Nachrüstung: Luxus zur Selbstmontage - DER SPIEGEL
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Nachrüstung Luxus zur Selbstmontage

Auch in die älteste Rostlaube kann ein Hauch von Komfort gebracht werden. Elektronische Hilfen lassen sich heute problemlos nachrüsten - vom automatischen Fensterheber bis zur Einparkhilfe.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Emsdetten/Stuttgart - Die Serienausstattung von Neuwagen wird jedes Jahr umfangreicher. Längst kommen auch Kleinwagenkäufer in den Genuss zahlreicher elektronischer Helfer. Doch wer in einem Gebrauchten unterwegs ist, muss oft noch die Fenster mit der Kurbel schließen und den Wagen von Hand verriegeln - von Assistenten wie einem Licht- oder Regensensor ganz zu schweigen. Doch speziell für Gebrauchtkäufer haben Zulieferer, Versandhäuser und der Teilehandel ein Sortiment an Zubehör aufgelegt, mit dem - ein wenig technisches Geschick vorausgesetzt - selbst in der letzten Rostlaube ein Hauch von Luxus aus dem Baukasten Einzug halten kann. Experten raten aber, sich vor einem Einbau über die rechtlichen Folgen zu informieren.

Das Angebot reicht von einfachen Elektromotoren, die Fenster öffnen oder Türschlösser verriegeln, bis zu aufwendigen Elektronik-Lösungen, die Scheibenwischer steuern oder den Abstand zum Vordermann messen. Selbst Klimaanlagen können nachgerüstet werden.

So bietet etwa der Zulieferer Waeco aus Emsdetten (Nordrhein-Westfalen) bislang nur in Premiumfahrzeugen verfügbare Licht- und Regensensoren jetzt auch als Bausatz an. Für Preise ab 50 Euro gibt es nach Angaben von Pressesprecher Martin Kordsmeyer ein Komplettpaket inklusive aller Kabel und Relais, das dem Autofahrer das Einschalten der Scheinwerfer abnimmt. Wer weitere 160 Euro investiert, muss sich auch nicht mehr um die Bedienung der Scheibenwischer kümmern.

Ebenfalls aus der Oberklasse übernommen ist die nachrüstbare elektronische Einparkhilfe, wie sie etwa bei Bosch in Stuttgart erhältlich ist. Für sie werden je nach System zwei bis drei Radar- und Ultraschallsensoren vorzugsweise in der hinteren Stoßstange montiert. Die ab 150 Euro verfügbaren Anlagen überwachen den Rangierbereich hinter dem Wagen und schlagen im Cockpit mit einer Warnleuchte oder einem Signalton Alarm, wenn eine Kollision droht.

Je nach Modell können diese Systeme nach Angaben von Bosch auch den Frontbereich kontrollieren, die Distanz mehrstufig anzeigen und sogar die Entfernung in Metern und Zentimetern angeben. Dabei sparen sich manche Kunden sogar die Streichholzschachtel großen Display-Boxen auf dem Armaturenbrett: Der Parksensor von VDO Dayton lässt sich nach Unternehmensangaben über das Autoradio anschließen.

Aber nicht nur beim Rangieren können Autofahrer auf nachrüstbare elektronische Hilfe vertrauen. Auch bei flotter Fahrt können sie sich entspannt zurücklehnen, wenn sie einen Tempomat eingebaut haben. Entsprechende Geräte zur Selbstmontage gibt es zum Beispiel von Waeco oder VDO zu Preisen ab 200 Euro.

Auch beim Thema "auf & zu" könnten Besitzer spartanisch ausgestatteter Gebrauchwagen mit kleinen Investitionen viel für ihren Komfort tun, so Eva Appold, Pressesprecherin des Zulieferers SiemensVDO. Das Unternehmen bietet unter anderem Elektromotoren für die Bewegung der Fenster oder die Betätigung der Schlösser an. Diese laut Appold auch für die Selbstmontage geeigneten Systeme gibt es ab etwa 50 Euro für die Türen, für unter 100 Euro für die Fenster und lassen sich für weitere 100 Euro mit einer Fernbedienung aufrüsten. Wer beim Verschließen auf Nummer Sicher gehen möchte, bekommt im Zubehörhandel auch nachrüstbare Alarmanlagen und Wegfahrsperren.

Doch auch wenn die Hersteller dieser Bauteile die Montage oftmals als leichte Übung für halbwegs geschickte Laien darstellen, raten Experten zur Vorsicht. Und das nicht nur, weil Bastler beim Einbau Fehler machen und in extremen Fällen sogar ihre Sicherheit gefährden könnten. Nach Einschätzung von Hans-Georg Marmitt, Pressesprecher bei der Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ) in Stuttgart, bewegen sie sich damit auch bei der Garantie in einer Grauzone.

So könnten die Autohersteller bestimmte Gewährleistungsansprüche nach dem "Eingriff in die Fahrzeugtechnik" ausschließen, warnt der Experte. Auch mit dem Zubehör-Händler könnte es Streit geben, wenn sich mögliche Fehler nicht eindeutig dem Gerät oder der Montage zuordnen lassen. Deshalb rät Marmitt Laien, die Montage von einer Fachwerkstatt vornehmen zu lassen. Unterm Strich seien die Kosten für Nachrüstgerät und Montage meist immer noch günstiger als die Lösung ab Werk. Außerdem ist es wohl ausgesprochen ärgerlich, wenn nach einem Bastel-Wochenende der eingebaute Regensensor nicht reagiert und der Scheibenwischer immer noch von Hand gesteuert werden muss.

Von Thomas Geiger, gms