Opel Antara Premiere in der Ideenfabrik
Viel Grund zum Feiern hatte Opel in den vergangenen Jahren nicht. Doch jetzt ließen die Hessen die Korken knallen und stießen fröhlich mit der Führungsspitze von General Motors an. Denn derselbe Konzern, der Rüsselsheim noch vor wenigen Monaten angeblich sturmreif schießen wollte, legt nun ein deutliches Bekenntnis ab zum Stammsitz von Opel und eröffnete dort ein neues Designcenter. Mit der Erweiterung des bestehenden Studios haben die rund 350 Kreativen jetzt eine 20.000 Quadratmeter große und auf Hochglanz polierte Ideenfabrik, die auch für die neue Wertschätzung steht, die GM im Allgemeinen und Opel im Besonderen dem Design zuteil werden lassen möchte.
"Design ist schon heute eines der wichtigsten Elemente unserer Produktphilosophie und wird auch in Zukunft einen zentralen Stellenwert einnehmen", sagte GM-Europapräsident Carl-Peter Forster. "Deshalb haben wir eine neue Einrichtung geschaffen, die unseren Designern mit ihrer Lage, Ausstattung und Atmosphäre optimale Voraussetzungen für ihre kreative Arbeit bietet."
Diese inspirierende Atmosphäre nutzen sie aber nicht nur für Opel. "In diesem neuen Gebäude bündeln wir nun die Designkompetenz der gesamten europäischen GM-Familie", sagte Forster zur Eröffnung. In den Hallen, die früher das wenig erfolgreiche Vergnügungszentrum "Opel Life" beherbergten, arbeiten auch die Teams von Vauxhall und Saab sowie die Abteilung "Advanced Design", die in die Zukunft blickt und für Showcars wie den Saab Aero-X oder den Opel Insignia verantwortlich zeichnet.
Wer aus der Zusammenlegung auf einen Verlust der Markenidentität schließt, den straft Forster Lügen. Das Gegenteil sei der Fall: "Je enger die Designer zusammen arbeiten, desto schärfer können sie die Marken voneinander trennen und desto besser können Überschneidungen vermieden werden", verspricht der Chef der Züricher-Europazentrale. Und auch der weltweite Designchef Ed Welburn nimmt besonders den Saab-Fans die Furcht: "In Schweden bleibt ein kleines, aber starkes Team, dass sehr genau darauf achten wird, dass in jedem Saab das skandinavisches Erbgut spürbar bleibt ganz egal, wo er gezeichnet und gebaut wird."
Paolo Conte sang, Udo Jürgens' Sohn legte auf
Der Einfluss der neuen Denkfabrik wird aber nicht nur die europäischen Produkte prägen, verspricht GM-Vizepräsident Bob Lutz, der vor vielen Jahren selbst in Rüsselsheim gearbeitet hat. Er wünscht sich einen Austausch mit den restlichen 800 Designern in den zehn weiteren Studios des Konzerns und denkt dabei zum Beispiel an die Gestaltung der Auto-Innenräume. "Seit Designer aus Rüsselsheim bei uns in den USA gearbeitet haben, können auch wir Innenraumteile gestalten, die ohne große Spaltmaße in den Wagen passen. Und jetzt zeigen wir den Europäern, wie man zum Beispiel noch mehr Leidenschaft oder Romantik ins Spiel bringt. So kann jeder lernen und profitieren", sagte er und machte die Bühne frei für eine große Party mit rund 500 Gästen aus 15 Ländern.
Doch der Star des Abends ist weder der Musiker Paolo Conte, der ein knappes Stündchen spielt, noch DJ Munich, der im bürgerlichen Leben der Sohn von Udo Jürgens ist und die Party an den Plattentellern gestaltet. Und erst recht nicht sind es Promis wie Owe Ochsenknecht, Rolf Zacher, Esther Schweins oder Carsten Spengemann. Im Rampenlicht steht der neue Opel Antara, mit dem die Rüsselsheimer noch in diesem Jahr groß auftrumpfen wollen.
Den Wettlauf gegen VW und Ford hat Opel gewonnen
Lange bevor VW mit der Geländeversion des Golf fertig wird und lange bevor ein ähnliches Auto bei Ford zu erwarten ist, tritt die GM-Tochter damit als erster deutscher Volumenhersteller in ein Segment ein, das bislang von Japanern wie dem Toyota RAV-4 und Koreanern wie dem Kia Sportage dominiert wird. Aus Deutschland gibt es in dieser Liga lediglich den viel zu teuren BMW X3. Nachdem sich der Marktanteil dieser sogenannten Sport Utility Vehicles (SUV) nach Berechnungen des Automobilwirtschaftlers Ferdinand Dudenhöffer seit 2002 bereits auf 5,8 Prozent verdoppelt hat, rechnet er für die nächsten Jahre mit einem weiteren Wachstum und stellt für 2007 mehr als 250.000 Offroad-Zulassungen und einen Zulassungsanteil von 7,3 Prozent in Aussicht.
Nachdem Opel die einstige Führungsrolle in diesem Markt mit dem Ende des Modells Frontera kampflos aufgegeben hatte, sollen jetzt möglichst viele Kunden für den neuen, mindestens 26.850 Euro teuren Geländewagen gewonnen werden. Ende des Jahres soll der Antara mit zunächst zwei Benzinern, einem Diesel und serienmäßigem Allradantrieb auf den Markt kommen. Zwar hat der Anatara auf dem Weg von der Studie zur Serie von seinem sportlichen Auftritt verloren, doch wirkt der 4,57 Meter lange Wagen noch immer attraktiv.
Nur ein Detail könnte die Festtagslaune ein wenig stören: Mit dem Standort Rüsselsheim hat der Antara leider wenig zu tun auch wenn die Designer bei ihrer Housewarming-Party brav an Modellen des Wagens schnitzten, zeichneten oder modellierten. Denn gebaut wird der Antara zusammen mit dem minimal größeren Chevrolet Captiva in Korea.