Land Rover Freelander: Der kleine Lord - DER SPIEGEL
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Land Rover Freelander Der kleine Lord

Land Rover bleibt am Gas. Nachdem 2002 der neue Range Rover antrat, vor zwei Jahren der neue Discovery und im vergangenen Sommer der Range Rover Sport kam, macht sich nun der neue Freelander startklar. Aus dem tristen Offroader von einst ist ein kleiner Nobelhobel geworden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Fünf Jahre lang war der Land Rover Freelander der erfolgreichste Geländewagen in Europa. Doch sieht man einmal von Großbritannien ab, wo der kleine Allradler über eingebauten Heimvorteil verfügt und seit seinem Debüt 1997 bis heute an der Spitze des Segmentes steht, sind seine Aktien in den letzten Jahren in den Keller gerauscht. Die Motoren zu langsam, zu laut und zu durstig, das Design zu fad und verstaubt und der Innenraum zu eng, unkomfortabel und lieblos gestaltet – das waren die Gründe, weshalb man den Freelander zuletzt kaum mehr auf der Straße gesehen hat.

Doch das könnte sich bald wieder ändern: Im Juli zeigen die Briten auf der Motorshow in London die zweite Generation ihres Einstiegsmodells. Und wenn der neue Freelander Anfang nächsten Jahres zum Händler kommt, müssen sich – so hofft die Ford-Tochter – Toyota RAV-4, Opel Antara und der BMW X3 warm anziehen. Denn aus dem schlichten Allradler ist mit dem Modellwechsel ein kleiner Lord geworden, der in Technik, Stil und Ambiente einiges von seinen großen Brüdern übernimmt.

Das beginnt schon beim Design. Zwar hat Formgeber Geoff Upex einige Merkmale des alten Modells übernommen und zum Beispiel die Motorhaube wieder wie eine Muschelschale über die Kotflügel gelegt und dem Dach eine kleine Stufe spendiert. "Doch lässt sein Design auch die Verwandtschaft zum aktuellen Discovery und zum neuen Range Rover Sport erkennen", sagt der Brite mit Verweis auf die vergitterten Kiemen mit den integrierten Blinkern an der Seite und die großen, klar verglasten Leuchten am Heck.

Auch innen macht der um fünf Zentimeter in die Länge gewachsene Freelander einen Sprung nach vorne – nicht nur, weil der Kofferraum jetzt mit 755 Liter Volumen fast 40 Prozent mehr Fassungsvermögen bietet, sondern weil die lieblose Kunststofflandschaft der ersten Generation nun – zumindest in den gehobenen Varianten - einer vornehmen Welt aus Holz und Leder weicht. Dazu gibt es große Glasflächen, eine erhöhte "Kommando-Position" für den Fahrer und eine Theaterbestuhlung im Fond. "Weil man etwas höher sitzt als vorne, genießt man auch auf der Rückbank freie Sicht", sagt Managing Director Phil Popham. Unbeschränkte Sicht nach oben allerdings wird es künftig nicht mehr geben: Weil der Freelander in Zukunft nur noch als Fünftürer daher kommt, sind der Dreitürer und mit ihm das Softtop-Cabrio jetzt Geschichte.

Sieben Airbags versprechen Geborgenheit

Unter dem Blech wird die Verwandtschaft mit Discovery und Range Rover Sport ebenfalls deutlich. Zwar sind die Motoren neu und erst einmal dem Freelander vorbehalten. Und auch der vom schwedischen Spezialisten Haldex entwickelte Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung ist auf den Freelander beschränkt. Doch elektronische Hilfssysteme wie die "Terrain Response" findet man nun erstmals auch in dieser Klasse. Den elektronischen Überrollschutz als Erweiterung des serienmäßigen ESP kennt man vom Discovery, und auch Extras wie die Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht oder das DVD-Navigationssystem verdankt der Kleine seinen großen Brüdern. Dazu gibt es serienmäßig sieben Airbags und eine Zweizonen-Klimaaanlage sowie auf Wunsch ein Panoramadach und Digitalradio.

Bei den Motoren folgen die Briten der Formel "mehr für weniger". Obwohl sowohl der Diesel als auch der Benziner deutlich an Leistung zugelegt haben, geht der Verbrauch in beiden Fällen zurück. Die Kunden haben zunächst die Wahl zwischen einem neuen Reihensechszylinder-Benziner, der erstmals in dieser Klasse quer montiert ist und so Platz schafft, und einem Viezylinder-Diesel aus der Kooperation von Ford, Peugeot und Citroen. Der 2,2-Liter-Commonrail-Motor mit serienmäßigem Rußpartikelfilter leistet 160 PS und ist damit fast doppelt so stark wie der Vorgänger. Trotzdem sinkt der Verbrauch im Mittel auf 7,5 Liter. Mit nun maximal 400 Nm beschleunigt der Selbstzünder den Wagen künftig in 11,7 statt früher 14,4 Sekunden auf Tempo 100 und ist sicher gut für 180 km/h – auch wenn Land Rover diesen Wert bislang noch für sich behält.

Mehr Leistung, weniger Verbrauch - und höhere Preise

Auch der V6 ist stärker geworden: Statt 177 bringt er nun 233 PS auf die Straße. Er geht mit maximal 317 Nm zur Sache und schafft den Spurt in 8,9 Sekunden. Als Höchstgeschwindigkeit nennt Land Rover 200 km/h, und den Verbrauch geben die Briten mit 11,2 Litern an – immerhin zehn Prozent weniger als beim deutlich schwächeren Vorgänger.

Doch bei aller Freude über den Fortschritt: Einen Nachteil wird die technische wie optische Aufwertung des Freelanders ganz sicher haben: Die Preise steigen. Zwar gibt es dazu bislang noch keine offiziellen Informationen. Doch der alte Basispreis von 19.900 Euro für den Dreitürer mit Softtop und Benzinmotor ist nach dem Verzicht auf diese Karosserievariante natürlich nicht mehr zu halten. Und auch die bislang 28.800 Euro für den günstigsten Fünftürer sind wohl kaum zu schaffen.