Motorrad-Studien von Honda: Rasant oder radikal - DER SPIEGEL
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Motorrad-Studien von Honda Rasant oder radikal

Honda stellt auf der Tokio Motor Show nicht nur Autos, sondern auch Motorräder aus. Darunter auch Studien, die einen Ausblick auf künftiges Zweirad-Design geben. Die Spannweite der Möglichkeiten zeigen die Modelle Griffon und PS 250.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Motorrad-Studie Griffon bezeichnet Honda als "Modell für die nahe Zukunft", womit ausgedrückt werden soll, dass eine Maschine dieser Art in einigen Jahren durchaus bei den Händlern stehen könnte. Ähnlich wie bei den Autos scheint sich beim Motorrad-Design das Crossover-Konzept durchzusetzen. Die dreifarbig gescheckte Griffon sieht aus wie eine Mischung aus Roller, Chopper und Sportmaschine: Mit einladend geschwungenem Sattel, bulliger Frontpartie und luftig-schlankem Heck. Der Fahrer sitzt tief in der Maschine und muss die Arme ziemlich hoch heben, um die Lenkergriffe zu erreichen. Der wassergekühlte 750-Kubik-Vierzylinder-Motor der Griffon und das elektronisch gesteuerte Automatikgetriebe fast vollständig unter Verkleidungsteilen.

Interessantes tut sich am Vorderrad: Erstmals ist bei einem Japan-Bike eine innenumfassende Bremsanlage, eine so genannte Zero-Torsional-Load-Bremse verbaut. Die Bremsscheibe sitzt nicht mehr auf der Radnabe, sondern direkt an der Felge, die Bremszange greift von innen zu.

Das Prinzip, vom US-Hersteller Buell im vergangenen Jahr erstmals bei einem Serienmotorrad eingesetzt, trägt zum leichteren Handling der Maschine bei. Durch ihren großen Durchmesser hat die Bremsscheibe eine derart starke Wirkung, dass die bei leistungsstarken Motorrädern übliche zweite Scheibe überflüssig wird. Zudem fallen die Speichen filigraner aus, da sie keine Bremskräfte mehr an die Felge übertragen müssen. Das Vorderrad wird somit gleich zweifach leichter und entwickelt geringere Fliehkräfte, die das Krad in der Vertikalen halten.

Ganz im Gegensatz zur Griffon, bei der man fast von einem Motorrad mit Karosserie sprechen könnte, steht die Studie PS 250. Die 250er Maschine soll sich an "modebewusste junge Leute" richten, doch richtig modisch sieht das Design nicht aus. Eher so, als habe ein Bastler beim Zusammenfügen eines Bausatzes den Rahmen nach außen verlegt. Andererseits: Die in auffälligem gelb lackierten tragenden Teile des Motorrads folgen dem Trend, technische Besonderheiten auch deutlich sichtbar zu machen (wie etwa die Sicherheitszelle beim Smart). Man könnte den PS 250 auch als Antwort auf den SUV-Trend bei den Autos interpretieren: Das Zweirad wirkt robust und rustikal, man traut ihm durchaus einen Ausflug über Feld-, Wald- und Wiesenwege zu.

Honda teilt mit, man wolle mit Studien dieser Art "das Streben nach einer neuen Dimension der Beziehung zwischen Mensch und Maschine" zum Ausdruck bringen. Dass auch das Streben nach neuen Kunden eine Triebfeder solcher Experimente ist, versteht sich von selbst.