Opel verzichtet auf umstrittene Werbeversprechen - DER SPIEGEL
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Abgasaffäre Opel verzichtet auf umstrittene Werbeversprechen

Mit großen Worten hatte Opel die Dieselvarianten des Modells Zafira beworben. Auf Druck von Umweltschützern und einem Gericht streicht der Autohersteller jetzt aber mehrere Aussagen über den Wagen.
Opel-Schriftzug
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Foto: Jens Büttner/ picture alliance / dpa
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Der Autohersteller Opel verzichtet künftig auf umstrittene Werbeaussagen zu seinem Diesel-Modell Zafira 1.6. Das Auto werde nicht mehr mit den Aussagen "so sauber wie ein Benziner" oder "mit niedrigstem Stickoxidausstoß" beworben. Das geht aus einer Unterlassungserklärung hervor, die Opel am Freitag vor dem Landgericht Darmstadt abgab.

Das Gericht hatte zuvor Zweifel an der Werbung geäußert. "Es wird eine Einschätzung beim Verbraucher geweckt, die nicht realistisch ist", sagte die Vorsitzende Richterin Ursula Emmenthal in der mündlichen Verhandlungen.

Ein Anwalt von Opel sagte vor Gericht, man halte die auf die Abgasnorm Euro-6 bezogenen Aussagen weiterhin für richtig und wolle lediglich das von der Deutschen Umwelthilfe angestrengte Verfahren beenden. Die Umwelthilfe wollte Opel das Werbeversprechen per einstweiliger Verfügung untersagen lassen.

Die selbsternannten Umweltengel

Bereits vor dem Gerichtstermin hatte Opel in einer betriebsinternen Mitteilung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, zuständige Abteilungen angeordnet, bestimmte Aussagen aus Werbetexten zu löschen. Dazu zählten unter anderem Formulierungen wie "Hochmodernes Dieselportfolio", "Von Ampera bis Zafira - echte Umweltengel heißen Opel" oder "Extra wirtschaftlich: Opel Zafira Tourer jetzt mit 120-PS-Flüsterdiesel".

Laut Messungen und Tests des IT-Experten Felix Domke ist Opel offenbar alles andere als ein "Umweltengel". Domke hatte im Auftrag des SPIEGEL, der Deutschen Umwelthilfe und der ARD Modell Zafira untersucht. Seine Analysen legten den dringenden Verdacht nahe: Opel geht nach einer ganz ähnlichen Strategie vor wie der in die Abgasaffäre verwickelte Konzern Volkswagen.

Die Motorsoftware des Zafira erkennt offensichtlich, ob es sich in einer Fahrsituation befindet, wie sie im standardisierten europäischen Abgastest NEFZ vorkommt. "Ist das der Fall, dann arbeitet die Abgasreinigung so sorgfältig, dass der Wagen die Grenzwerte einhält", sagte Domke zu SPIEGEL und dem ARD-Magazin "Monitor". In den meisten anderen Fahrsituationen, die so beim Abgastest nicht vorkommen, ist die Abgasreinigung drastisch reduziert. "Der Wagen stößt deutlich mehr giftige Stickoxide aus", sagt Domke.

Der Opel-Konzern widersprach diesen Erkenntnissen, bezeichnete sie als "falsche Interpretationen" und blieb bei seiner Darstellung, die eigenen Fahrzeuge hätten keine Zykluserkennung.

Verkehrsministerium prüft Unterlagen des Autoherstellers

Als Reaktion auf die Recherchen von SPIEGEL, "Monitor" und DUH hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt Opel bereits vor einigen Wochen aufgefordert, zu den Vorwürfen Stellung zu beiziehen. Im Ministerium hat man Zweifel, dass die Software von Opel legal ist. Bei der rechtlichen Bewertung des Konzerns und der Abgasuntersuchungskommission ließen sich "Unterschiede erkennen", sagte Dobrindt (CSU).

Er hatte den Autohersteller deswegen aufgefordert, die Abschaltvorrichtungen zu erläutern. Opel reichte daraufhin mehrere hundert Seiten Unterlagen im Ministerium ein. Diese werden derzeit geprüft.

cst/dpa