichkeit sei es aber darum gegangen, defekte Fahrzeuge heimlich vom Markt zu nehmen. Die betroffenen Kunden hätten eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben und sich verpflichten müssen, nicht gegen Toyota vorzugehen. Der Autobauer habe diese Informationen der US-Behörde für Verkehrssicherheit (NHTSA) und während der Anhörungen im US-Kongress zu den Pannen bewusst verschwiegen, kritisierten die Beschwerdeführer.

"Je mehr man bei dieser Affäre gräbt, desto mehr wird deutlich, dass Toyota von den Problemen wusste und nicht auf verantwortliche Weise zu reagieren wusste", erklärte Steve Berman, einer der Anwälte der Beschwerdeführer. Das heimliche Aufkaufen von defekten Autos sei "zumindest seltsam, im schlimmsten Fall verabscheuungswürdig".

Toyota wies die Anschuldigungen zurück. Die defekten Wagen seien zurückgekauft worden, um "zusätzliche technische Untersuchungen" vorzunehmen, erklärte der Konzern. Toyota habe "schnell und genauestens alle Vorgänge unkontrollierter Beschleunigungen" untersucht. Seit vergangenem Jahr hatte Toyota in einer Serie von Rückrufaktionen mehr als zehn Millionen Fahrzeuge verschiedener Modelle wegen klemmender Gaspedale und anderer technischer Probleme in die Werkstätten zurückholen müssen, die meisten in den USA. Seitdem muss sich der Konzern in mehreren Sammelklagen schweren Vorwürfen von amerikanischen Toyota-Fahrern stellen.

mik/AFP

Mehr lesen über