Mercedes CLC Der Beau von Berlin
Für Mercedes-Vertriebsvorstand Klaus Maier steht fest: Mode und Auto haben vieles gemeinsam. In beiden Bereichen spiele Design eine zentrale Rolle, und hier wie dort gehe es "um einen unverwechselbaren Stil, der Individualität und Lebensart vereint". Prompt hat der schwäbische Autohersteller die Fashion Week in Berlin als Bühne für die jüngste Modellpremiere ausgewählt - und schickte neben einem Dutzend Models auch ein neues Coupé auf den Catwalk.
Während die Politik-Garde andernorts den Ausgang der Landtagswahlen diskutierte, folgte die Glitzerwelt der Einladung des Titelsponsors Mercedes. Noch bevor die neue Hugo-Kollektion präsentiert wurde, warfen neben rund 250 Journalisten auch Promis wie Boris Becker, Franziska van Almsick, Sabine Christiansen und Naomi Campbell im Berliner E-Werk bei Thai-Süppchen, Schwarzen Linsen und gratiniertem Ziegenfrischkäse einen ersten Blick auf den neuen CLC.
Ab Juni soll das neue Mercedes-Modell gegen den BMW 1er und den Audi A3 punkten. Und so feierten die Schwaben den Beau von Berlin als neue Baureihe, die als "Youngster in der Coupé-Familie" das Angebot nach unten abrunden soll. Doch ähnlich wie die stets wiederkehrenden Trends in der Mode wirken die von Mika Häkkinen und Eva Padberg auf die Bühne gefahrenen Wagen sattsam vertraut. Tatsächlich ist der CLC nichts anders als das aufgefrischte Sportcoupé der letzten C-Klasse, bei dem neben dem Typenschild immerhin 1099 weitere Teile erneuert wurden.
Damit nimmt auch der 4,45 Meter lange Zweitürer Abschied von der Ära der Vier-Augen-Scheinwerfer und bekommt das Gesicht der neuen C-Klasse. Die Scheinwerfer sind groß und eckig wie Glasbausteine, der Kühlergrill schwillt wie die Brust eines Zehnkämpfers und der Stern hat nun wie bei allen Mercedes-Coupés das Format einer Langspielplatte.
Basis ist die C-Klasse der vorangegangenen Generation
Während der in Brasilien unverändert auf der alten C-Klasse-Plattform gebaute Wagen an der Frontopartie an Kraft und Ausdruck gewinnt, hat der Schwung der Designer nach hinten merklich nachgelassen. Die Flanke blieb unverändert, und das Heck trägt zwar andere Leuchten, ein LED-Band als drittes Bremslicht und eine modifizierte Schürze, wirkt aber nicht sonderlich harmonisch. Im Gegenteil: Eine auffällige Sicke über den Rückleuchten verleiht der Rückansicht das Aussehen eines nachträglich montierten Tuning-Pakets.
Innen dagegen weht frischer Wind. Einige Details aus der neuen C-Klasse, stärker konturierte Sportsitze und großzügig drapierte Zierteile aus gebürstetem Aluminium fechten erfolgreich den Kampf gegen das Billig-Image des Einstiegsmodells. Und eine neue Generation von Infotainment-Systemen holt den CLC in die Gegenwart. Für die Navigationsinformationen gibt es künftig einen großen Farbmonitor sowie ein DVD- oder Festplattenlaufwerk, und für iPod, USB-Stick oder SD-Karte eine neue Schnittstelle, mit der externe Musikplayer angedockt werden können.
Altbekannt Motoren und als Extra ein Sportpaket
Damit der CLC seinem Beinamen Sportcoupé gerecht wird, hat Mercedes zudem ein Sportpaket aufgelegt, das nicht nur auf optische Effekthascherei setzt. Zwar sind ein paar dunkle Zierleisten, verfinsterte Scheinwerfer und ein kleiner Showeffekt für Tacho und Drehzahlmesser inkludiert. Doch wichtiger sind die breiten 18-Zoll-Räder, das strammere Fahrwerk mit reduzierter Bodenfreiheit und die neue Direktlenkung, mit der die Landstraße zur Slalompiste werden soll.
Angeboten wir das neue Coupé mit den alten Motoren. So gibt es auch künftig vier Benziner vom 143 PS starken CLC 180 Kompressor bis zum CLC 350 mit 272 PS; dazu zwei Dieselvarianten im CLC 200 CDI mit 122 und im CLC 220 CDI mit 150 PS. Allerdings hat Mercedes auch die Maschinen zumindest im Detail optimiert und so den Verbrauch um bis zu elf Prozent gesenkt, während die Leistung etwa beim Zweihunderter-Kompressoraggregat um 20 auf 184 PS gesteigert wurde.
Kleines Coupé als Magnet für Neukunden
Ähnlich wie der 1er für BMW ist das Sportcoupé für Mercedes ein Kundenfänger, der neue Zielgruppen erobern und die Marke verjüngen soll. In Deutschland tat sich das Auto mit seinem bislang eher femininen Design schwer, doch vor allem in Spanien und Italien war der Wagen ein Renner. Vertriebschef Maier sagt, die Strategie sei aufgegangen. Allerdings sind weltweit 320.000 Verkäufe seit 2001 nicht eben rekordverdächtig. Doch immerhin kam das Sportcoupé auf eine Eroberungsrate von 70 Prozent. Mehr als zwei von drei Kunden also warben die Schwaben von Konkurrenzmarken ab. Maier: "Mehr als zwei Drittel blieben unserer Marke treu und haben sich inzwischen für einen größeren Mercedes entschieden."
Die Hoffnung auf diese Magnetwirkung knüpft Mercedes auch an den CLC, dessen Preise deshalb spitz gerechnet wurden und bei knapp über 28.000 Euro beginnen. Natürlich sind das ein paar Hunderter mehr als vorher und ein paar Tausender mehr als für die Modelle der A- oder B-Klasse, die den eigentlichen Einstieg in die Mercedes-Welt markieren. Im Vergleich mit der C-Klasse aber ist CLC-Fahren rund 3000 Euro billiger.