Opel Astra: Herausforderer mit Bügelfalte - DER SPIEGEL
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Opel Astra Herausforderer mit Bügelfalte

Es sind nur noch wenige Tage, bis VW Golf und Opel Astra auf der Frankfurter IAA um die Gunst des Käuferpublikums buhlen. Der Kampf um die öffentliche Aufmerksamkeit indes ist schon im vollen Gange. VW hat zur Vorab-Besichtigung des Golfs nach Wolfsburg geladen. Opel kontert mit einem Design-Workshop zum neuen Astra.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Friedhelm Engler ist überzeugt - und überzeugend. Wort- und gestenreich beschreibt der Astra-Chefdesigner sein Werk. Die stimmigen Proportionen, die markanten Linien, die straffen Flächen, die harmonischen Verläufe. Nichts am Design des neuen Fünftürers scheint zufällig. Jede Linie, jede Form hat ihre Bedeutung, jede Sicke und Falte im Blech ihren Sinn und jedes noch so kleine Detail seinen Platz.

Tatsächlich hat der 39-Jährige, der auf der letzten IAA die ungewöhnliche Frogster-Studie auf die Räder stellte, es geschafft, aus dem kreuzbraven Vorgänger einen dynamischen Golf-Gegner zu modellieren. "Wenn die Konkurrenz es sich erlauben kann, etwas konservativer zu gestalten", sagt Friedhelm Engler mit Blick auf die nahezu unveränderte Form des Wolfsburger Rivalen, "umso mutiger konnten wir an die Sache gehen." Von oberster Stelle bekam Englers Team dafür freie Hand. Denn nicht weniger als "eine führende Position im europäischen Automobildesign" formulierte Opel-Vertriebsvorstand Uhland Burkart als Ziel für künftige Opel-Modelle.

Opels neues Selbstbewusstsein spiegelt auch der Astra wider. Ins Auge fällt vor allem die markante Front mit dem trapezförmigen Kühler mit Chromleiste und Blitzlogo, der sich optisch weit in die Stoßfänger runterzieht, den dreidimensionalen, ums Eck laufenden Scheinwerfern und der so genannten Bügelfalte auf der Motorhaube, die als wiederholendes Stilmerkmal auch den Heckbereich prägt. Obwohl der neue Fünftürer mit 4,25 Meter um rund 14 Zentimeter länger wurde, wirkt der Wagen in der Seitenansicht kürzer, als er tatsächlich ist.

Durch die pfeilförmigen Einzüge vorne und hinten haben die Designer die längeren Überhänge optisch geschickt kaschiert. Zusätzlich gewinnt der Wagen durch die nach hinten ansteigende Gürtellinie, die eine optische Verlängerung der V-förmigen Sicken der Motorhaube darstellt, an Dynamik. Darüber spannt sich eine Dachlinie, die zum Heck um fast fünf Zentimeter wieder abflacht und so ebenfalls für eine aerodynamische Note sorgt.

Was dem Astra-Designer am eigenen Werk besonders gut gefällt, ist der Heckbereich. "Eine dramatische Frontpartie zu gestalten ist relativ leicht", sagt Friedhelm Engler. "Die Kunst besteht darin, dem Wagen auch von hinten den gleichen unverwechselbaren Ausdruck zu geben." Am Heck finden sich all die Designmerkmale der Front wieder: die dreidimensionale Rückleuchten-Grafik, die trapezförmig gespannten Flächen, die Chromleiste sowie die starke Pfeilung durch den mittigen Blechknick.

Der charakteristische Knick findet sich auch in der Mittelkonsole des Cockpits, das Opel im Vergleich zum Vorgänger kräftig aufgemöbelt hat. Um den Fahrerplatz gruppieren sich die Rundinstrumente unter einer kompakten Hutze, daneben ein zentraler Monitor für Fahrerinformationen sowie darunter ein breite Mittelkonsole, auf der alle Tasten und Schalter für Klima- und Infotainment-Systeme von Fahrer und Beifahrer gleichermaßen gut sicht- und erreichbar angebracht sind.

Aber nicht nur optisch, auch technisch bietet der neue Astra Innovationen, die es bislang weder serienmäßig noch gegen Geld und gute Worte in der Kompaktklasse gab. Beispielsweise das Fahrwerksystem IDS-Plus mit elektronischer Dämpferkontrolle (CDC), wie sie sonst nur in höheren Klassen oder in exklusiven Sportwagen zu finden ist. Durch die elektronische Vernetzung von ESP, ABS und CDC wird das Fahrwerk je nach Beschaffenheit der Straße und Fahrweise ausbalanciert. Per Knopfdruck kann außerdem ein Sportmodus gewählt werden, der während der Fahrt Dämpfer, Lenkung, Gasannahme sowie die Schaltpunkte bei Automatik und Easytronic neu justiert. Weitere Highlights sind das mitlenkende Kurvenlicht AFL, Reifendruckkontrolle und Überwachungssystem oder die so genannte Translucent-Technologie im oberen Drittel der Rückleuchten, dessen spezielle Lichtstreuung den Astra auch bei Dunkelheit erkennen lassen soll.

Und ebenso hat der neue Astra in punkto Komfort zugelegt: eine Berg-Anfahrhilfe, die an Steigungen das Zurückrollen verhindert, indem die Bremse automatisch für zwei Sekunden gehalten wird. Oder ein Quickheat-System, das den Innenraum schneller erwärmt und außerdem das erneute Beschlagen frei gekratzter Scheiben verhindern soll. Für Unterhaltung sorgen neue Infotainment-Systeme mit MP3-Player, digitalem Radio (DAB) und Twin-Audio-System für separaten Hörgenuss im Fond sowie Navigationssysteme mit Farbmonitor oder ein integriertes Telefon mit Sprachsteuerung. Gestartet wird der Wagen übrigens über einen Starterknopf in der Mittelkonsole, nachdem ein Transpondersystem im Schlüssel Türen und Gepäckraum automatisch geöffnet hat.

In Bewegung gebracht wird der Astra wahlweise von fünf Benzinmotoren, darunter der 1,4-Liter- und der 1,6-Liter-Vierzylinder mit der spritsparenden Twinport-Technologie sowie zwei Zwei-Liter-Turbomotoren mit 170 und 200 PS. Dampf unter der Haube verspricht Opel auch für die drei Commonrail-Dieselmotoren. Zur Wahl stehen die beiden 1,7-Liter-CDTI-Triebwerke mit 80 und 100 PS sowie ein völlig neuer 150 PS starker 1.9 CDTI. Benziner und Diesel erfüllen die Euro 4-Abgasnorm. Die stärkeren Aggregate sind serienmäßig mit einem neuen Sechs-Gang-Schaltgetriebe gekoppelt. Darüber hinaus gibt eine manuelle Fünf-Gang-Schalteinheit, eine Automatik sowie das weiterentwickelte automatisierte Schaltgetriebe "Easytronic", das jetzt über ein Sport-Programm verfügt.

Opel-Chef Carl-Peter Forster ist überzeugt: "Die Kombination aus dynamischem Styling, agilem Handling, sinnvollen Innovationen und variantenreichem Modellprogramm macht die neue Astra-Reihe zu einem Angebot, auf das viele Kunden in der Kompaktklasse gewartet haben."

Allerdings müssen sie das auch noch etwas länger tun. Der neue Astra kommt erst im März 2004 auf den Markt. Im September soll dann der Kombi Caravan mit größerem Radstand folgen. Und wiederum ein halbes Jahr später der sportlich geschnittene Dreitürer, der in seinen Grundzügen der GTC-Studie vom Genfer Salon entspricht.