Mazda Senku Scharf wie ein Sushi-Messer
Mazda stellt das Sushi-Messer auf Räder. Inspiriert von den scharfen Klingen japanischer Köche haben die Designer aus dem Studio in Yokohama zur Tokio Motor Show den Senku ins Rampenlicht gerückt. Das futuristische Auto, halb Van, halb Coupé, ist 4,65 Meter lang, etwa 1,40 Meter flach und wirkt schon auf den ersten Blick so scharf, dass es wahrscheinlich durch den Stau um den Nobelstadtteil Roppongi gleiten würde wie der geschliffene Stahl durch die Reis-Lachs-Häppchen.
Diese Schärfe verdankt der mit großem Radstand und kleinen Überhängen auch optisch lang gemachte Senku einem schlichten, aber effektvollen Design, das auf störende Kleinigkeiten wie Scheinwerfer, Türgriffe oder Spiegel elegant verzichtet. Stattdessen gibt es vorne einen grauen Grill im Mazda-typischen Fünf-Ecken-Design, der direkt in die muskulös geformte Motorhaube übergeht. An der Seite zeugen lediglich zwei markante Charakterlinien vom heftigen Hieb der Designer in den autogroßen Tonblock. Und das Heck erinnert mit seinem tiefen, schwarz eingefärbten Falz an einen Apfel, aus dem bereits der erste Spalt herausgeschnitten wurde.
Lackiert ist die Studie im Farbton "Ingot Silver", den sich Studio-Leiter Atsuhiko Yamada bei seinem Sushi-Koch abgeschaut hat. So wie der Stahl seines Messers in der Sonne blinkt, so soll der Senku im Scheinwerferlicht der Makuhari-Messe glänzen. Doch auch ein wenig Dunkelheit würde ihm nicht schaden, damit man die scharfen Lichteffekte besser sehen kann. So leuchtet während des Zündvorgangs hinter dem halbtransparenten Kühlergrill des Senku ein feuerrotes Lichtsignal in Form eines Wankelkolbens, das wie ein schlagendes Herz pulsiert.
In die Nacht strahlt das Showcar mit zwei flachen Scheinwerferschlitzen, und über das Heck zieht sich eine schmales Lichtband, das beim Bremsen rot aufflammt. Auch beim Dach gehen die Japaner neue Wege. Vorn übernehmen sie noch den Trend zur riesigen Glasfläche, durch die man nachts die Lichter der Großstadt genießen kann. Doch im hinteren Teil montieren sie ein neuartiges Solarfeld, das trotz der Sonnenkollektoren weiterhin Licht in den Innenraum lässt.
Während der Wagen von außen ausgesprochen kühl und streng wirkt, lockt er innen mit einem glutheißen Ambiente. Sobald die beiden "Flying-Wing"-Türen ganz ohne sichtbare Führungsschiene zur Seite gleiten, blickt man auf eine klatschmohnrote Lederlandschaft, deren Wirkung noch von schwarzen Stoffen und metallischen Konsolen verstärkt wird. Der besondere Clou der Studie ist das Cockpit, das komplett im Kranz des speichenlosen Lenkrades untergebracht und damit für die anderen Passagiere unsichtbar ist.
Statt eines Schalthebels gibt es vier im Leder eingearbeitete Drucktasten, so dass kein Regler die klare Optik stört. Wer auf dem Fahrersitz Platz nimmt, der hat alle Bedienelemente perfekt zur Hand, und der Blick wird beinahe magisch auf Tacho & Co. gezogen, die wie die Stempel aus einer Blüte aus der Tiefe des Volants emporwachsen.
Unter der Haube des Senku steckt, wie bei so vielen Studien in Tokio, ein Hybrid-Antrieb. Allerdings geht Mazda einen Sonderweg und kombiniert das Elektroaggregat mit einem Wankelmotor, der zudem mit Benzindirekteinspritzung bestückt wurde. "Diese Kombination garantiert nicht nur eine schnelle Fahrt mit gutem Gewissen, sondern schafft mit ihrer kompakten Bauweise auch die Basis für die schlanke Silhouette, den langen Radstand und den großen Innenraum", sagt Yamada.
Dass die anderen japanischen Hersteller beim Heimspiel in Tokio gleich fünf oder sechs Studien ins Rampenlicht rücken, ficht Mazdas Designchef Moray Callum nicht an: "Für uns ist das eine Frage von Qualität und nicht von Quantität", sagt er mit einem kleinen Seitenhieb auf die Fließband-Produktion der konkurrierenden Design-Studios. Außerdem steht auch der Senku nicht alleine. Vielmehr ist er der zweite Teil einer Trilogie, die vor ein paar Wochen auf der IAA in Frankfurt begonnen hat. Dort hatte das Studio in Oberursel seinen großen Auftritt mit dem kompakten Sassou, der komplett in Europa entstanden ist und als Kleinwagen für automobile Einsteiger in einigen Jahren den Mazda2 beerben könnte.
Und nachdem jetzt auch die Kollegen in Yokohama ihren großen Auftritt feiern dürfen, scharren die Designer im amerikanischen Mazda-Studio vor den Toren von Los Angeles schon nervös mit den Stiefeln. Denn sie werden ihre Gala im Januar in Detroit haben und dort der Studien-Serie dritten Teil vorstellen. Noch gibt es zum Konzept aus dem kalifornischen Irvine allenfalls ein paar schemenhafte Skizzen und ein paar vage Gerüchte.
Doch weil jedes Studio die jeweils wichtigsten Segmente vor Ort im Auge hat, könnte nach Kleinwagen und Van dann ein Coupé auf dem Programm stehen. "Wenn man sich irgendwo zwischen einem geschlossenen MX-5 und einem RX-8 bewegt und dabei Konkurrenten wie den Nissan 350Z im Auge hat, dann liegt man wahrscheinlich gar nicht so falsch", sagt einer, der sich damit auskennen muss.