Moderne Zündschlüssel: Handy öffnet Auto - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Moderne Zündschlüssel Handy öffnet Auto

Der japanische Automobilhersteller Nissan will demnächst ein Handy mit Autoschlüsselfunktionen anbieten. Aber auch Luxusmarken wie Jaeger LeCoultre und Aston Martin treiben das Ende des Autoschlüssels voran.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Autoschlüssel sind heute komplexe Hightech-Produkte, die Fahrzeugtüren ganz selbstverständlich per Funk entriegeln oder verschließen. Dass man zum Starten des Motors in der Regel noch ein Stück seitlich gezacktes Metall in ein Schloss steckt, ist dabei wohl in erster Linie der Fahrer-Psychologie zu verdanken. Technisch steht der endgültigen Übertragung der Schlüsselfunktionen in den virtuellen Raum digitaler Funksignale jedenfalls schon lange nichts mehr im Weg.

Der Nachfolger des klassischen Autoschlüssels heißt beim japanischen Automobilhersteller Nissan "Intelligent Key" und bleibt laut Unternehmenswerbung "in der Tasche". Das Starten des Motors geschieht dann durchs Drehen eines Zündknopfs, der durch den Funkschlüssel in der Hosentasche freigeschaltet wird.

In Japan hat Nissan nach eigenen Angaben bereits fast eine Millionen Fahrzeuge mit dem System ausgeliefert, im Rest der Welt stellt es aber noch eine eher exotische Nischenerscheinung dar.

Handy-Schlüssel

Nissans "Intelligent Key" dürfte noch lange nicht das Ende der Entwicklung sein, sondern eher der Anfang vom endgültigen Aus für den Zündschlüssel als eigenständigem Gegenstand. Denn nachdem die Schlüsselfunktionen in eine Funkeinheit übertragen wurden, liegt als nächster Schritt die Integration in andere Alltagsdinge nahe. Eine echte Überraschung ist Nissans Ankündigung eines Autoschlüssel-Handys daher nicht, auch weil für die meisten Menschen das Handy ohnehin schon lange zum ständigen Begleiter geworden ist.

Das Telefon mit Autoschlüsselfunktionen hat Nissan gemeinsam mit dem Handy-Hersteller Sharp und dem Mobilfunker NTT DoCoMo entwickelt. Wie das Gerät genau aussehen wird, steht derzeit offensichtlich noch nicht endgültig fest. Der gezeigte Prototyp dürfte bei den anspruchsvollen japanischen Kunden jedenfalls wenig Beifall finden, wenn der Handy-Autoschlüssel nächstes Jahr auf den Markt kommt.

Afrikanische Lösung

Dass das Ende des Autoschlüssels nicht nur für Technikgläubige Japaner besiegelt ist, macht unterdessen ausgerechnet der Traditionsuhrenhersteller Jaeger LeCoultre klar: Dessen Modell "AMVOX2" hat zwar ein mechanisches Uhrwerk, dient aber auch als Funkschlüssel für den Edelflitzer Aston Martin DBS. Dort sorgt eine ausgeklügelte Mechanik dafür, dass ein leichter Druck auf das Saphirglas an der 12-Uhr-Position den Motor startet.

Das Ende des Autoschlüssels birgt aber natürlich auch Gefahren jenseits kostspieliger Geschmacksverirrungen, wie ein Beispiel aus Afrika illustriert: Ein junger Bastler aus Kenia hat unlängst ein Antidiebstahlssystem auf Handy-Basis entwickelt, das unbelastet von TÜV oder europäischem Sicherheitsdenken das technisch Machbare demonstriert.

Das "Block & Track" genannte System erlaubt nämlich nicht nur die Freischaltung der klassischen Schlüsselfunktion zum Starten des Autos. Im Falle eines Diebstahls kann der Motor auch jederzeit per SMS abgeschaltet werden - womit unschöne Unfälle programmiert scheinen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

Mehr lesen über