Michelin Energy Saver: Grüne Reifen - DER SPIEGEL
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Michelin Energy Saver Grüne Reifen

Autos verbrauchen zu viel Kraftstoff - deshalb wird fieberhaft versucht, den Durst der Fahrzeuge zu senken. Der französische Reifenhersteller Michelin will mit dem Leichtlaufreifen Energy Saver helfen - und pflanzt außerdem für jeden verkauften Satz einen Baum.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Deutschland könnte der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid um 22,5 Tonnen pro gefahrenen Kilometer reduziert werden. Dafür müssten die Fahrzeughalter nicht mal auf ein neues und besonders effizientes Auto umsteigen, sondern mit verbrauchsoptimierten Reifen fahren. Der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie schätzt, dass in diesem Jahr in Deutschland rund 19,7 Millionen Sommerreifen verkauft werden. Würde jeder Reifenkäufer zum neuen Michelin-Pneu Energy Saver greifen und sein Fahrzeug damit ausstatten, könnte er den CO2-Ausstoß seines Autos um drei bis sechs Gramm pro Kilometer verringern. Anders ausgedrückt: Der Kraftstoffverbrauch würde um 0,15 bis 0,3 Liter auf 100 Kilometer sinken im Vergleich zum Betrieb des Wagens mit herkömmlichen Sommerreifen.

Um die Verbrauchsreduzierung durch den Pneu zu erreichen, wurde das Gewicht im Vergleich zum Vorgängermodell Energy E3A um 800 Gramm reduziert und eine neuartige Gummimischung entwickelt, die den sogenannten Rollwiderstand senkt. Je höher der Rollwiderstand des Reifens, desto größer ist die Haftung auf dem Asphalt - was gut ist für die Fahrsicherheit und den Bremsweg, aber schlecht für den Spritverbrauch. Aber der Verbrauchsvorteil durch ein Absenken des Rollwiderstands sollte nicht durch ein geringeres Sicherheitsniveau erreicht werden. Deshalb haben die Michelin-Techniker eine besondere Gummimischung für die Lauffläche des Reifens entwickelt, der ab April in 38 Varianten von 14 bis 16 Zoll ab rund 70 Euro verfügbar ist.

Bodenhaftung dann, wenn sie nötig ist

Um den Trick der neuen Gummimischung zu erfassen, muss man wissen, dass der Grip eines Reifens durch Erhitzung des Gummis erreicht wird. Nach längeren Fahrten kann die Temperatur durch die Reibung auf der Straße bis auf 80 Grad steigen. Bei herkömmlichen Gummis verteilt sich diese Wärme gleichmäßig auf die gesamte Fläche. Die Wärme und somit der Grip wird jedoch nur da gebraucht, wo der Reifen mit der Straße Kontakt hat. Und die Haftung wird auch nicht permanent benötigt. Ein Wagen kann ohne Probleme auf einem zugefrorenem See geradeaus rollen. Erst in einer Kurve, beim Bremsen oder Beschleunigen wird die Haftung wirklich gebraucht.

Diese Eigenschaften haben die Michelin-Techniker mit dem Energy Saver erreicht, indem die spezielle Laufflächenmischung auf unterschiedliche Fahrsituationen reagiert. Der Reifen wird nicht nur durch die Umgebungstemperatur und die beim Fahren entstehende Reibung erhitzt, sondern er erwärmt sich auch durch Schwingungen. Beim Bremsen, Beschleunigen und während Kurvenfahrten entstehen im Reifen Frequenzen von mehreren 100 Kilohertz. "Die Gummimischung der Lauffläche erwärmt sich dadurch in Sekundenbruchteilen und sorgt so für das nötige Grip-Niveau. Genauso schnell kühlt sie sich wieder ab, wenn es die Situation zulässt", erklärt Michelin Technikleiter Helge Hoffmann. Diese Fähigkeit wird durch einen hohen Anteil an Kieselsäuresalzen erreicht. Außerdem ist es den Entwicklern nach eigenen Angaben gelungen, die Haltbarkeit des Energy Savers deutlich zu erhöhen.

Autohersteller fahren drauf ab

Der neue Leichtlaufreifen ist auch für die Autohersteller interessant. Sie müssen bis 2012 den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von Neuwagen auf 130 Gramm pro Kilometer senken. Deshalb wird um jedes CO2-Gramm gerungen. Durch die Verbrauchsoptimierung soll das Auto aber nicht wesentlich teurer werden. Auch wenn die Senkung des Kraftstoffverbrauchs und somit die CO2-Emission durch den Pneu allein relativ gering ist, hat sie einen Vorteil: Sie kostet nicht viel. Während der finanzielle Mehraufwand etwa für einen Hybridantrieb mehrere tausend Euro beträgt, steigen die Kosten durch den Michelin Energy Saver kaum. Er wird deshalb unter anderem von Mercedes, Renault, Toyota und Peugeot bereits ab Werk aufgezogen.

Wohl auch deshalb glaubt der französische Reifenhersteller an den Erfolg. In den nächsten fünf Jahren will Michelin 100 Millionen Pneus in Europa verkaufen und so einen kleinen Anteil zum Schutz des Klimas beitragen. Darüber hinaus werden die Fabriken unter anderem mit Solarenergie versorgt und sind mit Abgasreinigungssystemen ausgestattet. Damit nicht genug: Für jeden zwischen April und Mai 2008 verkauften Satz Sommerreifen pflanzt Michelin einen Baum. Das runde schwarze an den Ecken des Autos wird ein kleines bisschen grüner.