Nostalgie 75 Jahre überdacht zapfen
Die Entwicklung der Tankstellen in Deutschland ist das Thema einer Ausstellung, die noch bis 27. Oktober im Lippischen Landesmuseum in Detmold gezeigt wird. Der Historiker Joachim Kleinmanns trug zahlreiche Exponate und Kuriositäten zusammen, die dort präsentiert werden.
Während heute allenfalls die Tankrechnung, aber nicht mehr die Tankstelle an sich das Problem ist, war dies in den Anfangstagen des Automobils noch ganz anders. Als erste Tankstelle der Welt etwa gilt die Stadtapotheke in Wiesloch. Just vor deren Gebäude ging Bertha Benz das Benzin aus, als sie mit ihren beiden Söhnen von Mannheim nach Pforzheim unterwegs war und damit die erste längere Autofahrt überhaupt unternahm.
Mit dem letzten Tropfen Sprit rollte sich vor die Apotheke, und sorgte drinnen für Verblüffung, weil sie gleich zwei Liter "Logroin" verlangte. Das damals unter diesem Namen bekannte Benzin war bis dato allenfalls in kleinen Fläschen verkauft worden. Trotz seiner Skepsis verkaufte der Apotheker Bertha Benz den Treibstoff und wurde damit zum ersten "Tankwart" der Autogeschichte.
Mit der Zunahme der Autos stieg auch der Benzinvorrat in den Apotheken. "Manche Läden hatten bis zu 300 Liter Kraftstoff vorrätig", sagt Historiker Kleinmanns. Schließlich wurde der Bestand an Fahrzeugen und damit der Bedarf an Benzin so groß, dass ab 1922 erste "Tankkioske" ihren Betrieb aufnahmen, kurz darauf fanden sich vor Gasthäusern, Gemischtwarenläden oder auch Werkstätten einfache Benzinpumpen, an denen Automobilisten Kraftstoff für ihre Fahrzeuge nachfassen konnten.
Dann kam jener 11. August des Jahres 1927: "Da nahm in Hamburg die erste Großtankstelle in Deutschland ihren Betrieb auf: mit einem eigenen Gebäude, einem schützenden Dach über der Zapfinsel und einem Tankwart, der bei Bedarf auch die Zündkerzen wechseln konnte", wie Kleinmanns erklärt. Allmählich ersetzten solche Tankstellen die Pumpen am Bürgersteig, die im Volksmund "Eiserne Jungfrauen" genannt wurden.
Die Branche wuchs beständig. 1967 etwa gab es in Deutschland 47.000 Tankstellen. Inzwischen ist das Tankstellennetz deutlich weitmaschiger: Heute gibt es bundesweit noch rund 16.000 Anlagen, und die meisten davon haben eigene "Shops", in denen Zigaretten, Zeitschriften, Lebensmittel und Autozubehör verkauft werden. In vielen Fällen übersteigt der Umsatz mit diesen Artikeln längst den des Kraftstoffverkaufs.