Neue Transporter Szenen einer glücklichen Ehe
Sergio Marchionne und Jean-Martin Folz kommen derzeit gar nicht aus dem Feiern heraus. Erst Anfang des Jahres haben der oberste Fiat-Manager und der Chef der im PSA-Konzern vereinten Marken Citroën und Peugeot weit im Süden Italiens, im Werk Sevel Süd, die neue Generation von Fiat Ducato, Peugeot Boxer und Citroën Jumper vom Band gefahren.
Nun stießen die beiden gut 2000 Kilometer weiter nördlich schon wieder miteinander an. Denn in Sevel Nord im französischen Niemandsland zwischen Paris und Brüssel haben sie jetzt die Neuauflage eines weiteren Kooperationsprojektes enthüllt, das einer mittlerweile fast drei Jahrzehnte währenden Zweckehe entspringt: den Fiat Scudo, den Peugeot Expert und den Citroën Jumpy.
Das Transporter-Trio: Fiat Scudo, Citroën Jumpy und Peugeot Expert
Ursprünglich einmal als gewerblicher Ableger des ebenfalls gemeinsam auf die Räder gestellten Euro-Vans entwickelt, hat sich dieser Transporter seit dem Debüt 1995 mittlerweile in einigen Ländern zu einem ernsthaften Gegner von VW T5 oder Ford Transit entwickelt. Dabei tritt das Trio auf einem Markt an, den Marchionne europaweit auf 450.000 Fahrzeuge schätzt und ihm damit rund 23 Prozent des Gesamtvolumens für leichte Nutzfahrzeuge zuschreibt.
Um in diesem Segment künftig noch mehr Kunden gewinnen zu können, haben die Partner ihren Transporter nicht nur auf die größere Plattform der neuen Euro-Vans gestellt und ihre Nehmerqualitäten verbessert, sondern auch die Modellpalette ausgeweitet, das Interieur näher an das eines Pkws gerückt und vor allem sparsamere und sauberere Motoren eingebaut. Zwar kommt das Trio bereits Anfang nächsten Jahres in Deutschland auf den Markt, doch gibt es zu Preisen und Ausstattungen noch keine konkreten Angaben. Einzig Peugeot stellt einen Einstiegspreis von etwa 17.000 Euro plus Steuern in Aussicht und legt damit natürlich auch die Messlatte für die Mitbewerber. Denn identische Autos aus dem gleichen Werk dürften dort kaum anders eingepreist werden.
Größer, praktischer und komfortabler
Im Zuge des Generationswechsels haben die drei Helden der Hinterhöfe deutlich zugelegt. So haben die Ingenieure bereits die kurze Version auf 4,80 Meter gestreckt und damit eine Ladelänge erreicht, die den Vorgänger mit nun 2,26 Metern um 65 Zentimeter überragt. Die Langversion misst gar 5,13 Meter und bietet Platz für bis zu 2,60 Meter lange Latten. Mit dem Längenzuwachs steigt natürlich auch das Ladevolumen, das nun je nach Dachhöhe fünf bis sieben Kubikmeter erreicht. Weil zudem die Ladekante bei den Modellen mit Stahlfedern auf 57 und bei jenen mit optionaler Luftfederung auf bis zu 45 Zentimeter abgesenkt wurde (und sich zudem die Türen weiter öffnen als bisher), lassen sich Scudo, Expert und Jumpy nun deutlich besser beladen. Außerdem liegt die Nutzlast nun bei 1,0 bis 1,2 Tonnen.
Gleichzeitig wurde die Modellpalette ausgeweitet: So gibt es nun insgesamt neun gewerbliche Varianten in zwei Längen, drei Höhen, mit verblechten oder verglasten Seitenwänden. Dazu kommt ein Kleinbus, der sich mit bis zu neun Sitzplätzen, üppigem Kofferraum und riesigen Fenstern als preiswerter Gegner zum großen Van versteht. Unter anderem deshalb bekommen die bis auf die Kühlermaske identischen Drillinge auch ein Cockpit, das deutlich vornehmer wirkt als früher. Nicht nur bei der Optik wollen die Transporter mit einem normalen Van mithalten; auch die Ausstattung bietet vergleichbare Positionen. Seitenairbags, Einparkhilfen, ESP oder Klimaanlage sind deshalb nun auch für die Preisfüchse im gewerblichen Lager verfügbar.
Drei Dieselmotoren stehen zunächst zur Wahl
Unter der Haube gibt es unabhängig vom Markenlogo zunächst die Wahl zwischen drei Diesel-Motoren, die von den Franzosen beigesteuert werden. An der Basis steht ein 1,6-Liter mit 90 PS. Darüber gibt es einen Zweiliter großen Vierzylinder, der wahlweise mit 120 oder 136 PS ausgeliefert wird. In der stärksten Version bekommt der Motor zudem bei allen drei Marken ab Werk einen Rußpartikelfilter. Weil rund 99 Prozent der Fahrzeuge in diesem Segment mit einem Selbstzünder verkauft werden, beschränkt sich Fiat auf diese drei Diesel. Citroën und Peugeot dagegen bieten vor allem mit Blick auf die Kombi-Version für die sparsame Großfamilie auch einen Benzinmotor mit zwei Litern Hubraum und 140 PS an.
Mit den großen Transportern Ducato, Jumper und Boxer, den Großraumlimousinen Ulysse, C8, 807 und Lancia Thesis und der jetzt vorgestellten Transporter-Generation ist es aber nicht getan. Die lange Ehe von Franzosen und Italienern ist offensichtlich stabil genug für ein weiteres Projekt: Ab 2008, so haben sie es auch jetzt wieder angekündigt, wollen die Partner in der Türkei auch noch einen gemeinsamen Stadtlieferwagen bauen. Signore Marchionne wird sich bis dorthin allerdings mit einem neuen Gegenüber am Sektglas anfreunden müssen: denn für Monsieur Volz war die Präsentation in Sevel Nord eine der letzten offiziellen Amtshandlungen.