Pax Rallye: Staubfressen in Portugal - DER SPIEGEL
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Pax Rallye Staubfressen in Portugal

Autorennen sucht neue Heimat: Wegen Terrorgefahr wurde die legendäre Rallye Dakar abgesagt, 2009 soll die Tour deshalb in Südamerika stattfinden. Damit Fahrer und Fahrzeuge bis dahin nicht einrosten, hat der Veranstalter eine Ersatzveranstaltung in Portugal aus dem Boden gestampft.
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Schon bevor es richtig los ging, mussten die Teilnehmer der Pax Rallye Geduld und Nerven beweisen - im Lissaboner Innenstadtverkehr. Bevor die Teilnehmer nach dem offiziellen Start im Parque Eduardo VII auf den Schotterpisten Gas geben konnten, war die rund 150 Kilometer lange Überführungfahrt fällig. Dabei ging es im Berufsverkehr auf öffentlichen Straßen zum Start.

Sind Rallye-Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs, müssen sich die Fahrer wie alle anderen Verkehrsteilnehmer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten - und das wird mit GPS ständig überprüft. Sind sie nur einen Kilometer in der Stunde zu schnell, droht eine Zeit- und Geldstrafe. "Bei einer Rallye werden rund neun Fahrer erwischt", sagt Sven Quandt, Chef des BMW-Rallye-Teams X-Raid aus dem hessischen Trebur.

Nachdem Quandt den Start seiner fünf Fahrer in Lissabon verfolgt hat, geht es auch für ihn in einem herkömmlichen BMW X5 nach Beira Baixa. Auf der Fahrt über die Autobahn steigt bei einigen seiner Begleiter der Adrenalinspiegel, denn der Teamchef fährt mit bis zu 190 Sachen - erlaubt sind nur 120 km/h. Auf einem Rastplatz bereiten bereits Mechaniker die zuvor angekommenen Autos, Motorräder und Quads auf den Einsatz im Gelände vor.

Rallye Dakar in Südamerika

Die Pax Rallye wurde von den Veranstaltern der Rallye Dakar organisiert. Der Wüstenklassiker steht vor dem größten Umbruch seiner Geschichte. Nachdem das Rennen 2008 wegen Terrorgefahr im afrikanischen Mauretanien ausfallen musste, soll es 2009 wieder stattfinden. Allerdings wird die Rallye Dakar nicht mehr in Afrika ausgetragen, sondern führt von Argentinien nach Chile - heißt aber weiterhin Rallye Dakar. Um den Ausfall zu kompensieren, haben die Organisatoren zwei Ersatz-Rallyes ins Leben gerufen: Die Central Europe Rallye fand im April in Ungarn statt, und Mitte September jagten die Piloten bei der Pax Rallye durch Portugal.

Auf 223 Kilometer geht es über staubige Schotterpisten und durch enge Gasse wie etwa im Dorf Chão de Lopes zum Ziel der ersten Etappe nach Castelo Branco. Die Landschaft ist geprägt von Eukalyptuswäldern und durch zahlreiche Waldbrände gezeichnete Hügel. Auch wenn die Fahrzeuge weit entfernt und noch nicht zu sehen sind, kündigen sie sich imposant an: Aus den Wälder steigt eine Staubwolke auf, die noch lange die Gegend vernebelt - und man hört die lauten Motoren heulen.

Rund 50 Grad im Cockpit

Für das X-Raid-Team läuft die erste Etappe nicht gut. "Verwachst", kommentiert Sven Quandt das Ergebnis seiner Fahrer. Teammitglied Nasser Al-Attyah erreicht als Bester nur den achten Platz. Noch schlechter läuft es für den Franzosen Guerlain Chicherit, der nicht nur Rallye-Fahrer ist, sondern auch viermaliger Free-Ride-Ski-Weltmeister. Total erschöpft erreicht er als 14. das Ziel der ersten Etappe und verkriecht sich flugs unter einem Lkw-Auflieger.

Die Fahrertür seines BMW X3 schloss zwischenzeitlich nicht mehr richtig, so dass Sand und Staub in den Innenraum gelangten und dem Franzosen die Sicht nahmen und das Atmen erschwerten. "Guerlain hat heute Staub gefressen. Wenn man das nicht kann, sollte man nicht an der Rallye Dakar teilnehmen", sagt Teamchef Quandt ungerührt. Überhaupt müssen die Fahrer und Co-Piloten hart im Nehmen sein. "Im Cockpit ist es während des Rennens um die 50 Grad heiß", sagt Al-Attyahs Co-Pilotin Tina Thörner.

Während sich Chicherit und die anderen Fahrer und Co-Piloten im Fahrerlager erholen, machen die Serviceteams die teilweise stark ramponierten Autos wieder flott. Die Rallyeversion des BMW X3 unterscheidet sich stark von der Serienversion. Der 3-Liter-Diesel-Motor, Embleme, Scheiben, Scharniere und Türgriffe wurden übernommen. So gut wie alles andere ließ das Team extra anfertigen.

Für Rahmen und Überrollkäfig zum Beispiel werden insgesamt knapp 60 Meter hochfester Stahl verbaut. Darauf muss das Team momentan bis zu zwei Wochen warten, weil die Nachfrage nach dem Material so groß ist. Ähnlich sieht es bei den Rohstoffen für die Karbonteile aus. Immer mehr Flugzeugbauer und Autohersteller müssen Gewicht sparen und verbauen deshalb häufiger das besonders leichte Material.

Moderater Spritverbrauch auf der Straße

Erstaunlich haltbar sind die Motoren. Immerhin bis zu 30.000 Kilometer können die Rennwagen mit einem Aggregat fahren. Bei der rasanten Fahrt verlangt es jedoch nach deutlich mehr Dieselkraftstoff: Während der Verbrauch im öffentlichen Straßenverkehr bei rund 12 Litern liegt, steigt er im Rennen auf bis zu 55 Liter - abhängig von Fahrer und Belag der Strecke. Besonders auf Sandpisten wie in Südamerika wird der Motor solche Mengen Diesel verbrennen.

Die Neuauflage der Rallye Dakar soll am 3. Januar starten und wird nach fast 6000 Kilometer am 18. Januar 2009 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires enden. Dann wollen Nasser Al-Attyah und seine Co-Pilotin Tina Thörner besser abschneiden. Denn bei der Pax-Rallye reichte es nach fünf Etappen nur für Rang fünf.

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