Oldtimershow Techno Classica: Krisenfeste Mobilien - DER SPIEGEL
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Oldtimershow Techno Classica Krisenfeste Mobilien

Die Autohersteller taumeln, die Absatzprognosen sind unerfreulich - doch zumindest ein Pkw-Markt ist völlig unbeeindruckt: Der für Old- und Yountimer. Bestes Beispiel ist die Techno Classica in Essen. Die Liebhabershow ist praktisch ausgebucht.
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Mehr als tausend Aussteller aus 21 Ländern und dazu mehr als 200 Oldie- oder Youngtimer-Clubs - während manch große Automesse derzeit ums Überleben kämpft, platzt die Techno Classica aus allen Nähten. Sämtliche 20 Hallen der Messe Essen sind belegt. Die Veranstaltung, die sich im Untertitel ziemlich unbescheiden als "Klassik-Weltmesse" tituilert, scheint tatsächlich völlig jenseits der beinahe allgegenwärtigen Autokrise stattzufinden.

Der Markt für klassische Automobile ist seit Jahren nicht nur stabil, er expandiert. Allein der Umsatz mit Ersatzteilen und Zubehör für so genannte Youngtimer - darunter fallen ganz grob gesagt alle Autos, die älter als zehn Jahre, aber keine tiptop restaurierten Klassiker sind - beträgt in Deutschland nach Expertenschätzungen rund 300 Millionen Euro im Jahr. Gerade in diesem Bereich scheint es Wachstumsmöglichkeiten zu geben. Mercedes etwa stellt auf der Techno Classica das neue Programm Young Classics vor.

Die Stuttgarter Autobauer wollen damit "automobile Träume für jedermann erfahrbar machen". Das Konzept: Ins Mercedes-Museum vor dem Stammsitz in Stuttgart wird ein Young Classics Store integriert, in dem diverse Autos der Baujahre von 1970 bis 1990 verkauft oder vermietet werden; auch Finanzierung und Versicherung können hier bei Bedarf geregelt werden. "Wir nehmen das Interesse der Öffentlichkeit an Youngtimern auf und schließen so die Lücke zwischen Neuwagenverkauf und dem spezialisierten Klassiker-Geschäft des Mercedes-Benz-Classic-Center", sagt Unternehmenssprecher Josef Ernst.

Altmetall ist eine harte Währung in schlechten Zeiten

Auch andere Indikatoren weisen darauf hin, dass alte Autos immer mehr zu krisenfesten Gebrauchs- und Investitionsgütern werden. Die Messe Retro-Classics in Stuttgart beispielsweise verdoppelte vom vergangenen zu diesem Jahr die Zahl der Hallen, die neue Messe Geneva Classics in Genf boomt, auf Schloß Bensberg findet in diesem September erstmals ein neuer Concours d'Elegance statt. Auch viele einschlägige Händler melden nach wie vor glänzende Geschäfte.

Eine Messe wie die Techno Classica kommt da als Schaufenster gerade recht, um zumindest atmosphärisch in alte Zeiten davonzufahren, als Vollbeschäftigung noch kein Fremdwort und das Normalbenzin noch spottbillig war. VW zum Beispiel feiert in Essen 60 Jahre Käfer Cabrio, 30 Jahre Golf Cabrio, 30 Jahre Transporter T3; dazu kommen 50 Jahre Skoda Octavia und 100 Jahre Bugatti. Zu sehen sein werden unter anderem ein Bugatti 35 B aus dem Jahre 1925 und ein fahrfähiges Käfer Cabrio aus Korbgeflecht, das ein sächsischer Korbmacher in 600 Arbeitsstunden erstellte.

Runde Jubiläen für Silberpfeil, BMW und Mini

Mercedes feiert 75 Jahre Silberpfeile und, anlässlich des neuen Modells W 212, die Geschichte der E-Klasse. Die Wurzeln dieser Baureihe sehen die Schwaben im Vorkriegsmodell 260 D von 1936, das auf dem Stand zu sehen sein wird. Audi wiederum zeigt den Typ C "Alpensieger", mit dem Firmengründer August Horch in den Jahren 1912, 1913 und 1914 die Alpenfahrt in Österreich gewann. Dazu einen neu aufgebauten Audi 225 Front Roadster von 1935; lediglich zwei Prototypen des Sportwagens wurden damals gebaut, beide galten als verschollen. Jetzt entstand mit Hilfe von Fotografien der abhanden gekommenen Oldies dieses neue Prachtstück im Retro-Look.

Auch BMW hat in diesem Jahr Jubiläen zu begehen. Zum Beispiel .80 Jahre Automobilbau - was auf der Techno Classica mit einer Schau gewürdigt wird, die mit einem BMW 3/15 DA2 aus dem Jahr 1929 beginnt, weitergeht mit dem Modell 335, den Ikonen 503 und 507 und schließlich bei Evergreens wie 635 CSI und M1 endet. Dazu gibt es die Jubiläen 50 Jahre BMW 700 und 50 Jahre Mini - wiederum mit mehreren ungewöhnlichen Exponaten, die Kenner erfreuen und Laien erstaunen dürften.

Das Feuerrote Spielmobil und die Absage von Porsche

Opel hat in diesem Jahr keinen eigenen Stand auf der Techno Classica - die prekäre Lage des Unternehmens lässt offenbar keine Auftritte dieser Art mehr zu. Aber immerhin gibt es ein ganz besonderes Opel-Modell zu sehen: das Feuerrote Spielmobil nämlich, das ehemals in Kindersendungen des Bayerischen Fernsehens auftrat, dann in Namibia genutzt wurde und jetzt von Opel zurückgekauft wurde.

Auch Porsche fehlt in diesem Jahr mit einem eigenen Stand auf der Techno Classica. Das ist für Veranstalter wie Besucher betrüblich, andererseits aber kann sogar dies als Zeichen des Klassik-Booms gewertet werden. Denn aus Zuffenhausen hört man, dass es inzwischen viel zu viele Oldie-Veranstaltungen gibt, und man unmöglich auf allen präsent sein könne. Manches geht schon reich physisch nicht: In diesem Jahr fallen zum Beispiel die Großereignisse Silvretta Classic und Goodwood Festival of Speed zeitlich zusammen. Das erste Juli-Wochenende wird so zur Zerreißprobe für manchen Altauto-Aficionado.

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