Lkw-Fahrer Stress auf der Straße
Lkw-Fahrer halten den Sicherheitsgurt für überflüssig, sitzen zu lange am Steuer und wissen wenig über die Sicherheit ihrer eigenen Ladung: Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage des Institutes für Fahrzeugsicherheit München (IFM). Ziel der Befragung von rund 3000 Lkw-Fahrern war, die Ursachen für Lkw-Unfälle herauszufinden.
Die Statistik ist alarmierend: Bei Pkw-Unfällen sterben nach Angaben des ADAC 18 von 1000 Personen, bei Unfällen mit Lkw-Beteiligung sind es 38 von 1000 Personen.
Eine der Ursachen für diese Unfälle ist die Müdigkeit der Lkw-Fahrer: Ein Viertel aller Autobahn-Unfälle passieren, weil die Trucker übermüdet sind oder einschlafen. Dabei wissen die meisten, dass die Müdigkeit am Steuer gefährlich ist und zu höherer Unfallgefahr führen kann.
45 Stunden pro Woche beziehungsweise über sieben Stunden am Tag sitzen die Lkw-Fahrer durchschnittlich am Steuer. Dazu kommt noch das Be- und Entladen ihrer Brummis und die weiteren Tätigkeiten. Laut IFM ist jeder dritte Fahrer 50 Stunden und mehr pro Woche auf der Straße. Zwei von dreien arbeiten mindestens 60 Stunden. Erlaubt ist laut Gesetz aber nur eine wöchentliche Arbeitszeit von höchstens 60 Stunden.
"Die Stunden sind gar nicht so maßgebend, schlimmer ist der Druck", sagt Ludwig Hartmann, Vorsitzender des Landesverbandes Nord im Bund Deutscher Berufskraftfahrer. Vor allem der Termindruck führe dazu, dass die Fahrer keine Pausen mehr einlegten. Schuld an dieser Situation sind für Hartmann nicht nur die Arbeitgeber: "Die Kunden nötigen die Transportunternehmer und damit die Fahrer zu stressigen Einsätzen. Und wenn sich die Fahrer weigern, einen Auftrag auszuführen, dann steht die Konkurrenz bereit."
Wer dann aber mal Zeit für eine Pause hat, kommt nicht wirklich zur Ruhe: Auf den meisten Parkplätzen gibt es zu wenig Stellflächen für die Brummi-Fahrer. Wer seine Ruhezeiten einhalten will, muss oft mit den Auf- und Einfahrten Vorlieb nehmen. Das hat schon zu mehreren schweren Unfällen geführt. Ein weiteres Problem der Rast: "Die Fahrer müssen oft in der ersten Reihe neben der Autobahn stehen, mit dem Führerhaus zur Fahrbahn", erklärt Hartmann weiter. Die Lärmkulisse mache das Ausruhen zum zusätzlichen Problem.
Auch mit dem Anschnallen nehmen es die Trucker nicht so genau: Laut IFM hält jeder zweite das Fahren ohne Gurt für ungefährlich, nur jeder vierte lege den Gurt regelmäßig an. Nach Ansicht des Instituts hätten bis zu drei Viertel der getöteten oder schwer verletzten Lkw-Insassen mit Gurt geringere Verletzung erlitten.
Probleme gibt es auch bei der Ladungssicherheit: Mangelhafte Sicherung sei bei mindestens jedem achten Lkw-Unfall die Ursache. Auch das ist rund drei Viertel der Befragten klar. Die Sicherung ihrer eigenen Ladung schätzen sie jedoch meist als gut ein, obwohl in der Vergangenheit bei Kontrollen im Schnitt jedoch nur jeder vierte Lkw einwandfrei war.
Abhilfe könnte nach der Meinung der Forscher Weiterbildung bringen. Oft ist die Resonanz darauf angesichts der knappen Freizeit der Fahrer gering. Rainer Hessel, Geschäftsführer der Deutschen Verkehrswacht, hält Lkw-Stammtische für sinnvoll: Fahrer könnten sich hier unterhalten, Polizei und Experten informierten über neuste Richtlinien oder Tipps zum Thema Ladungssicherung. Außerdem hätten die Stammtische einen Vorteil: Die Fahrer legten eine Pause ein.