Pininfarina: Elektrisch in die Zukunft
Pininfarina als eigene Luxusmarke Mit Form und Formel E
Ihr Cisitalia von 1946 ist das einzige Auto, das dauerhaft im New Yorker Moma ausgestellt ist. Im Schnitt trägt jeder zweite Klassiker, der regelmäßig bei der Car Week in Pebble Beach versteigert wird, ihren Namen. Mehr als 60 verschiedene Ferrari stammen aus ihrer Feder, von Massenautos wie dem Peugeot 504 oder dem Fiat 124 ganz zu schweigen - kaum eine andere Marke im Automobilgeschäft ist so präsent wie Pininfarina - und vergleichsweise unbekannt. Seit 1930 macht der Designdienstleister und Karosseriebauer aus dem italienischen Cambiano die Arbeit - den Ruhm heimsen andere ein.
Legendäre Pininfarina-Modelle: Che bello
Das soll sich nun ändern: Nachdem der indische Mahindra-Konzern das Designstudio 2015 übernommen hat, soll aus Pininfarina eine Marke werden, die bald 90 Jahre nach der Gründung selbst Autos verkauft, sagt Michael Perschke, Chef von Automobili Pininfarina - der neuen Tochter des Designstudios. Von München aus soll der Ex-Audi-Manager mit einem Team von aktuell zehn, später einmal 50 Mitarbeitern die Marke aufbauen und die Entwicklung und Produktion der Autos in Italien steuern. Weil Pininfarina vor allem mit Luxusautos berühmt geworden ist, will er ganz oben einsteigen. Alle neuen Modelle sollen ausnahmslos elektrisch angetrieben werden. Natürlich, weil es in die Zeit passe, aber auch, weil der Mutterkonzern Mahindra als Teilnehmer in der Formel E seine Elektrokompetenzen bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt habe.
Der Hinweis auf die Formel E kommt dabei nicht von ungefähr. Das erste Auto, das Perschke unter dem Markennamen Pininfarina plant, kommt einem Rennwagen ziemlich nahe - zumindest bei den geplanten Fahrleistungen. Perschke plant einen der schnellsten, stärksten und exklusivsten Elektrosportwagen, 2020 soll dieser auf der Straße sein: "Von 0 auf 100 in weniger als zwei Sekunden, von 0 auf 300 unter zwölf Sekunden und ein Top-Speed über 400 km/h", skizziert er einen Batterie-Boliden, bei dem selbst Bugatti-Fahrer das Nachsehen hätten. Beim Preis plant er mit etwa zwei Millionen Euro - plus der jeweils lokalen Steuer.
Prestigeprojekt für Anand Mahindra
Zwar ist der Elektroantrieb für Perschke ein wichtiges Element der neuen Marke, aber nicht das entscheidende. "Bei Pininfarina muss und wird das Design der Kaufgrund Nummer Eins sein", sagt Perschke. Außerdem soll die Kombination aus kleiner Stückzahl und hohem Preis die Begehrlichkeit steigern. Der Akkupack dagegen werde in vier, fünf Jahren zu einem Standard, über den man kaum mehr eine Verkaufsentscheidung beeinflussen kann, ist Perschke überzeugt.
Einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag werde Mahindra in den nächsten fünf Jahren in das Prestigeprojekt pumpen. Ein einziges Modell werde dem Mutterkonzern wohl nicht reichen. Perschke stellt deshalb eine Modellfamilie mit drei, vielleicht sogar vier Baureihen in Aussicht. Noch im Jahr 2021 rechnet er mit einem elektrischen Crossover, der gegen innovative Modelle wie den ersten neuen Lagonda, den Bentley Bentayga oder den Rolls-Royce Cullinan antreten könnte. "Dann reden wir über sechsstellige Preise und vierstellige Stückzahlen", sagt Perschke.
Sein Geldgeber Anand Mahindra will mit dem Prestigeprojekt einen Abstrahleffekt auf andere Marken seines Imperiums, dessen Wert mit 19 Milliarden Dollar beziffert wird. Bisher besteht dieses vor allem aus billiger automobiler Massenware für Schwellenländer, der Geländewagenmarke Ssangyong und der größten Traktorenproduktion der Welt. Zudem wäre eine eigene Luxusmarke mit europäischen Wurzeln für ihn auch eine persönliche Befriedigung. Schon als die englischen Luxusmarken Jaguar/Land Rover verkauft wurden, hatte sich Mahindra um Besitz oder Teilhaberschaft bemüht - und war gescheitert. Den Zuschlag bekam mit Ratan Tata einer seiner Landsleute.