Marcos Englischer Exot im Sportdress
In dieser Woche richten sich die Augen der automobilen Welt auf London: Denn nach 30 Jahren kehrt die British International Motor Show jetzt endlich wieder in die Hauptstadt zurück. Doch dem ebenso kleinen wie feinen Sportwagenhersteller Marcos sind solche Menschenmassen offensichtlich nicht ganz geheuer. Weil er ohnehin nur ein paar Handvoll Autos im Jahr verkauft, braucht er nicht viele, aber dafür zahlungskräftige Messegäste und präsentiert seine Neuheiten deshalb lieber im "Salon Privé" einer exklusiven Autoschau im feinen Hurlingham Club.
Während in den Docklands ab Dienstag so gewöhnliche Hersteller wie Jaguar, Aston Martin oder BMW um Aufmerksamkeit buhlen, haben sich dort letzte Woche in der vornehmen Abgeschiedenheit eines altehrwürdigen Clubs all jene Marken und Modelle zusammen gefunden, die wirklich rar und teuer sind. Zum Stelldichein der "spektakulärsten, seltensten und exotischsten Sportwagen der Welt" kamen nach Angaben der Veranstalter unter anderem der Bugatti Veyron und der Mercedes SLR, der Ferrari F 599 GTB Fiorano, die aktuelle Bentley-Palette sowie das Showcar 101EX von Rolls Royce. Und natürlich durften auch Autos wie der Koenigsegg CCX oder der Mosler MT900 nicht fehlen, wenn sich Geburts- und Geldadel zwischen Champagner und Kaviar zu Benzingesprächen treffen.
Traditionsreiche Sportwagenschmiede
Ein Thema dabei waren die beiden Weltpremieren von Marcos, die die fast 50 Jahre alte Sportwagenmarke hier präsentierte. Die Wurzeln von Marcos reichen zurück bis in das Jahr 1959, als Jem Marsh und Frank Costin die Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen zusammengefügt und den gemeinsamen Bau sportlicher Autos beschlossen hatten. Sie landeten einige beachtliche Rennerfolge und machten auf der Straße mit ein paar wuchtigen Sportwagen so von sich reden, dass der Name Marcos bald etabliert war. Das Unternehmen wurde bis 1999 in Familienhand geführt und erlitt kurz danach mit dem TS 250 Schiffbruch. Dass es trotzdem weiterging, ist dem kanadischen Computermillionär Tony Stelliga zu verdanken, der sich die Namensrechte gesichert und das Unternehmen als "Marcos Engineering" wieder belebt hat. Dabei ist die Sportwagenschmiede aus Kenilworth in Warwickshire unter das Dach der Entwicklungsfirma Prodrive gerückt, die für zahlreiche Automobilhersteller Rallyeautos und Rennwagen aufbaut und mit ihrem Know-how auch Marcos auf die Sprünge geholfen hat.
Das erste Auto mit kanadischem Geld war der TSO, der nun in London seine zweite Evolutionsstufe erreicht hat, weil er laut Marcos in zahlreichen Details gründlich verbessert wurde. Ab sofort gibt es den rassig geschnittenen Zweitürer deshalb als geschlossenes GTC Coupé oder als R/T mit zwei großen Targa-Dachelementen für den freien Blick zum Himmel. Beide Modelle haben eine schier endlos lange Motorhaube und ein aggressives Gesicht mit großem Kühlermaul und riesigen Scheinwerfern, das ein wenig an einen Jaguar E-Type erinnert, der gerade aus der Zukunft zurück gekehrt ist. Dazu gibt es lange, flache Flanken mit riesigen Kiemen, eine hohe Gürtellinie, die sich am Heck zu kräftigen Hüften aufschwingt sowie einen Abschluss, der kürzer und knackiger kaum sein könnte.
Im Zuge der Modellpflege ist die Karosseriestruktur des Exoten im neuen Dress noch einmal leichter und steifer geworden, loben die Entwickler. Außerdem biete der Zweisitzer nun mehr Platz im Innenraum. Und vor allem gibt es einen neuen Antrieb. Weil unter der Haube nun der aktuelle 5,7-Liter-V8 aus der Corvette zum Einsatz kommt, stehen künftig schon in der Basisversion 420 PS bereit. Wem das nicht reicht, der kann auch ein Performance-Paket bestellen und sich dann über weitere 42 PS freuen. Wer geschickt mit dem manuellen Sechsganggetriebe umzugehen versteht, der kommt damit in 4,1 Sekunden auf 60 und in 8,5 Sekunden auf 100 Meilen in der Stunde, was in kontinentalen Einheiten etwa einem Sprinterwert von 4,2 Sekunden auf 100 km/h entspricht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 300 km/h.
Ungewöhnlicher Preis
Ungewöhnlich sind allerdings nicht nur das Auto und seine Fahrleistungen, sondern auch der Preis. Denn für einen weitgehend handgearbeiteten Sportwagen mit den Fahrleistungen eines Porsche 911 sind rund 72.000 Euro für die geschlossene und etwa 78.000 Euro für die offene Version ein überraschend günstiger Preis. Dumm nur, dass man fürs Erste ausschließlich in Pfund bezahlen muss. Denn zunächst wollen die Briten in diesem Sommer ihre englischen Händler beliefern. Doch auch in Deutschland laufen sich bereits Importeure warm, die den Exoten ins Land holen wollen.