Mini-Studie Paceman: Lifestyle mit Dreckspritzern - DER SPIEGEL
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Mini-Studie Paceman: Weg vom ewigen Chi-chi

Mini-Studie Paceman Lifestyle mit Dreckspritzern

Die Marke Mini setzt zum Spagat an. Neben den modisch-aufgebrezelten Modellen soll künftig auch die Allradversion Countryman weiter variiert werden, wie eine Studie auf der Autoshow in Detroit zeigt. Und bei der Rallye-WM mischt Mini ab dem Frühsommer auch wieder mit.
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Die Zahl der Mini-Modelle nimmt zu. Ein halbes Jahr nach der Premiere des SUV-Modells Countryman zeigt die BMW-Tochter auf der Motorshow in Detroit im Januar bereits die nächste Abwandlung: die Studie Paceman. Das Auto basiert auf der Plattform des kleinen Allradlers und gibt einen ziemlich konkreten Ausblick auf eine zweitürige Variante, die in den kommenden Jahren in Serie gehen könnte. "Zweitürer sind in dieser Klasse üblich", sagt Mini-Designchef Gert Hildebrand mit Blick auf andere Kompaktmodelle. "Allerdings wollten wir nicht einfach nur zwei Türen weglassen." Stattdessen haben die Designer den Countryman bei nahezu unverändertem Format (Länge 4,11 Meter, Radstand 2,60 Meter, Höhe 1,54 Meter) zu einer Art Coupé umgemodelt. Im Kunstlicht des Fotostudios wirkt der Wagen wie eine Mischung aus BMW X6 und Range Rover Evoque.

Das Heck wurde beschnitten, die fallende Dachlinie etwas tiefer angesetzt und der Karosseriekörper durch betont horizontale Linien gestreckt. Der Paceman wirkt dadurch recht dynamisch - trotz der bulligen Stoßfänger und der erhöhten Bodenfreiheit, die vom Countryman bekannt sind. Wie bei diesem gibt es in der Studie den optionalen Allradantrieb, und motorisiert ist der Prototyp mit dem 211 PS starken Turbo aus der Variante John Cooper Works.

Offiziell gilt der Paceman als Studie. Andererseits gibt es im Hause Mini kaum jemanden, der die Serienabsichten ernsthaft dementieren würde. "Bei unserem Kernprodukt haben wir die Modellfamilie binnen zehn Jahren auf fünf Varianten erweitert", sagt Hildebrand. Dabei zählt der Designchef neben dem normalen Mini, dem Cabrio und dem verlängerten Modell Clubman schon das kommende Coupé (2011) und den Roadster (2012) mit. Die Vielfalt Vorbild sein für die neue Countryman-Plattform. Hildebrand: "Wir müssen überlegen, wie wir mehr aus diesem Auto machen können." Der Designchef wird den Paceman allerdings nicht mehr auf dem Weg in die Serie begleiten. Hildebrand scheidet zum Jahreswechsel aus und übergibt die Leitung des Mini-Designs an Anders Warming, der bislang das Exterieur-Design von BMW verantwortet hat.

Mini greift erst bei der Sardinien-Rallye in die Weltmeisterschaft ein

Die Werbebotschaft, dass die aktuellen Mini-Modelle sportlich über Stock und Stein brettern können, soll in den nächsten Monaten Realität werden. Denn Mini tritt mit einem aufgebrezelten Countryman ab 2011 in der Rallye-Weltmeisterschaft WRC an. Das laut Reglement mindestens 1200 Kilo schwere Rennauto wurde auf Serienbasis weiterentwickelt vom britischen Rennstall Pro-Drive, der auch die Produktion übernimmt und die wohl mehrheitlich britischen Fahrer auswählt. Mit einem auf 310 PS getunten BMW-Motor soll der Countryman in der WRC zeigen, wie viel noch in ihm steckt von jenem kleinen Rebellen, mit dem Rauno Aaltonen und andere die Rallye-Szene vor beinahe 50 Jahren aufmischten. Damals reichten 100 PS, um den 670 Kilo schweren Rallye-Floh über den Col de Turini, rund um die Akropolis oder durchs Labyrinth der finnischen 1000 Seen zu prügeln.

Während der WRC-Mini den ersten Einsatz bei der Sardinien-Rallye im Mai absolvieren wird und mit sechs WM-Läufen zur Premiere lediglich eine Rumpfsaison fährt, geht es für einen anderen Countryman schon bald aufs Ganze: In wenigen Tagen startet das X-Raid-Team von Sven Quandt in Buenos Aires zur Rallye Dakar. Mit dem Serienmodell hat dieser Mini allerdings kaum noch etwas gemein. Wie Obelix nach dem Bad im Zaubertrank ist der Countryman für den Wüstenritt auffallend gewachsen. Er wurde auf 4,38 Meter gestreckt und überragt mit 1,97 Metern lässig seine beiden Piloten. Auch unter der Haube ist nichts mehr wie es war. Denn welcher Mini hat schon einen Sechszylinder-Dieselmotor mit drei Litern Hubraum und zwei Turboladern zu bieten? Und welcher andere Mini kommt auf 315 PS und mehr als 700 Nm?

Ätsch, unter dem Dakar-Auto steckt in Wahrheit gar kein Mini

Zweifellos gehört der Rallye-Mythos zum klassischen Mini wie der Big Ben zu London. Doch zum neuen Auto mit dem Hipster-Image, das vor zehn Jahre seine Wiedergeburt unter BMW-Regie feierte, will der schmutzige Sport nicht recht passen. Zu oft sieht man den Kleinwagen teuer aufgebrezelt in Besitz von Großstadtsingles, die wahrscheinlich noch nie einen Feldweg unter die Räder genommen haben. Für den scheidenden Designchef Hildebrand ist das kein Widerspruch. "Die sportliche Seite gehört genauso zum Mini wie die modische, deshalb dürfen wir uns nicht nur in die Lifestyle-Ecke stellen." Vor allem im Motorsport könne man die technische Kompetenz unter Beweis stellen und damit glaubhaft bleiben, sagt Hildebrand. "Die Marke ist dehnbar und breit genug für viele Charaktere."

Für Mini Paceman und Mini WRC-Rennauto mag das stimmen. Beim Dakar-Mini des Team X-Raid jedoch ist es mit der Authentizität nicht ganz so weit her: Unter der aufgeblasenen Karosse des Countryman steckt nämlich in Wahrheit ein BMW X3.