Mazda Cosmo: Sportler mit Wankelmut - DER SPIEGEL
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Mazda Cosmo Sportler mit Wankelmut

Der Mazda Cosmo war eines der ersten Serienautos mit Wankelmotor - doch nach Europa verschlug es das Fahrzeug erst als Oldie. SPIEGEL ONLINE spürte eines auf und machte eine Spritztour.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Toyota baute das Modell 2000 GT, bei Nissan-Vorläufer Datsun reifte die Idee zum Z 280, und Honda fertigte den S 800. Nur Mazda musste in den sechziger Jahren auf die Frage nach einem Sportwagen passen. Das sollte sich ändern, und es traf sich gut, dass die Mazda-Entwickler der revolutionären Konstruktion von Felix Wankel verfallen waren. 1961 bereits kaufte Mazda bei NSU die Lizenzen für den Kreiskolbenmotor. Fortan fahndete die Marke nach dem passenden Autokonzept, um den Rotationsmotor auf die Straße bringen zu können.

Während in Deutschland zu dieser Zeit bereits an der Limousine NSU Ro 80 gearbeitet wurde, war der vermeintlich revolutionäre Antrieb für Mazda an einen Sportwagen geknüpft. So wurde 1962 unter dem Werkskürzel "L402A" das Projekt Cosmo gestartet. Im Frühjahr 1963 ratterte in Hiroshima das erste Zweischeibenaggregat, im Herbst wurde auf der Motorshow in Tokio eine erste fahrfähige Studie präsentiert.

1966 wurden die ersten 60 Prototypen an Mazda-Händler in Japan ausgeliefert und im Mai des Jahres 1967 schließlich enthüllte Mazda ein bildhübsches, kleines Sportcoupé. Unter dessen Haube steckte ein Zweischeibenmotor mit einem Brennraum von 982 Kubikzentimetern, der im ersten Jahr 110 PS leistete und später auf 128 PS getrimmt wurde.

Aber nicht nur der Motor war einzigartig. Auch das Design des Cosmo sorgte für Aufsehen. Als Destillat aus Muscle Cars wie dem Ford Mustang und der Corvette von Chevrolet wird der 4,14 Meter kurze und 1,17 Meter flache Cosmo Sport zu einem Blickfang mit klassischen Proportionen: Die Haube ist lang, das Dach flach und das Heck knackig. Dazu gibt es verspielte Details wie die Kiemen und Finnen an den Kotflügeln, charmante Scheinwerferglubschaugen vorn und von der Stoßstange geteilte Leuchten hinten. Das Mazda-Logo auf diesem Auto dürften höchstens noch Markenhistoriker kennen. Und die Überdosis Chrom auf diesem Auto zeigt ganz klar, dass der Wagen auffallen sollte.

Lediglich 1516 Exemplare des Cosmo wurden gebaut

Weshalb der Cosmo trotz der glamourösen Anlagen im Schatten des Ro 80 steht und als Sportwagen nie zu den verdienten Ehren kam, hat einen einfachen Grund: Er wurde ausschließlich in Japan verkauft. Und auch dort nur in geringer Stückzahl. Während der Ro 80 binnen zehn Jahren fast 38.000-mal produziert wurde, gab es vom Mazda Cosmo Sport nur 1516 Exemplare, bevor die Fertigung 1972 schon wieder gestoppt wurde.

Dass es der Wagen nicht nur zu ein paar Sammlern in den USA, sondern auch nach Deutschland geschafft hat, ist unter anderem ein Verdienst des Mazda-Händlers Walter Frey aus Gersthofen bei Augsburg. Der "Wankel-Wahnsinnge" sammelt seit Jahrzehnten Devotionalien rund um den Kreiskolbenmotor und besitzt eine Autosammlung von rund 150 Fahrzeugen - darunter auch gleich zwei der raren Cosmo. Die fährt er auch regelmäßig. "Ein Auto ist wie eine Uhr", sagt Frey, "wenn es nicht läuft, kann man es eigentlich nicht brauchen." Diese Einstellung und sein profundes Wissen machten ihn als einzigen Europäer zum Mitglied im elitären Cosmo-Owners-Club, der das Coupé in Japan ähnlich verehrt wie hierzulande die Fans den Flügeltürer-SL von Mercedes.

Der Mazda Cosmo liebt hohe Drehzahlen

Der weiße 68er-Cosmo, den Frey in den achtziger Jahren am Ende eines USA-Urlaubs am Rande New Yorks kaufte, läuft tatsächlich wie ein Uhrwerk. Ohne Murren springt der Wankel-Motor an und hat daraufhin mit dem nur 940 Kilo schweren Sportler leichtes Spiel. Wer den Wagen auf Anraten des Besitzers mit hohen Drehzahlen bei Laune hält und oft genug zum dürren Schaltknüppel des präzisen Vierganggetriebes greift, kann auch 40 Jahre nach dem Stapellauf noch flott und seidig durch die bayerischen Wiesen schnurren.

Nur ob der Cosmo auch heute noch in neun Sekunden auf Tempo 100 sprintet, und ob es der Tacho in der nüchternen Uhrensammlung hinter dem dürren Holzlenkrad wirklich noch einmal bis zur 200 schafft - das probieren wir lieber nicht aus. Denn die Straßenlage ist mäßig wie der Seitenhalt in den kleinen Stühlchen, die wie Gartenmöbel mit Kunstlederbezug wirken. Und am Steuer eines Rechtslenkers hat man auf kontinentaleuropäischen Landstraßen ohnehin ein Handicap. Außerdem ist der verkannte Klassiker eines von vielleicht einem Dutzend Exemplaren in Europa, von dem allenfalls die Hälfte fahrbereit ist, gibt Frey uns warnend mit auf den Weg.

Hierzulande nur eine exotische Fußnote

Während der Wankel-Motor in Deutschland als exotische Fußnote in die Autogeschichte einging und es nach dem Ende des Ro 80 nirgends mehr in die Serienproduktion schaffte, hält Mazda dem Konzept der kreisenden Kolben bis heute die Treue. Fast ohne Unterbrechung hatte die Marke stets mindestens einen Sportwagen, zwischendurch sogar Limousinen und Kombis, mit Wankel-Motor im Programm. Die Chronik führt deshalb beinahe nahtlos bis zum aktuellen RX-8, der als letztes Serienauto die Wankel-Fahne in den Wind reckt. Von dem Auto hat Mazda bislang weltweit rund 170.000 Exemplare verkauft. In Deutschland jedoch ist der Sonderling mit nicht einmal 700 Zulassungen im vergangenen Jahr ein Außenseiter. Er gilt Vielen als zu durstig, und mit 231 PS gehört er zudem zu den eher bescheidenen Sportwagen.

Damit ist bald Schluss, heißt es bei Mazda. "In Japan arbeiten die Entwickler an einem neuen Motor", sagt Firmensprecher Jochen Münzinger. Der werde größere Brennkammern, schmalere Rotoren und eine Benzindirekteinspritzung bekommen. Unter dem Strich verspricht er "mehr Leistung bei weniger Verbrauch". In zwei bis drei Jahren soll die Maschine fertig sein, erklärt Münzinger. Dass Mazda um einen neuen Antrieb ein schönes Auto bauen kann, hat das Unternehmen ja vor mehr als 40 Jahren schon einmal bewiesen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde behauptet, der Mazda Cosmo sei das erste Serienmodell mit Wankelmotor gewesen. Tatsächlich war dies der NSU Wankel Spider. Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen.

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