Opel GTC Concept: Bollernder Bote - DER SPIEGEL
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Opel GTC Concept Bollernder Bote

Beim Genfer Autosalon gehörte der Opel GTC Concept zu den Stars. Doch der Wagen ist nicht nur eine Designstudie, er fährt auch. Jetzt drehte SPIEGEL ONLINE eine Runde mit dem millionenteuren Einzelstück, das einen Ausblick auf Opels künftiges Mittelklassemodell gibt.
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Am Ende wurde es noch mal richtig eng. Viermal bereits war die Studie in seidig schimmerndem "liquid grey" lackiert worden, und noch immer waren die die Verantwortlichen nicht zufrieden. "Zum Schluss hatten wir nur noch fünf Liter Lack", sagt Gerhard Mathes, der technische Projektleiter für alle Opel-Studien, "und wir haben mit denen das Auto noch ein fünftes Mal lackiert." Von Hand natürlich, und diesmal stimmte alles. Im letzten Moment - wie eigentlich immer bei Studien, die speziell für Automobilmessen gebaut werden - wurde der Opel GTC Concept dann doch noch fertig und trat seine Reise nach Genf an, wo er Anfang März erstmals enthüllt wurde.

Vom Startschuss des Projekts bis zur Präsentation am Vorabend der Messe dauerte es zirka ein Jahr. "Zuerst einmal wird definiert, was mit dem jeweiligen Auto überhaupt zum Ausdruck gebracht werden soll", sagt Mathes. In diesem Fall: Opel wollte eine neue Design-Ära einläuten. "Am GTC erkennt man die neue Formensprache der Marke. Es geht weg vom harten, architektonischen Äußeren und hin zu weicheren Linien und einer mehr skulpturhaften Form. Die Karosserie soll aussehen wie handgemacht", beschreibt Mathes die Absicht der Designer.

Erst in Originalgröße wirkt ein Auto stimmig

Die stellten, unter der Leitung ihres Chefs Bryan Nesbitt, zahlreiche 1:3-Modelle her, von denen dann das Beste digitalisiert und in Originalgröße modelliert wurde, "weil ein kompetenter Gesamteindruck erst entsteht, wenn man das Auto im Maßstab eins zu eins vor sich hat", wie Mathes erläutert. Nach etwa zwei Monaten stand die äußere Form weitgehend fest - und ab diesem Zeitpunkt konnten die Techniker loslegen, um den Autokörper mit Inhalt zu füllen.

Um die Kapazitäten im General-Motors-Konzern möglichst gut auszunutzen, wurde das Konzeptauto im schwedischen Saab-Werk in Trollhättan gebaut. Was Chassis und Fahrwerk betrifft, finden sich im GTC tatsächlich Komponenten, die derzeit noch in der Entwicklung sind und erst in künftigen Opel-Modellen auftauchen werden. Der Motor jedoch ist ein alter Bekannter, es handelt sich um den 2,8-Liter-V6-Benziner, der durch eine geschärfte Motorelektronik in der Studie 300 PS sowie 400 Nm Drehmoment freisetzt. Um die Kraft sinnvoll nutzen zu können, erhielt die Studie einen über eine Haldes-Kupplung elektronisch gesteuerten Allradantrieb.

Schlaue Sitze und viele fehlende Details

Wer das Auto umrundet und dann einsteigt, den Startknopf drückt und losfährt, merkt erst einmal nicht, dass es sich um ein in Handarbeit hergestelltes Einzelstück handelt, das pfleglich behandelt werden muss und noch längst nicht vollständig ist. Der Innenraum zum Beispiel sieht modern, sportlich und durchaus komplett aus, dazu kommt ein schlaues Sitzsystem namens Flex-4, bei dem sich die hinteren Sitzschalen passgenau an die Vordersitze heranschieben lassen, so dass ein immenser Gepäckraum entsteht.

Doch natürlich zeigt der GTC nur das Wesentliche - viele Details sind noch unvollendet. Die Handbremse beispielsweise fehlt, die Scheibenwischer funktionieren nicht, und im Regen darf das Auto auch nicht stehen, weil die Dichtungen eben doch nicht hundertprozentig dichten. Und eine Hupe hat das Auto auch nicht - natürlich auch keine Straßenzulassung. Was der GTC aber hat, und das ist für eine Studie viel wichtiger, ist Ausstrahlung, Stil und vermutlich eine viel versprechende Zukunft.

Im Herbst 2008 kommt der Vectra-Nachfolger

Denn im Herbst nächsten Jahres, so hört man aus Rüsselsheim, wird der Nachfolger des Mittelklasse-Modells Vectra an den Start gehen. Offenbar soll das neue Auto die neue, am GTC exemplarisch ausgeführte Formensprache tragen: Also die markante Frontpartie mit der typischen Chromspange und neuen, senkrechten Lüftungselementen, die satten Konturen der Silhouette und ein kraftvolles Heck. Unwahrscheinlich scheint derzeit, dass die neue Baureihe wieder den Namen Vectra tragen wird. Über die neue Bezeichnung herrscht allerdings noch striktes Stillschweigen.

Bis die Vectra-Ablösung ansteht, soll die Studie weiter die Erwartungen wecken und die Vorfreude anstacheln. Gleich nach der Testrunde von SPIEGEL ONLINE wurde das Auto verladen und nach Katalonien geschafft. Der nächste Auftritt steht an, auf der Barcelona Motor Show.