Opel Rallye Kadett Der vor dem GTI tanzte
Der Rallye Kadett war ein sportlicher Ableger der zweiten Generation des Opel-Kompaktmodells, die 1965 als Kadett B debütierte. Er basierte auf der Coupé-Version der Baureihe, verfügte über einen Heckantrieb und ein vergleichsweise gutes Platzangebot bei 4,18 Meter Karosserielänge. Weil an der C-Säule einige angedeutete Luftschlitze saßen, trug der Wagen den Spitznamen "Kiemen Coupé" - bei den ab 1968 gebauten Versionen waren diese "Atemöffnungen" verschwunden, dafür liefen die hinteren Seitenscheiben auffällig spitz aus.
Prominentestes Erkennungsmerkmal des Rallye Kadett waren die zwei großen, mattschwarzen Rechtecke auf der Motorhaube und ebenfalls mattschwarze Seiten- und Heckstreifen. Angetrieben wurde das kompakte Auto zunächst von einem 1,1-Liter-Vierzylindermotor mit dem Zusatzkürzel "SR", das für Super-Rallye stand. Die Maschine mobilisierte 60 PS und beschleunigte den Wagen auf bis zu 148 km/h. Ein zu jener Zeit beachtliches Tempo für ein Auto dieses Formats. Im Pressetext zum Auto hieß es vor 40 Jahren: "Das Werk entschloss sich daher, für die Rallyefahrer ein einsatzbereites Wettbewerbsfahrzeug auf der Basis des Kadett Coupés und damit gleichzeitig für viele Fahrer einen Wagen mit ausgeprägten sportlichen Eigenschaften zu schaffen, der dank der Produktion in hohen Stückzahlen preisgünstig angeboten werden kann."
Ein rasantes Auto für 7175 Mark
Nun, der Sportsmann unter den Kadetten kostete damals 7175 Mark. Zur Ausstattung zählten unter anderem Scheibenbremsen an den Vorderrädern, silbergraue Sportfelgen, die bereits erwähnte Vollgas-Bemalung, ein Lenkrad aus Holzimitat mit drei Metallspeichen und ein kurzer Schaltknauf. Im Cockpit war nicht nur ein Tachometer plaziert, sondern auch ein Drehzahlmesser, eine Öldruckanzeige und ein Ampèremeter. Der Dachhimmel, die Sonnenblenden und die Schaltkonsole waren mattschwarz - was schon damals als Inbegriff eines sportlichen Ambientes galt.
Den Namen Rallye Kadett trug das Auto zu Recht, denn tatsächlich wurde es bei etlichen Rennen eingesetzt, unter anderem in der deutschen, griechischen und holländischen Rallye-Meisterschaft. Bei der Rallye Monte Carlo gewann der Wagen mehrmals in Folge die Klassenwertung, und 1970 drang ein Rallye Kadett 1900 gar auf Rang elf der Gesamtwertung vor.
Das Topmodell leistete 106 PS - und blieb inkognito
Auch für den zivilen Straßenverkehr wurde die 1900er-Variante seit Herbst 1967 verkauft. Unter deren Haube rackerte der 1,9-Liter-S-Motor aus dem Opel Rekord, der 90 PS mobilisierte, den Wagen in 13 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigte und ein Spitzentempo von 168 km/h ermöglichte. Auf Sonderwunsch gab es ab 1971 dann sogar die sogenannte H-Version (H stand für Hochleistung), die 106 PS leistete und vorsichtshalber nicht in den offiziellen Preislisten auftauchte. Die Opel-Händler bestellten diesen schärfsten Rallye Kadett nur auf ausdrückliche Anfrage eines Kunden.
Bis die Produktion des Opel-Kompaktsportlers 1973 eingestellt wurde, hatten etwas mehr als 100.000 Exemplare das Werk in Bochum verlassen. Allerdings verpassten es die Rüsselsheimer Autobauer, einen Nachfolger zu präsentieren - und überließen das prestigeträchtige Feld der Konkurrenz. VW besetzte kurze Zeit später die Lücke und präsentierte auf der IAA 1975 den ersten Golf GTI, der dann im folgenden Jahr in Serie ging. Und Opel? Fuhr erst 1978 wieder mit einer Rallye-Version des Kadett C an den Start. Da waren der GTI und mit ihm die Legende schon längst abgefahren.
jüp