Kraftstoff-Lexikon Vielfalt im Tank
Tankstelle: Zapfpistolen in Hamburg
Foto: Kay Nietfeld/ picture-alliance/ dpaBesitzer von so genannten Flexi-Fuel-Fahrzeugen müssen sich keine Gedanken um die Verträglichkeit des neuen Biosprits E10 machen. Denn diese Maschinen vertragen nicht nur die umstrittene neue Sorte, sondern auch Benzin mit einem deutlich höheren Ethanolanteil. Nach Angaben des Autoherstellers Volvo in Köln sind Konzentrationen von bis zu 85 Prozent möglich.
Neben Volvo bieten in Deutschland zum Beispiel auch die Hersteller Audi, Opel und Dacia "Flexible-Fuel-Fahrzeuge" an. Die Autos verfügen über einen Sensor im Tank, der die aktuell getankte Benzinsorte erkennt und die Fahrzeugtechnik jeweils entsprechend einstellt. So können auch mehrere Kraftstoffe mit verschiedenem Alkoholanteil gemischt werden.
Doch nicht nur Alkohol eignet sich zum Betrieb eines Motors, sondern zahlreiche andere Kraftstoffe. Ein Überblick.
LPG oder Autogas - Kraftstoff-Lexikon
Als LPG (Liquefied Petroleum Gas) bezeichnet man die unter Druck verflüssigten Gase Propan und Butan und deren Gemische. Sie sind bereits im Rohöl enthalten und können in entsprechend modifizierten Ottomotoren verbrannt werden. Beim Einsatz als Kraftstoff (Autogas) werden sie mit 18 Cent pro Liter besteuert und kosten im Schnitt 77 Cent pro Liter.
In Deutschland gibt es bislang rund 6200 LPG-Tankstellen; im Autogas-Betrieb reduziert sich der Kohlendioxidausstoß um bis zu 15 Prozent. Allerdings ist der Verbrauch wegen der geringeren Energiedichte im Vergleich zu Benzin um rund 15 Prozent höher. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes waren am 1. Januar 2011 418.659 Flüssiggas-Fahrzeuge in Deutschland angemeldet.
Biodiesel - Kraftstoff-Lexikon
Biodiesel (B100) ist ein Kraftstoff, der in Deutschland vor allem aus Rapsöl durch chemische Umsetzung mit Methanol erzeugt wird. Er kann grundsätzlich in Dieselmotoren verwendet werden, wobei moderne Dieseleinspritzsysteme nicht oder erst nach einer Umrüstung für Biodiesel geeignet sind.
Die Verwendung von B100 verringert den Kohlenmonoxidausstoß und verhält sich - je nach Herstellung und Transport - weitgehend neutral in der Kohlendioxidbilanz. Die Rußpartikelemissionen liegen um rund ein Drittel niedriger als bei herkömmlichen Diesel. Vor allem weil in den vergangenen Jahren die Besteuerung enorm gestiegen ist - auf aktuell 45 Cent pro Liter - verliert B100 immer mehr an Bedeutung.
Bioethanol
Der Kraftstoff mit der Bezeichnung E100 wird aus regenerativer Biomasse hergestellt, etwa aus Zuckerrüben, Kartoffeln oder Getreide; in Brasilien dagegen aus Zuckerrohr und in Schweden aus Holzabfällen. Grundsätzlich ist Ethanol ein hochwertiger Kraftstoff mit einer höheren Oktanzahl als Benzin, allerdings ist der Energiegehalt um etwa ein Drittel geringer.
Das hat zur Folge, dass der Kraftstoffverbrauch im Bioethanol-Betrieb um zirka ein Drittel ansteigt. Ob und wie stark die Entlastung beim Kohlendioxidausstoß ausfällt, hängt vor allem von der Herstellung und dem Transport des Treibstoffes ab. Bis 2009 war Bioethanol in Deutschland von der Mineralölsteuer befreit. Allerdings ist der Einsatz von E100 äußerst umstritten, weil die Nahrungsmittel als Rohstoff für den Kraftstoff dienen.
Erdgas - Kraftstoff-Lexikon
Erdgas (CNG, Compressed Natural Gas) ist die Sammelbezeichnung für brennbare, überwiegend aus Methan bestehende Naturgase, deren weitere Bestandteile zum Beispiel Ethan, Propan, Stickstoff, Kohlendioxid oder Schwefelwasserstoff sind. Erdgas wird seit einigen Jahren auch als Pkw-Treibstoff in speziell ausgerüsteten Modellen etwa von Mercedes, VW, Fiat und Opel eingesetzt.
Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes waren am 1. Januar 71.519 Erdgasautos in Deutschland angemeldet. Die Bundesregierung fördert Erdgas, indem sie eine Kraftstoffsteuer von neun Cent pro Liter bis 2018 festgelegt hat. Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen weniger Kohlenwasserstoffe und Stickoxide als bei Benzin und Diesel, der Kohlendioxidausstoß sinkt um etwa ein Viertel.
Synthetische Kraftstoffe - Kraftstoff-Lexikon
Manche Experten sehen in synthetischen Kraftstoffen eine viel versprechende Alternative. Vor allem die so genannten Synthesekraftstoffe der zweiten Generation, zu deren Herstellung selbst Pflanzenreste genutzt werden können, gelten als sinnvoll, da sich mit ihnen der Kohlendioxidausstoß in der Gesamtrechung um bis zu 90 Prozent senken lassen könnte. Allerdings sind die Produktionskapazitäten für die auch "Sun-Diesel" oder "Sun-Fuel" genannten Kraftstoffe noch minimal; die Technik steckt meist noch im Projektstadium.
Wasserstoff - Kraftstoff-Lexikon
Wasserstoff ist ein farb- und geruchloses Gas, bei dessen Verbrennung lediglich Wasserdampf und - wegen des Stickstoffgehaltes der Luft - Stickoxide entstehen.
Als Beitrag zur Verminderung des Treibhauseffektes ist der Einsatz als Pkw-Kraftstoff eine denkbare Alternative, da er ohne Kohlendioxid-Erzeugung verbrennt. Allerdings muss das Gas erst hergestellt werden - dabei entstehen je nach Verfahren erhebliche Mengen Kohlendioxid und die Produktion erfordert einen hohen Energieeinsatz.
Noch nicht zufriedenstellend gelöst ist außerdem das Speicherproblem des Wasserstoffs, der 14-mal leichter ist als Luft und nur unter extremem Druck oder bei extrem niedriger Temperatur (flüssig) in ausreichender Menge für den Betrieb im Auto genutzt werden kann. Das Gas kann entweder direkt im Motorraum verbrannt oder in einer Brennstoffzelle genutzt werden. Dort findet eine chemische Reaktion statt, bei der elektrische Energie entsteht, die das Fahrzeugs über einen Elektromotor antreibt.
Diesel - Kraftstoff-Lexikon
Dieselkraftstoff wird aus Rohöl gewonnen und ist ebenso wie Benzin ein Gemisch aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen. Diesel hat im Vergleich zu Benzin einen höheren Siedebereich und ist weniger leicht entflammbar. Ebenso wie leichtes Heizöl gehört Diesel zu den so genannten Mitteldestillaten. Bis Mitte der neunziger Jahre waren beide Produkte nahezu identisch, weshalb Heizöl wegen der geringeren Besteuerung eingefärbt wurde. Mittlerweile sind die Qualitätsunterschiede größer geworden.
Der Schwefelgehalt des Dieselkraftstoffs wurde seit dem Jahr 2000 zunehmend limitiert. Die bei der Verbrennung entstehenden Rußpartikel werden von modernen Autos größtenteils in speziellen Filtern zurückgehalten. Heute verkaufen die Tankstellen den Kraftstoff also so genanntes B7. Das bedeuteten einen Biodiesel-Anteil von sieben Prozent. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller haben gegenüber dem ADAC bestätigt, dass der B7-Kraftstoff für alle Dieselmodelle verträglich sei, solange er den vorgeschriebenen Normen entspricht.
Benzin - Kraftstoff-Lexikon
Chemisch gesehen sind Benzine Kohlenwasserstoffe des Rohöls, die zwischen 35 und 210 Grad Celsius sieden. Im Sprachgebrauch hat sich Benzin als übliche Bezeichnung für Ottokraftstoff durchgesetzt, der aus Rohöl destilliert und veredelt wird. In Deutschland gibt es seit 1997 nur noch bleifreies Benzin an den Tankstellen.
Wichtigste Eigenschaften des Benzins sind der hohe Energiegehalt, die gute Vergasbarkeit, die geringe Rückstandsbildung und die Klopffestigkeit, die durch die Oktanzahl in ROZ ausgedrückt wird. Die Klopffestigkeit verhindert, dass das Benzin zu früh im Zylinder zündet - was den Motor schädigen würde. Normalbenzin muss eine Oktanzahl von mindestens 91, Superbenzin von mindestens 95 und Superplus von mindestens 98 aufweisen.