Kriselnder Autobauer Warum ein Chrysler kein Mercedes ist
Die Versprechungen waren immens, die Zukunft sollte eine goldene werden. Doch bei rund 1,2 Milliarden Dollar Verlust, die der Chrysler-Konzern im vergangenen Jahr auswies, verbietet es sich, von einer Erfolgsstory zu sprechen. Was die Autos anbelangt, so profitierte vor allem Chrysler vom technischen Knowhow der Mercedes-Ingenieure. Und so war es ja auch von Beginn an geplant: Als behutsamer Transfer von Mercedes-Entwicklungen in die Chrysler-Modellpalette. Bloß nicht zuviel Kooperation, warnten die Skeptiker, denn Mercedes-Technik zu Chrysler-Preisen werde der Marke mit dem Stern schaden. Und eine Übernahme von Chrysler-Bauteilen in Mercedes-Fahrzeuge wurde ohnehin ausgeschlossen.
Die Modell-Schnittmenge beider Autobauer blieb daher klein. Als Erfolg muss der Chrysler 300 C verbucht werden, der erstens als Design-Glanzstück den verblassten Ruhm der US-Marke wieder aufpolierte und der mit reichlich Technik aus der vorherigen Mercedes E-Klasse auch überzeugende Fahrleistungen bietet. So hätte es auch dem Chrysler Crossfire ergehen können, der in weiten Teilen auf dem vorangegangenen Mercedes SLK basiert. Doch nach einem kurzen Strohfeuer zum Verkaufsstart brach der Absatz ein. Vom Crossfire, der bei Karmann in Osnabrück gebaut wird, wurden im vergangenen Jahr in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt lediglich 1317 Autos neu zugelassen.
Im Grunde ist mit diesen beiden Beispielen abgesehen von einigen Dieselmotoren, die aber auf dem US-Markt noch keine große Rolle spielen die Liste der engen Kooperationen schon zu Ende. "Bei den Geländewagen gab es zwar eine konzeptionelle Zusammenarbeit", sagt Analyst Christoph Stürmer vom Beratungsunternehmen Global Insight, "doch sind die Mercedes-SUV-Modelle und die knorrigen Jeep-Allradler einfach zu unterschiedlich, als dass sich da große Synergieeffekte ergeben könnten."
Auch im Vertrieb ist eine Kooperation von so unterschiedlichen Marken wie Mercedes sowie Chrysler, Dodge oder Jeep nur schwer vorstellbar. "Die Mischung dieser Marken, die ziemlich entgegengesetzte Images haben, funktioniert unter einem Dach nach meiner Einschätzung nicht recht ", sagt Nick Margetts vom Marktbeobachtungsunternehmen Jato Dynamics. Überhaupt seien sowohl Mercedes als auch Chrysler auf ihren Heimatmärkten nahezu automobile Vollsortimenter. Margetts: "Ich sehe da keine Lücken. Was zum Beispiel sollte Chrysler auf die Mercedes-Party mitbringen?" Umgekehrt gilt im Übrigen das Gleiche.
Die Ehe der Elefanten sofern sie fortgesetzt wird dürfte daher so schnell keine innige Beziehung mit vielen Sprösslingen werden. Es bleibt wohl eher eine Partnerschaft der Zukunftsphantasien.