Modell-Varianten: Ein Markt voller Nischen - DER SPIEGEL
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Modell-Varianten Ein Markt voller Nischen

Früher war zwar nicht alles besser, aber einiges war zumindest übersichtlicher. Zum Beispiel das Auto-Angebot. Die Hersteller boten vielleicht zwei, drei Limousinen an, dazu vielleicht noch einen Sportwagen oder einen Kombi - basta. Heute heißt die Devise: Her mit den Nischenmodellen!
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Um Kunden zu halten und neue zu gewinnen, bauen die meisten Autohersteller ihre Modellpaletten immer weiter aus. Dass Fahrzeuge in den diversen Kategorien - Kleinwagen, Kompaktauto, Mittel- und Oberklasse - angeboten werden, gilt als beinahe selbstverständlich. Wer Marktanteile behalten oder dazu gewinnen möchte, muss auch Cabriolets, Vans in verschiedenen Größen, Coupés, Geländewagen, vielleicht ein so genanntes Spaßauto und natürlich Kombis anbieten.

Eine Studie der Firma Marketing Systems hat das aktuelle Autoangebot in Deutschland untersucht, und siehe da: Mercedes-Benz, Opel und VW bieten derzeit mit jeweils 18 unterschiedlichen Modellen die größte Vielfalt an Fahrzeugen. Besonders auffällig ist der Trend zu immer neuen Nischenprodukten bei Mercedes, denn die Schwaben haben ihre Produktpalette in den vergangenen 20 Jahren glatt verdoppelt; 1981 hatten sie nämlich lediglich neun verschiedene Modelle im Angebot.

Hinter den drei genannten Herstellern folgt in der "Modellvielfalt-Tabelle" der japanische Konzern Toyota mit derzeit 17 verschiedenen Fahrzeugen. Danach kommen Ford und Fiat mit je 16 Modellen. Nissan, Peugeot und Renault bieten jeweils 15 Modelle an, Honda folgt schließlich mit 13. Nissan ist übrigens der einzige Hersteller in den Top Ten dieser Rangliste, der in den vergangenen 20 Jahren seine Modellvielfalt zurückgefahren hat. 1981 waren die Japaner noch mit 17 verschiedenen Baureihen auf dem deutschen Markt vertreten.

Branchenbeobachter erwarten, dass die Aufsplitterung der Modellpalette in Zukunft weiter zunimmt. Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass der sogenannte "Crossover-Trend" anhält. Das heißt, das bislang eindeutig definierte Karosserieformen miteinander vermischt werden. Einige Hersteller denken zum Beispiel über die Kombination von Sport- und Geländewagen nach, andere bauen Großraumlimousinen mit Coupé-Charakter, oder viersitzige Roadster. Wobei hier die Begriffe immer mehr verschwimmen. Per Definition nämlich handelt es sich bei einem Coupé um ein zweitüriges Fahrzeug. Marketingsprüche von "viertürigen Coupé-Limousinen" sind also barer Unsinn.

Ebenso falsch ist es, jedes halbwegs sportliche Cabrio gleich als Roadster zu bezeichnen. Denn Roadster ist der Name für einen offenen Zweisitzer mit Stoffdach, spartanisch ausgestattet und eigentlich mit seitlichen Steckscheiben. Doch Roadster klingt einfach rasant - und wegen des Wohlklang und der Innovationskraft des Namens wird wohl demnächst auch ein "Familienroadstervan" irgendwo im Angebot sein.