Pick-Ups in Detroit Aufmarsch der Dinosaurier
Fords Präsentation bedient alle gängigen USA-Klischees: Die Darsteller tragen grob karierte Hemden, ausgewaschene Jeans und breitkrempige Hüte. Dazu ertönt Countrymusik, und auf der Bühne dreht sich ein Auto, das Amerikaner verehren wie keinen anderen Wagen: der Ford F 150. Der ebenso geräumige wie bullige Pick-Up ist für Amis so etwas wie der Golf für die Deutschen. Der F-150 ist seit drei Jahrzehnten das meistverkaufte Auto und 2007 mit rund 680.000 Zulassungen in den USA erfolgreicher als BMW und Mercedes mit all ihren Modellen zusammen. "Dieses Auto ist eine amerikanische Ikone", sagt Mark Fields, der das US-Geschäft von Ford verantwortet. Dieses Jahr feiert der Klassiker, der seit 1948 über 33 Millionen Mal gebaut worden ist, seinen 60. Geburtstag.
Es ist nicht nur die Mutter aller Pick-Ups, die auf der Detroit Motorshow präsentiert wird. Auch der mit über 300.000 Zulassungen nach dem Chevrolet Silverado Drittplatzierte der Pick-Up-Fraktion, der Dodge Ram, wird neu aufgelegt. Auch die Chrysler-Marke setzt auf den Wild-West-Mythos: Ein halbes Dutzend Cowboys und 150 Longhorn-Rinder flankieren den Wagen beim Einzug in die Detroiter Cobo-Hall.
Welche Klimadebatte?
Es scheint, als wäre die Diskussion über Verbrauch und Schadstoffausstoß an dieser Fahrzeugkategorie spurlos vorbei gegangen - obwohl Pick-Ups rund 50 Prozent der gesamten US-Zulassungen ausmachen. Als würde Benzin wie Wasser aus der Leitung fließen und als hätte es nie einen Krieg ums Öl gegeben, prunken die PS-Dinosaurier mit Leistung, Hubraum und jeder Menge Blech. Sie sind größer als manch europäischer Kleintransporter und haben Einstiegspreise um die 20.000 Dollar - günstiger als etwa die US-Version des VW Jetta.
So bringt Ford den F-150 mit gleich drei Achtzylindern (V8), von denen der kleinste 4,6 und der größte 5,4 Liter Hubraum hat. Zwar beginnt die Skala bei Dodge mit einem V6. Doch schon der hat 3,7 Liter und 210 PS. Es gibt auch einen 4,7 Liter V8 mit 310 PS, und an der Spitze steht eine neue Version des 5,7 Liter großen Hemi-V8, der den Pick-Up mit 380 PS zum potenten Eiltransporter macht.
Natürlich steht in den Datenblättern der beiden Bestseller im Kleingedruckten auch irgendwo der Verbrauch - beim F-150 sind es im Stadtverkehr um die 17 Liter. Doch viel wichtiger als die Liter pro 100 Kilometern sind US-Konsumenten die Literwerte der Ladeflächen oder Ablagen. Ford hat die drei verschiedenen Kabinen-Varianten des F-150 so umgebaut, dass sie nun Platz für sechs Passagiere oder soviel Stauraum wie ein Kombi bieten.
Bei Dodge gibt es die "Ram-Box": Als riesiges Staufach in den Seitenwänden der Ladefläche fasst sie zum Beispiel 240 Getränkedosen samt Eis für die Kühlung und Ablaufkanälen für das Schmelzwasser. Und weil man auf einer großen Reise zum Trinken nicht immer anhalten will, gibt es in der Kabine weitere Staufächer im Fußboden, die jeweils zehn gekühlte Cola-Dosen schlucken.
Die Pickup-Fraktion stirbt aus
Immerhin: Ford hat auch Dieselmotoren und aufgeladene Benzin-Direkteinspritzer angekündigt, mit denen der Verbrauch künftig um 20 bis 30 Prozent sinken könnte. Und Chrysler-Entwicklungschef Frank Klegon stellt für den Dodge Ram auch einen Hybridantrieb in Aussicht.
Diesmal kommen die US-Hersteller wohl noch damit durch, auf Altbewährtes zu setzen. Doch eine Frischzellenkur für die Auto-Dinosaurier Pick-Up wäre bitter nötig, denn die Kundenbasis schrumpft: Der übliche Käufer dieser Fahrzeuge ist nach Angaben von Dodge-Marketingdirektor Mike Accavitti im Schnitt 52 Jahre alt.
Derzeit wächst in den USA eine deutlich jüngere Käuferschicht heran, die bei Ford als "Millenials" geführt wird. Diese Menschen sind heute zwischen 13 und 28 Jahre alt. Nach einer Ford-Prognose wird bereits 2010 jeder vierte US-Einwohner zu diesem Kundenkreis zählen. An den Pick-Ups ihrer Eltern haben diese Kids laut Marktforschung kein Interesse: Jeder zweite von ihnen hätte lieber einem Kleinwagen.