Marken-Cups Dackel auf Anabolika
Sie alle sind klein und schnell und normalerweise dreht sich niemand nach ihnen um. Doch gerade deshalb schicken viele Autohersteller ihre eigentlich unspektakulärsten Modelle in eigenen Rennserien auf die Jagd nach Pokalen. Ford veranstaltet den Fiesta ST Cup, Volkswagen den Polo Cup, Renault den Clio Cup. Die Markencups mit subventionierten Teams im Rahmen größerer Motorsport-Events kosten die Hersteller "eine Stange Geld", wie ein Veranstalter sagt. Doch die Hersteller erhoffen sich von den aufwendigen Rennserien mit bis zu einem Dutzend Rennen in der Saison einen Abstrahleffekt auf das Image der Marke. "Wir wollen zeigen, dass man selbst mit einem kleinen Auto wie dem Fiesta schnell und sportlich unterwegs sein kann", sagt Eberhard Braun, Leiter Motorsport-Wettbewerbe bei Ford.
Deshalb leistet sich Ford bereits im fünften Jahr den Fiesta ST Cup. Jedes Team hat einen Ford-Händler als Partner-Unternehmen an der Seite, was für die Fahrer schnellen Zugriff auf Ersatzteile bedeutet. Und für die Händler, dass sie jederzeit einen Sport-Fiesta im Cup-Outfit als Blickfang für den eigenen Showroom ordern können. Der Markencup wurde neben dem New Renault Clio Cup unter dem Dach der Beru-Top-10 positioniert. Im Umfeld der verschiedensten semiprofessionellen Rennserien hofft man, junge Motorsportfans für die eigene Marke zu interessieren. Immerhin rund 30.000 Zuschauer kommen im Durchschnitt pro Veranstaltung darunter eine Menge potenzieller Kleinwagen-Kunden, die sich vom potenten Auftritt der flinken Flitzer auf dem Rennasphalt beeindrucken lassen sollen.
Abstrahleffekt auf das Image erhofft
Einen werbewirksamen Abstrahleffekt auf das Marken-Image erhoffen sich auch andere Hersteller. So schickt Seat sein Modell Leon Supercopa in die gleichnamige Rennserie. Mit 280 PS hat das kompakte Rennfahrzeug fast 100 PS mehr als das Serienmodell. Die spanische Volkswagentochter punktet im Marketing-Rennen der Hersteller um die Aufmerksamkeit für ihre Rennserien allerdings nicht nur mit PS, sondern auch mit Promi-Glamour.
So wird beim vierten Rennwochenende des Seat Leon Supercopa am 23. und 24. Juni am Norisring der ehemalige Skispringer Sven Hannawald an den Start gehen. Vergangenes Jahr hatte man Cora Schumacher verpflichtet, die Gattin von Formel-1-Pilot Ralf. Die blonde Behelfs-Rennfahrerin sorgte auch gleich für Schlagzeilen, als sie beim zweiten Rennen der Saison am Lausitzring knapp am kapitalen Crash vorbeischrammte.
"Natürlich müssen unsere prominenten Gastfahrer halbwegs mit einem Rennauto umgehen können", sagt Cup-Leiter Oliver Schielein. "Ein Sportler wie Hannawald kann Risiko und Mut gut einschätzen." Aber auch "Cora hat ihren Job sehr ordentlich gemacht", so Schielein. Denn immerhin berichtet die "Bild"-Zeitung ausführlich über das werbewirksame Ungemach, und auch bei Johannes B. Kerner im ZDF plauderte mit Frau Schumacher über ihre Motorsporterfahrungen hinterm Seat-Steuer.
Manche Rennserie ist mehr PR-Gag als Motorsport
Schwächen solche PR-Gags nicht die Glaubwürdigkeit des unter großem Aufwand ins Leben gerufenen Motorsport-Spektakels? Und der Marke Seat überhaupt? Denn schon ohne Promi im Cockpit wirken die getunten Kleinwagen mitunter eher wie gedopte Dackel auf Anabolika. Seat Deutschlands Marketing-Chef Jörg Hitpass jedenfalls zeigte sich sehr erfreut über den Cora-Effekt: "So ein Medienecho hatten wir noch nie." Aber sieht man das auch bei Audi so? Immerhin gehören die Ingolstädter wie Seat zum Volkswagen-Konzern und investieren seit Jahren viel dafür, sich seriös und distinguiert auf Augenhöhe mit Mercedes und BMW zu bewegen.
Motorsport, das bedeutet bei Audi DTM, das ist ernsthafter Wettbewerb. "Was Seat macht und in welcher Form sie im Motorsport auftreten, ist deren Angelegenheit", sagt Audis Motorsport-Sprecher Jürgen Pippig. "Grundsätzlich aber muss man geeignete Maßnahmen ergreifen, um einen Markencup bekannt zu machen, das ist keine leichte Aufgabe. Da gehört eben auch dazu, dass beispielsweise Prominente mitfahren, die von den anderen Teilnehmern überrundet werden. Das ist in anderen Cups auch so, das Problem ist nicht neu."
Sänger, Schauspieler oder Sportler im Schalensitz
Tatsächlich sitzen bei den meisten Markencups immer wieder Schauspieler, Sänger oder Sportler am Steuer der Rennwagen. Beim Suzuki-Rallye-Cup, dem einzigen Rallye-Markencup Deutschlands, kurvten in den vergangenen beiden Jahren "Manta Manta"-Schauspielerin Tina Ruland, Stabhochspringer Tim Lobinger und TV-Richter Alexander Hold in den 135 PS starken Kleinwagen vom Typ Swift Sport über die Parcours.
Bei der Mini-Challenge gaben TV-Komikerin Anke Engelke, Musiker Joey Kelly und Quatschkopf Oliver Pocher Gas, beim Porsche-Carrera-Cup versuchten sich in den vergangenen Jahren Bob-Olympiasieger Christoph Langen, Schwimm-Weltmeister Mark Warnecke und Rapper Smudo im Cockpit des 390 PS starken 911 GT3 wobei zumindest Fanta-Vier-Sänger Smudo schon seit sieben Jahren in verschiedenen Klassen Rennen und Rallyes fährt und kein komplettes Greenhorn auf der Strecke ist. Das ist von Vorteil, denn der Carrera-Cup ist der schnellste Markenpokal der Welt.
Deutlich weniger PS, aber ein sportliches Konzept ,bietet wiederum der VW-Polo-Cup. Alle Wagen, die bei einem der zehn Rennen im Vorprogramm der DTM an den Start gehen, sind exakt gleich. "Bis zur kleinsten Schraube", verspricht Cup-Sprecher Andre Dietzel. Vor jedem Rennen werden die Wagen getauscht, so dass "der beste Fahrer gewinnt und nicht der, der am meisten in sein Auto investiert hat". Mit diesem Sportsgeist und 150 PS unter der Haube findet die Rennserie der kleinen Volkswagen großen Anklang beim DTM-Publikum und in der Wolfsburger Marketing-Abteilung. "Ein sportliches Image ist wichtig, gerade für unsere jungen Kunden", sagt Dietzel. "Das überträgt sich auf alle Produkte. Und natürlich geht es im Motorsport immer darum, technische Kompetenz unter Beweis zu stellen." Und solange Volkswagen nicht gegen Ferrari, McLaren Mercedes & Co. in der Formel 1 antritt, sorgt zumindest der Polo-Cup für Erfolge im Rennzirkus.