Mazda 3 Erlkönig im Elfenland
Island steht bei den Autoherstellern derzeit hoch im Kurs. Obwohl die stürmische Insel im Nordatlantik nur über 50 Kilometer Autobahn verfügt, selbst die Ringstraße um die Insel nicht durchgehend asphaltiert ist und im ganzen Land ein Tempolimit von 90 km/h gilt, werden dort immer öfter neue Autos vorgestellt zuletzt etwa der neue VW Golf.
Noch bevor der Bestseller aus Wolfsburg durch die Lavafelder zwischen Geysir und Blauer Lagune rauschte, war auch ein direkter Konkurrent auf der Insel unterwegs allerdings in geheimer Mission. Denn kurz vor der Doppelpremiere auf den Messen in Los Angeles und Bologna drehte der kommende Mazda 3 als stark getarnter Erlkönig dort seine letzten Testrunden.
"Die Straßen hier sind für unsere Abstimmungsfahrten wie gemacht", sagt Uwe Kracht aus dem europäischen Entwicklungs- und Designcenter in Oberursel bei Frankfurt am Main, der die Testfahrten leitet. Sie sind einsam, kurvig und rau wie ein Reibeisen. Deshalb zeige sich hier auf jedem Meter, ob der beim Fahrwerk gesuchte Kompromiss zwischen Komfort und Dynamik tauge, erläutert der Entwickler, der den neuen Mazda 3 etwas sanfter abstimmen sollte als das bisherige Modell. Die Zeiten von Federn und Dämpfern mit Kompromisslosigkeit eines Plombenziehers sind offenbar vorbei.
Auch in anderen Bereichen kommt Mazda vermeintlichen Kundenwünschen entgegen. Zum Beispiel beim Platzangebot. Beim aktuellen Modell wurden oft der kleine Kofferraum und die geringe Beinfreiheit kritisiert. Die neuen Modelle - es gibt den Mazda 3 als Stufenheckmodell sowie als Fünftürer - wurde um bis zu neun Zentimeter gestreckt, um dem abzuhelfen.
Endlich weg von der Backwecker-Optik
Außerdem arbeiteten die Japaner am sogenannten Wohlfühlfaktor. Während das Design der Karosserie nur ein wenig geglättet wurde und den Mazda 3 mit größeren Scheinwerfern und kleinen Muskelpaketen nun etwas sportlicher aussehen lässt, blieb innen kaum ein Teil gleich. "Da hatten wir Nachholbedarf", sagt Mazdas Chef in Europa, James Muir. Die Oberflächen sehen fein aus und fühlen sich auch so an. Und die Bildschirme von Klimaanlage, Radio und Bordcomputer sehen nun endlich nicht mehr aus wie die eines elektronischen Backweckers aus den siebziger Jahren.
Gleichzeitig wurde die Technik aufgerüstet: Es gibt aktive Kopfstützen sowie eine Navigation mit Festplatte und MP3-Jukebox, auf Wunsch auch noch Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht und einen Sensor, der den toten Winkel überwacht. Dazu wecken sechs Airbags und das serienmäßige ESP die Hoffnung auf fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest.
Bessere Geräuschisolierung, mehr Komfort
Ebenfalls dem Wohlbefinden dient die bessere Schallisolierung, die den Mazda 3 zum Leisetreter macht. Das prüft bei den Testfahrten auf dem rauen isländischen Asphalt eine Mitarbeiterin, die klaglos jede Marterstrecke über sich ergehen lässt und nie eine Pause braucht: Maria nennen die Ingenieure scherzhaft den Roboterkopf mit den Hochleistungsmikrofonen, der für die Geräuschmessungen ins Auto geschnallt wird und selbst das kleinste Knistern oder Knirschen aufzeichnet.
Im neuen Mazda 3 allerdings bleiben die Messprotokolle überraschend leer. Denn bis auf den Wind, der durch die Tarnfolien fährt wie durch die Takelage eines Segelschiffs, und das Abrollgeräusch der Reifen dringt kaum ein Mucks in den Innenraum. Selbst den neuen Dieselmotor hört man nur wie durch Watte. Dabei geht der Selbstzünder mächtig zur Sache: Immerhin 185 PS und 400 Nm holt der Vierzylinder aus 2,2 Liter Hubraum.
Unter der Haube steckt vor allem Hausmannskost
Neben dem neuen Dieselaggregat, das es auch in einer kleineren Ausbaustufe mit 150 PS gibt, hat Mazda unter der Haube allerdings nur bekannte Hausmannskost zu bieten. Der 1,6-Liter-Diesel leistet wie ehedem 110 PS, und die beiden vorerst einzigen Benziner mit 105 und 150 PS müssen, anders als bei der Konkurrenz, ohne Downsizing, Direkteinspritzung und Turbolader auskommen. Dennoch konnte der Spritverbrauch gesenkt werden. In einigen Versionen "um zehn bis 15 Prozent", heißt es.
Uwe Kracht muss trotzdem häufig die winzige Tankstelle anfahren, die mitten im Nirgendwo aufgebaut wurde. Denn im Dauerlauf kommen reichlich Kilometer zusammen. Doch nachdem er mit dem Erlkönig fast eine Woche lang immer wieder auf der einsamen Uferstraße um den Walfjord gefahren ist, stundenlang noch am Straßenrand die Messewerte auf dem Laptop kontrolliert und die letzten Parameter justiert hat, kann für den Testfahrer die Produktion des neuen Mazda 3 beginnen: "Wenn sich das Fahrwerk auf diesen Straßen bewährt, dann müssen wir uns im Rest von Europa keine Sorgen machen."