Mazda CX-5: Erlkönig im Elfenland - DER SPIEGEL
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Mazda CX-5: Der erste Kompakt-SUV der Marke

Mazda CX-5 Erlkönig im Elfenland

Trolle, Elfen, Halbwesen - geheimnisvolle Gestalten gibt es auf Island genug. Da fällt ein Erlkönig wie der kleine Geländewagen von Mazda bei seinen letzten Testfahrten kaum auf. Bald wird die Geheimniskrämerei ohnehin überflüssig: Auf der IAA steht der neue Mazda CX-5.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Szenerie hat etwas Gespenstisches. Dichter Nebel liegt über dem grauen Fjord, die Luft ist so feucht, dass sie von der Jacke perlt, das Blickfeld wird begrenzt von schwarzer Lava mit einer Garnitur aus blassgrünen Flechten, und die eisbedeckten Vulkangipfel am Horizont sind mehr zu erahnen als zu sehen. Würde sich jetzt ein Troll oder ein Elf materialisieren, keiner würde sich wundern. Dies hier ist schließlich Island, und nirgends kennen die Sagas mehr Halb- und Fabelwesen als auf der Vulkaninsel im Nordatlantik.

Ganz so mystisch ist das, was aus der grauen Wolkensuppe auftaucht, dann allerdings nicht. Doch ins Bild passt das Auto mit der schwarz-weiß gesprenkelten Tarnfolie und den abgeklebten Markenzeichen durchaus. Immerhin fährt da kein Serienmodell, sondern ein Erlkönig. So nennen Ingenieure eigentlich noch geheime Prototypen, mit denen sie kurz vor deren Enthüllung letzte Testfahrten absolvieren. Dafür sind die Straßen Islands bestens geeignet. Sie sind nicht nur kurvig und bisweilen ziemlich holperig, sondern auch sehr einsam.

In diesem Fall jedoch geben sich die Entwickler freizügig und bringen die Öffentlichkeit gleich mit. Denn nach mehr als drei Jahren Entwicklungszeit hat Mazda jetzt den ersten kompakten Geländewagen der Marke fertig gestellt und ist so stolz auf das Modell CX-5, dass es noch im Tarngewand den ersten Pressevertretern vorgeführt wird - während der Testfahrten rund um den Walfjord im Nordwesten von Reykjavik.

Der CX-5 ist ein von Grund auf neues Auto

Der Stolz fußt auf dem neuen Technologiepaket Skyactiv, das zumindest für Mazda einen Meilenstein markiert: Wo sonst für ein neues Auto einzelne Komponenten neu entwickelt und mit bestehenden kombiniert werden, sei hier wirklich alles neu, heißt es aus dem europäischen Entwicklungszentrum in Oberursel. "Bodengruppe, Karosserie, Fahrwerk, Getriebe und Motoren kommen hier allesamt zum ersten Mal zum Einsatz. Das gibt es auch bei der Konkurrenz nicht alle Tage."

Ziel der Technik, die wohl als nächstes in den Modellen Mazda 6 und Mazda 3 zum Einsatz kommt, ist eine Reduktion des Flottenverbrauchs bis 2015 um fast 25 Prozent bezogen auf den Wert von 2008. Deshalb zum Beispiel hat Mazda mit der neuen Bodengruppe 50, mit der Karosserie 20 und mit Antrieb und Ausstattung noch einmal 30 Kilogramm gespart und das Gewicht des CX-5 unter 1400 Kilo gedrückt. "Ein vergleichbarer VW Tiguan ist etwa 70 Kilo schwerer", betont Projektleiter Hideaki Tanaka.

Ebenfalls den CO2-Zielen geschuldet sind die Start-Stopp-Automatik für alle Varianten, die neuen Schalt- und Automatikgetriebe mit sechs Gängen und natürlich die neuen Motoren. So stellen die Japaner ihren Benziner - in Deutschland hat der 2,0-Liter-Motor 165 PS - auf Direkteinspritzung und eine extrem hohe Verdichtung um. Auch der Diesel wird höher verdichtet, bekommt einen zweistufigen Lader und kommt bei 2,2 Litern Hubraum wahlweise auf 150 oder 175 PS.

Ein Motorenkonzept, das auf generellen Verzicht setzt

Im Übrigen verzichten die neuen Sparmotoren auf exotische Materialien und aufwändige Konzeptionen. Der Benziner verzichtet auf den sonst mittlerweile üblichen Turbolader und kostet keinen Cent mehr als vorher. Das soll sich in der Preispositionierung des CX-5 bemerkbar machen, der in der günstigsten Version deutlich unter 25.000 Euro kosten soll. Damit wäre er bei vergleichbarer Leistung deutlich günstiger als der Klassenprimus VW Tiguan. Sparsam ist der CX-5 zudem: Der Benziner kommt auf einen Normverbrauch von 6,0 Litern und der kleine Diesel als Fronttriebler auf 4,5 Liter.

Zwar ist die Skyactiv-Technologie durch und durch auf Vernunft ausgelegt, doch sie führt führt zu einem durchaus sportlichen Auto. Die Getriebe schalten sich kurz und knackig und das Fahrverhalten ist gut abgestimmt. Während man zum ersten Mal bei Mazda auf Sitzen mit ordentlichem Seitenhalt fährt und hinter dem Lenkrad auf Anhieb ein gutes Gefühl für das Gefährt bekommt, folgt der SUV unerwartet rasant den Kurvenlinien. Projektleiter Tanaka freut sich über die entspannten Gesichter der Gäste. Die lassen es hurtig angehen. Zwar gilt auf ganz Island ein Tempolimit von 90 km/h, doch genauso selten wie neugierige Fotografen sind in diesem Teil Europas Polizeistreifen. Ein Mazda-Entwickler sagt: "Auch das macht die Insel für uns so reizvoll."