Peugeot Mittelklasse: Vier gewinnt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Peugeot Mittelklasse Vier gewinnt

Die Zahl vier spielt in der Peugeot-Typologie eine wichtige Rolle. Sie steht für die Mittelklasse und den Aufstieg der Löwenmarke. Das Modell 403 erreichte als erster Peugeot die Millionen-Marke. Damit das auch der Ur-Ur-Enkel schafft, wurde der 407 jetzt aufgefrischt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei Peugeot knallen bald die Korken. In wenigen Tagen liefert die französische Marke das 50-millionste Auto aus. Dass es so viele geworden sind, verdankt das Unternehmen auch der Mittelklasse, die bei Peugeot schon immer eine zentrale Rolle spielte und seit den dreißiger Jahren die Zahl vier im Typenkürzel trägt. Zaghaft begann die Karriere 1934 mit dem Modell 401. Nach gut 13.000 Fahrzeugen folgte bereits im Jahr darauf der 402, den Peugeot bis 1942 in einer Auflage von 75.000 Autos baute.

Zum Symbol für den Aufschwung wurden die Mittelklasse-Typen der Löwen-Marke dann mit dem Peugeot 403, der 1955 debütierte. Die Limousine mit der sympathischen Ponton-Form war das erste von vielen Modellen, das Peugeot beim italienischen Karosserie-Stylisten Pininfarina zeichnen ließ. Und es war das erste Auto, das Peugeot weltweit verkaufte. In Deutschland kostete der Wagen 1966 - aus diesem Baujahr stammte auch das Modell, mit dem SPIEGEL ONLINE unterwegs war - 6380 Mark.

Bis heute hat die Limousine nichts von ihrem Charme verloren. Im Gegenteil. Statt des aggressiven, weit aufgerissenen Kühlermauls von heute trägt sie einen aufrechten Bug voller Chrom und Glanz, der stolz im Wind steht. Anstelle der aktuellen Muskelmode schwelgt der 403 noch in lieblich-lasziven Rundungen. Und wo sich die neuen Modelle zugunsten des cW-Wertes ducken, promeniert der in einem blassen Creme-Ton zwischen gelb, grün und blau lackierte Klassiker erhaben über die Route Nationale.

Auch innen ist der 403 eine schöne Erinnerung an die Gute alte Zeit. Statt Carbon, poliertem Aluminium, Klavierlack oder Holzimitat trägt er schlicht lackiertes Blech, das einen schönen Kontrast zum roten Kunstleder an den Türen und den roten Bezügen der wunderbar weichen, auch vorne durchgehenden Sitzen bildet. Wer sich hinters Steuer fallen lässt, greift an ein großes Lenkrad mit einem goldenen Löwen auf der Nabe. Die andere Hand liegt auf dem Knauf am Ende des wuchtigen Schaltknüppels, mit dem die Gänge sortiert werden.

Ein cremeweiches, charmantes Fahrgefühl

Kurz am Zündschlüssel gedreht, dann erwacht der 60 PS starke Vierzylinder-Motor unter der langen Haube zum Leben und schlägt tuckernd den Takt, während der Klassiker durchs Elsass und die Vogesen gleitet. Die Sonne lächelt durch das offene und damals in Deutschland serienmäßig installierte Stahlschiebedach, und der Ausblick durch die riesigen Fenstern ist grandios.

Wie heute der Typ 407 war damals der 403 ein Modell mit Familie: Denn es gab es nicht nur die Limousine, sondern auch den Kombi namens Break, den sieben- oder achtsitzigen Familiale, den geschlossenen Lieferwagen und - sehr zur Freude des TV-Inspektors Columbo - auch ein Cabriolet. Außerdem steht der 403 für die Erfolgsgeschichte des Dieselmotors bei Peugeot: Nachdem schon in den dreißiger Jahren erste Versuche mit Selbstzündern unternommen worden waren, gab es ab 1959 erstmals größere Diesel-Kontingente für den 403. Der 403 Break gilt sogar als erster Diesel-Kombi überhaupt. Noch etwas macht den Wagen zur Ausnahmeerscheinung in der Peugeot-Geschichte: Er war das erste Modell, von dem mehr als eine Million Exemplare gebaut wurden.

Warten auf die erste Million

Dem Ur-Ur-Enkel 407 war das dieses Produktionsjubiläum noch nicht vergönnt. Bislang wurden von dem vor vier Jahren präsentierten Auto knapp 800.000 Exemplare gebaut. Zirka sieben Prozent davon, also rund 56.000 Modelle, fahren in Deutschland. Hierzulande hat der Wagen einen schweren Stand angesichts starker Konkurrenzmodelle. Damit der 407 gegen nagelneue Wettbewerber wie den Citroen C5 und den Renault Laguna bestehen kann, hat Peugeot die Baureihe jetzt noch einmal aufgefrischt.

Eine neu geschminkte Frontpartie und eine modifizierte Heckschürze sollen Eleganz und Sportlichkeit steigern, und neue Farben und Muster auf Türtafeln und Sitzbezügen, etwas Klavierlack auf der Mittelkonsole und Chromringe um Schalter und Regler lassen einen Hauch von Luxus aufkommen. Dazu gibt es als neue Extras die überfällige Einparkhilfe auch für den Bug und ein Navigationssystem mit Festplatte. Moderne Assistenzsysteme wie Kurvenlicht oder Spurführungshelfer sind jedoch immer noch nicht im Angebot.

An der Technik wurde praktisch nichts verändert

In der Motorenpalette (drei Benziner, vier Diesel - 109 bis 204 PS) wurde einzig der wichtigste Selbstzünder mit Blick auf die bevorstehende Euro-5-Norm etwas verfeinert und um ein paar PS gestärkt. Statt 136 leistet der Zweilitermotor nun 140 PS und macht bei der ersten Ausfahrt einen guten Eindruck. Während der gleich große und gleich starke Benziner auf der Landstraße träge wirkt und auf der Autobahn den sechsten Gang vermissen lässt, kommt der Diesel problemlos aus den Puschen. Leidlich sparsam ist der Motor mit einem Verbrauch von 5,9 Litern obendrein.

Ähnlich zurückhaltend wie bei der Technik verhält sich Peugeot auch bei den Preisen. Das billigste Modell kostet unverändert 22.650 Euro als Limousine, 23.450 Euro als Kombi und 30.350 Euro als Coupé. Die Ausstattung ist mit neun Airbags, ESP, Klimaautomatik und den wichtigsten elektrischen Helfern schon ab dem Basismodell sehr ordentlich. Gemessen am 403 ist der 407 natürlich ein Luxusschlitten. Perfekt erhaltene Modelle des Oldies gibt es übrigens derzeit für rund 8000 Euro.