Opel Astra GTC: Die Extrawurst - DER SPIEGEL
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Opel Astra GTC Die Extrawurst

"Nur einfach zwei Türen weniger, das verleiht kein eigenständiges Profil." Friedhelm Engler, der Designchef für die Opel-Astra-Baureihe, wirbt damit für den neuen Dreitürer Astra GTC und macht zugleich deutlich, dass die Rüsselsheimer eine andere Strategie verfolgen als der schärfste Konkurrent VW mit dem Golf.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei den Wolfsburgern gibt es den neuen Golf als Drei- oder als Fünftürer, die Karosserie beider Varianten aber ist identisch - eben bis auf die zwei fehlenden oder vorhandenen hinteren Türen. Opel dagegen steckt den drei- und den fünftürigen Astra in voneinander völlig verschiedene Karosserien. Die Rüsselsheimer braten ihrer sportlich orientierten Kompaktklasse-Klientel sozusagen eine Extrawurst. Lediglich die Motorhaube und die vorderen Kotflügel der neuen Coupé-Variante Astra GTC wurden vom fünftürigen Modell übernommen. Selbstverständlich auch die Komponenten unter dem Blech, doch der erste Eindruck ist: Hier steht ein komplett neues Auto.

Genau diesen Effekt wollte Opel auch erzielen. Die Rüsselsheimer haben die Kompaktklasse untersucht und dabei herausgefunden, dass dreitürige Autos mit dem "traditionellen Ansatz Fünf-minus-zwei-Türen" auf dem Rückzug seien. Dagegen würden moderne, eigenständig designte Dreitürer in dieser Klasse an Bedeutung gewinnen. In dieses Welt- und Marktbild passt der GTC - das Kürzel steht für Gran Turismo Compact - haargenau. "Das Auto sieht aus wie ein Sprinter, der im Startblock lauert", sagt Designer Beat Finkbeiner. Richtig ist: Der Astra GTC wirkt kraftvoll, markant und durchaus geschmeidig. Optisch jedenfalls hat Opel längst die Kurve gekriegt.

Technisch wiederum ist der Wagen weitgehend baugleich mit dem fünftürigen Modell. Die Motorenpalette umfasst fünf Benziner sowie drei Dieselaggregate mit 1,4 bis 2 Liter Hubraum, deren Leistungen von 90 bis 200 PS reichen. Alle Diesel erfüllen die Euro-4-Abgasnorm, für die beiden stärkeren Selbstzünder sind wartungsfreie Rußpartikelfilter im Angebot. Das Fahrwerk wurde gegenüber dem Fünftürer um eineinhalb Zentimeter abgesenkt, die Abstimmung erscheint insgesamt etwas straffer und bei forscher Fahrweise auch ein wenig rau. Insgesamt aber wirkt das Auto ausgereift und lässt sich bestens manövrieren.

Die schnittige Silhouette des GTC deutet auf den ersten Blick auf einen beengten Innenraum hin, doch das täuscht. Auch auf den Rücksitzen herrscht überraschend viel Kopf- und Beinfreiheit. Jedenfalls können auch Erwachsene hier vernünftig und würdevoll Platz nehmen. Der Kofferraum fasst 380 Liter und ist damit ebenso groß geraten wie jener im Fünftürer.

Noch im März wird der Astra GTC bei den Händlern stehen. Vier Ausstattungsversionen bietet Opel an, serienmäßig sind alles Varianten mit elektrischen Fensterhebern, elektrisch verstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln, Tempomat und Zentralverriegelung ausgerüstet. Ebenso an Bord sind sechs Airbags, ABS und ESP. Die Preise reichen von 15.200 Euro für das Einstiegsmodell mit 1,4-Liter-Benziner (90 PS) bis zum GTC-Topmodell mit 2-Liter-Turbomotor und 200 PS Leistung ab 23.505 Euro.

Gut möglich jedoch, dass viele GTC-Kunden rund 1200 Euro mehr für ihr Auto zahlen werden, denn in dieser Größenordnung wird der Preis des interessantesten Extras wohl liegen: der Panorama-Frontscheibe. Mit dieser Zutat ist der Wagen von der Motorhaube bis zur Mitte des Daches (also bis auf Höhe der B-Säulen) durchgehend verglast. Opel schwärmt von einem Gefühl wie in einer Pilotenkanzel - erfahren ließ sich das bis jetzt noch nicht, denn das einzige Modell mit dieser Riesenscheibe durfte nur im Stand begutachtet werden. Allerdings lässt sich so viel schon sagen: Der Ausblick aus diesem Auto ist eindrucksvoll. Gut auch, dass die Opel-Entwickler an clever konstruierte Blenden gedacht haben, um das Glasdach bei strahlendem Dauersonnenschein abzudunkeln.

Eigentlich müsste es Opel jetzt nur noch schaffen, professionelle Ruhe ins Unternehmen zu bringen und das Mutterhaus General Motors zu etwas mehr Geduld zu bewegen. Dann dürfte einer Genesung der angeschlagenen Marke eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Jedenfalls wird keiner mehr sagen können, es habe an den Produkten gelegen.

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