Mazda Kiyora: Klein, aber rein - DER SPIEGEL
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Mazda Kiyora Klein, aber rein

Volle Städte, hohe Steuern, teurer Sprit: Das ist der ideale Nährboden für kleine Autos. Das hat nun auch Mazda erkannt und zeigt auf dem Autosalon in Paris einen City-Flitzer. Noch ist der Kiyora eine Studie, doch vielleicht wird der smarte Saubermann zum Mazda 1.
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Den Trend zum Kleinstwagen hat Mazda bislang verschlafen. Während die Konkurrenten mit Winzlingen wie Renault Twingo, Ford Ka, Fiat 500 oder Smart gleichermaßen den Stadtverkehr wie ihre CO2-Bilanz retten, ist für die japanische Marke nach unten hin bislang beim Modell Mazda 2 Schluss. Der ist mit 3,88 Metern zwar auch kein Riese, spielt aber in einer Liga mit VW Polo, Renault Clio oder Nissan Micra und ist vielen Kunden in der Stadt schon eine Nummer zu groß. Bald könnte ein noch kleineres Modell diese Nachfrage befriedigen. "Wir brauchen in Zukunft mehr kleine Autos", zitiert Mazda-Europa-Designchef Peter Birtwhistle aus den Analysen der Trendscouts. "Die Städte werden voller und die Staus länger. Und wir müssen immer strengere CO2-Auflagen erfüllen.“

Als einen Weg aus dem Dilemma hat Birtwhistles Team aus dem europäischen Designcenter in Oberursel zum Automobilsalon in Paris die Studie Kiyora entworfen. Der Vorbote eines möglichen Mazda 1 steht an der Nahtstelle zwischen Minimobilen wie dem Smart auf der einen und vollwertigen Kleinwagen wie Ford Fiesta oder Opel Corsa auf der anderen Seite. Mit einer Länge von 3,77 Metern ist er zehn Zentimeter kürzer als der Mazda 2 und bietet Platz für vier Personen. Damit die beiden Notsitze allerdings nicht ständig den mageren Platz im Kofferraum schmälern, haben sich die Designer einen Clou einfallen lassen: Statt einer Rückbank gibt es im Kiyora eine flexible Bahn aus Spezialgewebe, die nach dem Prinzip einer Sonnenliege über einen dünnen Rahmen aus Spezialstahl gespannt wird. "Wer sich hineinfallen lässt, sitzt bequem wie in einem Sessel", schwärmt Birtwhistle. "Und wenn keiner darauf sitzt, kann man von hinten problemlos Koffer, Kartons oder Einkaufstüten dagegen drücken."

Wie alle Mazda-Studien der letzten Jahre folgt auch der Kiyora der Designphilosophie von der Kraft der Elemente. Die Formen der Studie sind an jene von Wasser angelegt - die Karosserie erinnert also an die Form eines Tropfens - was das Auto zudem sehr windschnittig macht. Auch die Farben sind von der Natur inspiriert. Blau und Grün geben den Ton an. Außerdem lässt der Kiyora die Grenzen zwischen Exterieur und Interieur verschmelzen: Die Türen sind transparent über einen von der Sicherheitszelle des Smart inspirierten Rahmen gezogen, und die Armlehnen schimmern hervor wie wogendes Seegras unter der Wasseroberfläche.

Regenwasser wird als Erfrischung aufbereitet

Geplant ist der Wagen nicht allein als Fortbewegungsmittel. Es soll auch als vorübergehender Rückzugsort von einer Generation genutzt werden, die zwischen Büro und Abendprogramm ohnehin nicht mehr nach Hause fährt, sagt Birtwhistle. "Deshalb ist der Kiyora eine Oase der Ruhe im Dschungel der Großstadt, eine Art Lounge, in der man sich entspannen und erholen kann."

Dafür stehen ein paar verspielte Details, wie es sie in jeder Studie gibt: So steckt im Armaturenbrett ein riesiger Aktivekohlefilter, der alle störenden Stadtgerüche bindet und selbst unter der Smogglocke von Paris genügend frische Luft verspricht. Und wenn es regnet, sammelt der Kiyora automatisch das Wasser, das mit einem ursprünglich für das Militär entwickelten Filtersystem aufbereitet und dann in eine Trinkflasche geleitet wird. Ein weiteres Highlight der Studie ist ihr Cockpit, das den Fahrer förmlich umschließt und vom iPod inspiriert sei, sagt Birtwhistle. Wie Fische im Aquarium schwimmen die einzelnen Anzeigen darin, und wie auf dem iPhone können sie mit einem Fingerzeig hin- und hergeschoben werden.

Das Auto könnte weniger als 90 Gramm CO2 ausstoßen

Zur Antriebstechnik sagt Mazda noch nicht viel. Nur dass ein 1,3-Liter-Benziner der nächsten Generation unter der Haube stecken soll, lassen die Japaner durchblicken. Designer Birtwhistle ist die Wahl des Motors noch völlig egal, Hauptsache er ist sauber und sparsam. "Wir haben das Auto auf ein Gewicht von 900 Kilogramm hin konstruiert, so dass die Ingenieure den CO2-Ausstoß des Benziners unter 90 Gramm drücken könnten", sagt der Designer. Das entspräche einem Verbrauch von 3,7 Litern. "Aber wenn die Technik einmal soweit ist, passen in den Wagen-Boden auch Lithium-Ionen-Akkus und unter die Haube ein Elektromotor."

Ob, und wenn ja wann, der Kiyora in Serie gehen wird, kann Birtwhistle noch nicht sagen. "Entschieden ist noch nichts", erklärt der europäische Designchef. Die Chancen allerdings stehen offenbar nicht schlecht. Birtwhistle: "Während uns die Mazda-Zentrale bei ähnlichen Projekten sonst an der langen Leine laufen lässt, spüren wir diesmal ein großes Interesse aus Hiroshima." Wenn das mal kein gutes Zeichen ist.

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