Ladestrom aus Straßenlampen: Energie für Laternenparker
Ladestrom aus Straßenleuchten Es lade Licht
Elektroautos sind die idealen Stadtautos - jedenfalls für Menschen mit Garage, Carport oder sonstigem Anschluss an eine Steckdose. Es könnte aber auch anders gehen, etwa mit Hunderten von Ladepunkten für Laternenparker. So jedenfalls würde das Berliner Start-up-Unternehmen Ubitricity das Problem lösen.
Die Idee: Straßenlaternen werden mit Steckdosen ausgestattet.
Der Clou: Eine solche Umrüstung kostet nur etwa 300 Euro.
"Das Spannende ist, dass Straßenlaternen überall vorhanden sind und ich dort, wo mein Auto eh sieben oder acht Stunden steht, dessen Akku aufladen kann - ohne aufwendige Infrastruktur", sagt Ubitricity-Geschäftsführer Knut Hechtfischer. Laut Auskunft von Hechtfischer können sowohl bestehende Laternenmasten nachgerüstet als auch neue Laternen mit Ladedose aufgestellt werden - schließlich werden in Deutschland jedes Jahr etwa fünf Prozent der insgesamt rund neun Millionen Laternenmasten ausgetauscht.
Ein weiteres Detail des Konzepts steckt im Ladekabel. In der Verbindung zwischen Autoakku und Laternenpfosten ist nämlich ein Stromzähler integriert, bislang steckt dieses Gerät in den Ladesäulen. Das Ubitricity-System funktioniert so: Die gezapfte Strommenge wird vom Kabel über eine Mobilfunkverbindung an eine Zentrale übermittelt, die Abrechnung erfolgt über den jeweiligen Stromanbieter des Elektroautobesitzers am Monatsende.
Theoretisch ließe sich mit dem intelligenten Ladekabel an jeder öffentlichen Steckdose Energie tanken - unabhängig vom jeweiligen Stromanbieter und autark von den Bezahlsystemfirmen, die es für E-Auto-Ladesäulen inzwischen gibt.
"Die Belieferung eines mobilen Stromzählers durch verschiedene Stromlieferanten ist etwas Neues. Anfangs, vor rund zwei Jahren, wurde unser System als 'vagabundierender Zähler' gescholten", sagt Hechtfischer. Die Vorbehalte seien inzwischen jedoch ausgeräumt. "Wir sind in einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt gemeinsam mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt sowie dem Messstellenbetreiber Voltaris und erfüllen alle gesetzlichen Anforderungen", erklärt der Ubitricity-Chef. "Mobile Stromzähler gibt es übrigens auch auf Tausenden Lokomotiven."
Eine Steckdose steht direkt vor dem VDA-Hauptquartier
Aktuell laufen Feldversuche mit den Stromzählern im Ladekabel, unter anderem auch in Berlin. Kurz vor Weihnachten wurde ein Lichtmast in der Markgrafenstraße in Berlin-Mitte mit einer Ubitricity-Steckdose ausgerüstet, unmittelbar vor der Haustür des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA). Das "neue Ladekonzept" könne einen "wertvollen Beitrag" zum Ausbau der Ladeinfrastruktur leisten, lobte VDA-Geschäftsführer Ulrich Eichhorn. Die Testphase des Systems soll Ende 2014 abgeschlossen sein.
Die Senatsverwaltung in Berlin befindet sich derzeit in einem Vergabeverfahren für Hunderte Ladesäulen, die in den kommenden zwei Jahren installiert werden sollen. Entschieden ist noch nichts, es könnte also auf das vergleichsweise billige und simple Laternenladen hinauslaufen.
Eine Schnellladung von Akkus ist mit dem Strom aus den Lichtmasten allerdings nicht möglich. Hier geht es um Autos, die für einige Stunden am Straßenrand geparkt und dabei aufgeladen werden. Vor allem klammen Kommunen dürfte diese Lösung sehr entgegenkommen, denn eine Schnellladesäule kostet je nach Ausstattung und Spezifikation zwischen 10.000 und 30.000 Euro.