Öko-Rennwagen: Rasen mit Ethanol - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Öko-Rennwagen Rasen mit Ethanol

Einst war Coventry dank Jaguar und Rover ein englisches Motown, doch das ist lange her. Jetzt versuchen drei Studenten der dortigen Universität, die Midlands-Stadt wieder ins automobile Bewußtsein zu hieven. Ihr Vehikel dazu: der Öko-Renner Concept Climax.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Mit unserem Zukunftsauto wollen wir Coventry wieder ins Scheinwerferlicht der Autoindustrie rücken", sagt Simon Long, der gemeinsam mit seinen Kommilitonen Darren Rungasamy und Marcus Rayner von der Conventry University die Firma Climax Ltd. gegründet und das Projekt eines ökologisch korrekten Sportwagens ins Leben gerufen hat. Das Auto ist inzwischen fertig, ein ebenso futuristisch wie puristisch anmutender Flachmann ohne Türen und ohne Dach, der Concept Climax heißt und auf die rasante Vergangenheit der Region anspielt.

Denn die Firma Climax gab es schon einmal, zwischen 1903, als ein gewisser Pulham Lee sie gründete, bis zum Jahre 1986, als das Unternehmen aufgelöst wurde. Dazwischen fertigte Climax zum Beispiel Feuerwehrpumpen oder den Motor für den Traktor, den Ernest Shackelton 1914 auf seine Antarktis-Expedition mitnahm. Der Höhepunkt der Climax-Firmengeschichte datiert in den fünfziger Jahren, als Stirling Moss 1958 den ersten Formel-1-Sieg für Climax-Cooper herausfuhr und ein Jahr später Jack Brabham in einem Climax-Cooper Formel-1-Weltmeister wurde.

Das neue Modell der neuen Firma mit dem traditionsreichen Namen soll an die Rennsport-Vergangenheit erinnern - und dies tut es schon allein deshalb, weil es sich um einen Zweisitzer im kompromisslosen Renndesign handelt. Es gibt nur ein winziges Schutzschild vor den Köpfen der Insassen und immerhin einen Kofferraum, der nach Auskunft des Konstrukteurs-Trios Platz bietet für das kleine Wochenendgepäck. Ansonsten aber soll dieses Auto sehr schnell und vergleichsweise sparsam fahren.

Der Mittelmotor-Renner fährt mit Benzin-Ethanol

Vor der Hinterachse angeordnet ist ein Vierzylinder-Motor, der mit einem Benzin-Ethanol-Gemisch betrieben wird und etwa acht Liter je 100 Kilometer verbraucht. Die Maschine leistet 270 PS, entwickelt ein maximales Drehmoment von 345 Nm und hat demenstprechend leichtes Spiel mit dem nur 546 Kilogramm schweren Auto. In 3,4 Sekunden sprintet der Concept Climax von 0 auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 257 km/h angegeben. Ein Fünfgang-Schaltgetriebe überträgt den Vortrieb an die Hinterräder.

Wie es sich für einen in die Zukunft gewandten Renner gehört, kann der Fahrer die Einstellungen für Motor und Fahrwerk via Laptop und USB-Verbindung verändern. "Climax Control" nennen die Bauherren des Wagens diese Funktion. Auch die Aerodynamik des Autos kann dem Einsatzzweck angepasst werden.

Ob der Wagen eine Chance hat, in einer Kleinserie gebaut zu werden, ist noch offen. Die drei Jungunternehmer suchen dem Vernehmen nach gerade Investoren, die an das Projekt Climax glauben. Einige britische Zulieferer sind bereits an Bord. Koni (Stoßdämpfer), Alcon (Bremsen) und Dymag (Karbonräder) - allesamt Unternehmen aus den Midlands - steuerten zum Prototypen ihre Erzeugnisse bei. Möglich, dass hier ein erster Keim für das Wiederaufblühen der britischen Sportwagenproduktion gelegt wurde.

jüp