Mazda-Designstudien Warten auf den Rechenschieber
Studien in Serie haben derzeit offensichtlich Konjunktur. Nicht umsonst hat die BMW-Tochter Mini in Genf nach einem Entwurf für die Messen in Frankfurt, Tokio und Detroit nun schon die vierte Spielart des künftigen Kombis gezeigt. Und auch bei Mazda denkt man augenscheinlich in einer logischen Folge, wenn auch nicht ganz so eintönig wie bei Mini. So haben die Japaner im letzten Jahr zur IAA eine Trilogie gestartet, für die das Designstudio auf dem entsprechenden Kontinent einen Entwurf liefern und auf der jeweiligen Messe zeigen sollte.
In Frankfurt war das der Kompaktwagen Sassou aus der Kreativabteilung in Oberursel, in Tokio drehte sich die am Mazda-Stammsitz Yokohama gezeichnete Großraumvision Senku im Scheinwerferlicht, und in Detroit durften die Kollegen aus dem Studio in Kalifornien mit dem Kabura auftrumpfen. In Genf hatten die Designer dann außer einem Facelift für den Mazda 3 nichts Neues mehr zu zeigen. Doch fand ihr Chef Moray Callum dort die Gelegenheit zu einem ersten Fazit am Ende der Studien-Reihe.
Die Kreativen in Oberursel designten den Sassou
Die drei Konzepte könne man nicht direkt miteinander vergleichen, mahnt Callum vorweg, weil sie eben nicht nur für unterschiedliche Kulturkreise stünden, sondern auch einen verschiedenen Reifegrad und jeweils eine eigene Mission hätten. "Der in Frankfurt gezeigte Sassou ist eine klassische Designstudie, die das Publikum auf den Nachfolger des Mazda 2 einstimmen soll", sagt Callum. Dabei stehe außer Zweifel, dass es irgendwann einen neuen, kompakten Mazda geben werde.
Gleichzeitig aber sei es klar, dass der Mazda-2-Ersatz nicht genau so ausfallen könne wie der sportliche Dreitürer im iPod-Look. "Doch nun glaubt uns jeder, dass wir das neue Modell für das B-Segment sehr viel dynamischer, jugendlicher und mit mehr Sexappeal gestalten als den etwas konservativen Mazda 2 von heute", sagt Callum. "Deshalb gilt eine Studie wie der Sassou für uns als Appetithäppchen, Vorspiel oder Präludium, das Lust auf den eigentlichen Hauptgang machen soll."
Ein Befreiungsschlag für die Designer in Yokohama
"Beim Senku war die Aufgabenstellung eine andere", sagt der Designchef, "denn dieses Auto weist sehr viel weiter in die Zukunft." Es war eine Art Befreiungsschlag für die Zeichner in Yokohama, "die bislang immer sehr konservative und realistische Entwürfe" abliefern mussten. In diesem Fall aber durften sie endlich auch einmal in die Glaskugel schauen und eine Dekade überspringen. Heraus gekommen ist ein futuristisches Gefährt zwischen Van und Coupé, das allenfalls als Vision für die übernächste Fahrzeuggeneration dienen kann. "Viel Greifbares für ein Serienmodell steckt im Senku nicht", sagt Callum und erklärt das mit dem internen Projektcode für den Zweitürer: "The Dream - der Traum."
Am Spannendsten allerdings ist die Zukunft für den Kabura, dem Callum den internen Code "der Lackmustest" zugewiesen hat. Denn dieser Showcar aus Kalifornien soll - wie der Papierstreifen in der Testflüssigkeit - zeigen, ob es einen Markt für einen weiteren Sportwagen zwischen dem Roadster MX-5 und dem viertürigen Wankelcoupé RX8 gibt. "Die Reaktionen des Publikums und der potenziellen Kunden waren sehr positiv", fasst der Schotte das Echo auf der Messe in Detroit und die ersten Tage in Genf zusammen.
Jetzt müssen erst einmal die Buchhalter ran
"Doch auf die Kunden alleine kommt es nicht an. Denn jetzt müssen erst mal die Buchhalter ran", sagt Callum und skizziert die Anforderungen eines so genannten Business-Case': "Wie viele Autos können wir davon verkaufen, wie viele Kunden büßen wir in den anderen Baureihen ein, und was würde uns die Produktion kosten?" Erst wenn all diese Fragen beantwortet sind und die Rechenschieber ein positives Ergebnis zeigen, könnte der Kabura in Serie gehen.
Was die Designer angeht, haben sie laut Callum die Brücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit bereits geschlagen. "Man macht einen großen Fehler, wenn man den Messegästen eine tolle Studie zeigt und dann wegen des großen Echos ein Serienmodell beschließt, das mit dem Showcar nicht mehr viel zu tun hat", fasst der Stilführer der Japaner das gängige Missgeschick vieler kaputt gerechneter Designentwürfe zusammen. "Dann darf man sich nicht wundern, wenn den Wagen später keiner kauft", sagt Callum und verspricht, dass es daran am Kabura nicht scheitern werde.
"Dieser Entwurf ist so nah an der Realität, dass wir viel davon umsetzen könnten, wenn wir grünes Licht bekämen", stellt der Designer in Aussicht. Das sei ähnlich wie beim MX-Crossport. Der stand vor einem Jahr als Studie V in Detroit, und nun wird er als Serienmodell eingeführt. Ein gutes Omen?