Oldtimer-Handel: Ein Parkdeck voller Träume - DER SPIEGEL
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Oldtimer-Handel Ein Parkdeck voller Träume

Das Geschäft mit Autos lahmt? Nicht bei Rob Williams. Der Amerikaner betreibt auf einem Parkdeck des Imperial Palace Hotels in Las Vegas den größten Oldtimer-Handel der Welt. Die meisten alten Schätzchen verkauft er ins Ausland.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nachts regiert in Las Vegas das Glücksspiel. Tagsüber ist die Zockerkapitale ein gigantisches Shopping-Paradies, in dem nicht nur Uhren und Designerklamotten feilgeboten werden, sondern auch Autos. Wer im Parkhaus des Imperial Palace Hotels ganz nach oben fährt, landet mitten im Showroom des größten Oldtimer-Händlers der Welt.

Auf der Fläche von zwei Fußballfeldern stehen 250 Klassiker aus mehr als hundert Jahren und warten auf solvente Sammler oder Zocker, die nach einer Glückssträhne im historischen Ferrari nach Hause rasseln wollen. Für wen auf dem Parkdeck nicht das richtige Modell dabei ist, der erhält von Rob Williams die Wegbeschreibung zu ein paar Hallen, in denen weitere 350 Oldies stehen,

Bei "The Auto Collections" finden sich alte Ferraris, auf Hochglanz polierte Cadillacs, Fords und Packards, ein paar Dutzend Rolls-Royce, Corvettes, Mercedes, Bentleys und Jaguar Stoßstange an Stoßstange. Und statt der aus jedem Museum bekannten "Bitte nicht berühren"-Schilder sind hier Preistafeln plaziert. Nur ganz wenige Exponate wie der 53er Cadillac Ghia der Schauspielerin Rita Hayworth tragen einen "Not for sale"-Hinweis. Das billigste Fahrzeug im Angebot ist ein schwarzer Käfer für 16.500 Dollar, zu den teuersten zählt ein Ferrari Daytona Spider, für 1,8 Millionen Dollar.

Fragt man Williams nach den spektakulärsten Autos, die er verkauft hat, muss er lange überlegen. "Es waren so viele", sagt er. Aber der Bugatti Royale mit einem Marktwert von damals zehn Millionen Dollar war sicher ein Highlight. Und der DeDion von 1897 auch, weil er wahrscheinlich das älteste Auto war, das je auf Parkdeck Nr. 5 stand. Privat allerdings geht es bei Williams modern zu. "Ich fahre einen Chevrolet Suburban", sagt er. "Was soll man machen, wenn man draußen in der Wüste wohnt und vier Kinder hat", fügt er fast entschuldigend hinzu.

Zwar sind nicht alle Autos in der "Collection" alt, doch auch die neueren Jahrgänge haben zumindest eine Geschichte – mal als Rennwagen wie der 89er Audi 200 Quattro TransAm oder der Rallye-Bolide von MG und mal als Leinwandstar wie Herbie oder der Mini aus "The Italian Job". Und auch wenn es echten Klassikfans wahrscheinlich ein Graus ist, stehen zwischen den Oldies reichlich Custom Cars – Hot-Rods, Lowrider und Chopper - die picobello herausgeputzt sind.

Der Benz-Patent-Motorwagen ist ein Nachbau

Obwohl es in Las Vegas naturgemäß mehr Kopien gibt als Originale – vom Eiffelturm bis zum Vulkan, der täglich zweimal ausbricht –, stehen bei Williams echte Raritäten. Beinahe zumindest: Der Patent-Motorwagen von Bertha Benz ist nämlich ebenso ein Nachbau wie der legendäre Mercedes SSK, muss der Chef zugeben. Aber dafür sei der Preis auch erheblich niedriger. Denn statt 12 Millionen kostet der Rennwagen-Replik 175.000 Dollar.

Die Geschichte des größten Oldtimer-Händlers der Welt geht zurück auf den Hotelbaron und Casino-König Ralph Engelstad, der auch als PS-Papst von Las Vegas galt. Der Selfmade-Millionär legte nicht nur den Speedway vor der Stadt an, sondern kaufte auch eine Sammlung von rund tausend Oldtimern zusammen. Weil er zumindest einige davon ausstellen wollte, funktionierte er vor fast 30 Jahren ein Parkdeck des Hotelkomplexes Imperial Palace zum Museum um.

"Als Engelstad vor rund zehn Jahren von einem unheilbaren Krebsleiden erfuhr, regelte er ein paar Dinge und verkaufte erst die Rennstrecke, dann auch die meisten seiner Klassiker", erzählt Williams. "Nach wenigen Monaten waren fast alle Autos weg." Als sich danach weiterhin täglich Interessenten meldeten, reifte die Idee zu "The Auto Collections".

Schnäppchenjäger bei den Oldtimer-Treffs

Während Williams in Las Vegas im Büro sitzt, sind seine zwei Seniorpartner, die damals die Autodeals für den schwerkranken Hotelkönig abwickelten, weltweit auf Einkaufstour. Techno Classica, Villa d’Este, Mille Miglia oder Pebble Beach – keine Messe, Klassikerrallye oder Concours d'Elegance, wo sie nicht nach Schnäppchen suchen. Außerdem landen in Williams' Mailbox täglich 30 bis 40 Angebote aus aller Welt. Der Mann ist jedoch wählerisch. "Natürlich restaurieren wir besonders rare Stücke auch selbst." Für die Masse der Fahrzeuge aber sei das zu teuer. "Was wir kaufen, muss fahrbereit sein und ordentlich aussehen."

Bis zu 3000 Besucher bummeln jeden Tag übers Parkdeck. "Die meisten sind Touristen, die kurz ein wenig Autos gucken wollen, ehe sie wieder ihr Glück am Spieltisch versuchen." Nur ab und an streife auch ein Käufer durch die Reihen. Williams erinnert sich an einen der ersten Kunden überhaupt. "Ein Zocker, der am Abend eine Serie beim Black Jack hatte und am Morgen den Gewinn in ein V12-Coupé von Cadillac steckte." So etwas passiert zwar auch heute immer mal wieder. "Aber 99 Prozent unseres Geschäfts machen wir mittlerweile übers Internet." Auf der Webseite www.autocollections.com findet man die Liste des Inventars, in der für jedes Auto ein Porträt mit Dutzenden Fotos hinterlegt ist. "Wenn das einem Interessenten nicht reicht, habe ich eigens einen Mitarbeiter, der mit der Digitalkamera loszieht, während ich den Kunden noch am Telefon habe", berichtet der Gebrauchtwagen-King.

Gute Geschäfte in Europa und dem Mittleren Osten

Mit Hilfe des Internets hat Williams auch die anhaltende Kaufzurückhaltung auf dem US-Markt schadlos überstanden: Was die gebeutelten Amerikaner nach Immobilienkrise und Dollarsturz stehen lassen, geht zunehmend ins Ausland. "In den vergangenen Monaten haben wir 90 Prozent der Verkäufe nach Übersee verschifft, vor allem nach Europa und in den Mittleren Osten", freut sich Williams über die Globalisierung des Oldtimer-Marktes.

Obwohl kaum ein Auto auf eigener Achse aus dem Parkhaus hinaus auf den legendären Strip rollt, seien die meisten Klassiker fahrbereit, sagt Williams stolz. Preis verhandeln, Scheck ausstellen, Kennzeichen festschrauben – binnen einer halbe Stunde könnte man im Vorkriegs-Bentley oder -Maybach der Star auf dem Las Vegas Boulevard sein.

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