Minol-Station in Berlin Ostalgie im Tank
Berlin - Die Berliner Tanke im lila-gelben Nachwende-Design an der Marzahner Allee der Kosmonauten sei "ein Bekenntnis zu unseren Wurzeln", sagte Tankstellendirektor Dirk Schneemann. Das Total-Vorgängerunternehmen Elf Aquitaine hatte einst von der Treuhand das Minol-Netz und die Leuna-Raffinerie erworben. Seit 1949 hatte der Name Minol für die Mineralölversorgung der DDR gestanden, seit 1956 in Form des VEB Minol. Die letzte Minol-Station war vor mehr als drei Jahren geschlossen worden.
"Die Aktion ist allerdings kein Rückfall in die Vergangenheit", betonte Schneemann. Mit der Minol-Tankstelle solle vielmehr ein "Unikat für Berlin" geschaffen werden. Passend zur Wiederbelebung der Marke sind im Tankstellen-Shop typische Ost-Produkte und Souvenirs erhältlich. Der Kraftstoff wird allerdings nicht wie früher zu 1,65 DDR-Mark pro Liter verkauft, sondern gegen harte Euros.
Auf der Station staut sich der Verkehr, da zur Feier des Tages Trabis umsonst tanken dürfen und viele Marzahner Anwohner einen Benzin-Gutschein bekommen haben. Mitten im Gedränge tänzelt ein lebensgroßer rot-gelber Minol-Pirol. Das Maskottchen war zu DDR-Zeiten fast ebenso bekannt wie das Sandmännchen.
Doch nicht Ostalgie, sondern Konzernüberlegungen stehen hinter der Minol-Wiederbelebung, was so manchen Besucher empfindlich stört. Total will damit die Markenrechte schützen, denn wenn ein Name fünf Jahre lang nicht benutzt wird, können die Rechte von Dritten beansprucht werden. "Wir wollten nicht so lange warten, bis andere Interesse an Minol ", begründet Total-Tankstellendirektor Schneemann die Entscheidung. Das Risiko, die traditionsbehaftete Marke dem freien Markt zu überlassen und damit eine "wettbewerbsverschärfende Situation" herbeizuführen, sei "zu groß" gewesen.
Minol solle aber keine Zweitmarke von Total werden. Nach Chemnitz und Berlin werde im Herbst in Leipzig eine weitere Tankstelle eröffnet, mehr seien nicht geplant.