Mercedes E-Klasse Cabrio: Der Warmluft-Transporter - DER SPIEGEL
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Mercedes E-Klasse Cabrio Der Warmluft-Transporter

Für Mercedes ist die E-Klasse wie ein Fels in der Brandung. Ohne das neue Modell wäre das Krisenjahr wohl deutlich schlechter gelaufen, sagt Vorstandschef Dieter Zetsche. Der jüngste Spross der Modellfamilie wurde nun groß gefeiert: Beim neuen Großinvestor in Abu Dhabi.
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Mercedes E-Klasse Cabrio: Licht- und Luftbad

Mercedes-Chef Dieter Zetsche ist der E-Klasse dankbar. Denn ohne dieses Auto wäre das Krisenjahr 2009 noch schlimmer verlaufen. Die Erneuerung der Mittelklasse-Baureihe, die vor einem Jahr mit der Limousine begann und in den folgenden Monaten mit dem Coupé und dem Kombi fortgeführt wurde, kam "genau zur richtigen Zeit", freut sich Zetsche. Der Erfolg der neuen Modelllinie verschaffte dem Unternehmen mit rund 110.000 Fahrzeugen etwas Luft und verbessert die Position im ewigen Dreikampf mit BMW und Audi. "Von der E-Klasse-Limousine haben wir in Deutschland mehr Autos verkauft als Audi vom A6 und BMW vom 5er zusammen", sagt Zetsche stolz. Und auch sonst auf der Welt stehe die E-Klasse ähnlich gut da.

Kein Wunder also, dass Mercedes um den jüngsten Neuzugang in der E-Klasse-Familie, das Cabriolet, etwas mehr Tamtam macht: Nicht bei der Autoshow im Januar in Detroit feiert der offene Viersitzer Weltpremiere, sondern bereits jetzt rollte das Cabrio erstmals in Abu Dhabi auf die Bühne - beklatscht von knapp 100 handverlesenen Gästen.

Auf der Formel-1-Strecke und damit direkt vor der Haustür des neuen Großinvestors der Daimler AG soll der 4,70 Meter lange Gleiter, der ab 11. Januar bei den Händlern steht, die Frischluftfreunde unter den Autofahrern ergötzen. Dass Mercedes für ein paar Minuten Rampenlicht kaum Aufwand und Mühen scheut, scheint die Finanziers nicht zu stören. Im Gegenteil: Mit dem Auto sonnt sich auch Mohamed Badawy Al-Husseiny, Geschäftsführer der staatlichen Investmentgesellschaft Aaber im grellen Schein der Blitzlichter und gibt zu Protokoll, dass der Einstieg bei Daimler der bislang klügste Schritt der Investoren war. Man habe keinen einzigen Dollar bereut, den man nach Stuttgart überwiesen habe, und selbstverständlich will Al-Husseiny eine Aufstockung des Anteils nicht ausschließen. "Sobald diese Frage ansteht, werden wir sie intensiv diskutieren. Wir werden künftig schließlich noch aufregendere Dinge mit Daimler tun."

Mercedes-Rennfahrer Nico Rosberg steuert das Cabrio auf die Bühne

Viel mehr allerdings ist dem Manager nicht zu entlocken, außer dass er sich auf die erste gemeinsame Formel-1-Saison freue. So wundert es niemand, dass ein breites Lächeln über sein Gesicht zieht, als wenig später Mercedes-Rennfahrer Nico Rosberg das neue Cabrio in den Kreis der anderen Mitglieder der E-Klasse-Familie fährt. Dann bewegt sich das voll automatische Verdeck - bis Tempo 40 lässt es sich nun auch während der Fahrt öffnen oder schließen - binnen 20 Sekunden in den Kofferraum (der dann statt 390 nur noch 300 Liter Ladegut fasst). Wer jetzt erwartet hatte, dass vielleicht Michael Schumacher auf dem Beifahrersitz thront, wird enttäuscht. Doch hier geht es weniger um spektakuläre Personalentscheidungen, sondern um ein neues Auto.

Während Vorstand und Premierengäste in der Wüste feiern, stehen die Entwickler in Sindelfingen noch im Windkanal. Sie testen ein neues Detail, das die offene E-Klasse nahezu zum Ganzjahresauto machen soll: den Aircap. Die Luftmütze ist ein Kunstgriff der Aerodynamiker, mit dem Sturmfrisuren oder Mandelentzündungen nach einer Offenfahrt der Vergangenheit angehören sollen. Das System soll das Windschott ersetzen, das ohnehin nur bedingt seinen Zweck erfüllte und zudem die Plätze auf der Rückbank unbrauchbar machte. Künftig sollen alle vier Passagiere auf Knopfdruck in einer Komfortzone sitzen.

Eine Art Luftleitsystem lässt den Fahrtwind vom Innenraum abperlen

Der Trick: Aus dem Rahmen der Frontscheibe fährt bis Tempo 160 ein etwa sechs Zentimeter breites Blech aus, das ein Netz entfaltet und so den Fahrtwind über die Köpfe der Fahrgäste leitet. Am Heck gibt es dazu, unauffällig zwischen den Kopfstützen der Rückbank versteckt, ein kleines Luftgitter, das den so genannten Rückdrall verhindert. So sitzen die Insassen bei offener Fahrt in warmer Luft. Beheizt wird die nicht allein von der Klimaanlage, sondern aus durch den so genannten Airscarf, der im aufpreispflichtigen Aircap-Paket enthalten ist. Dieses Gebläse fächelt mit neuerdings verstellbaren Düsen Warmluft aus den vorderen Kopfstützen und legt den Passagieren in der ersten Reihe auf diese Weise einen unsichtbaren Schal um Hals und Haupt.

"So wird das Cabrio zu einem echten Viersitzer für alle vier Jahreszeiten", sagt Vertriebschef Joachim Schmidt über das Auto, das mit vier Benzinmotoren von 184 bis 388 PS und drei Dieselaggregaten mit einer Leistung von 170 bis 231 PS startet. Dann blickt Schmidt erleichtert in den Nachthimmel von Abu Dhabi, weil er diese Behauptung nicht gleich beweisen muss. Es hätte nicht viel gefehlt, und die Schwaben hätten mitsamt dem neuen Cabrio im Regen gestanden. Sogar in einem Wolkenbruch. Denn so heftig wie bis wenige Stunden vor der Premierenfeier hat es, orts- und wetterkundigen Gästen zufolge, in den Emiraten schon seit 14 Jahren nicht mehr geregnet.