Porsche VTG Turbo mit Weltraumtechnik
Verstellbare Leitschaufeln, die den Abgasstrom des Motors in unterschiedlicher Stärke auf das Turbinenrad des Abgasturboladers lenken, werden schon seit gut zehn Jahren in Verbindung mit Dieselmotoren eingesetzt. Bei Benzinern gelang dies bislang noch nicht, die deutlich heißeren Abgase von bis zu 1000 Grad Celsius galten als unüberwindbare technische Hürde. Porsche hat sie nun genommen, in enger Zusammenarbeit mit der Firma Borg Warner Turbo Systems, wie die Zuffenhausener einräumen. Zum Einsatz kommen Spezialmaterialien aus der Raumfahrttechnik.
Damit hebt Porsche die Turbotechnik 100 Jahre nach ihrer Erfindung auf eine neue Stufe. Damals, am 16. November 1905, meldete der Schweizer Ingenieur Alfred Büchi am kaiserlichen Patentamt des Deutschen Reiches unter der Nr. 204630 das Patent für eine "Verbrennungskraftmaschinenanlage, bestehend aus einem Kompressor (Turbinenkompressor), einem Kolbenmotor und einer dahinter geschalteten Turbine" an. Zum Einsatz kam die Erfindung erstmals in großen Schiffsmotoren, etwa in den Passagierschiffen "Danzig" und "Preussen", deren je zwei Zehnzylindermotoren mit Hilfe der Turbotechnik einen Leistungszuwachs von 1750 auf 2500 PS erfuhren.
Porsche präsentierte das erste Serienauto mit Turbolader auf dem Autosalon in Paris 1974. Der erste 911 Turbo leistete 260 PS; drei Jahre später folgte das zweite Modell der Turbo-Baureihe, diesmal schon mit 300 PS. Der enorme Leistungszuwachs erklärte sich durch den erstmaligen Einsatz eines Ladeluftkühlers. Das nächste Modell mit Turbolader aus Zuffenhausen rollte 13 Jahre später auf die Straße, und selbstverständlich war dieses Auto abermals stärker als der Vorgänger: die Maschine leistete 320 PS. Die nächsten Ausbaustufen waren die Turbo-Generation Numero vier mit 408 PS (1995) und der 911 Turbo des Jahrgangs 2000 mit 420 PS.
Der neue 911 Turbo - gewiss ist, dass er im kommenden Jahr vorgestellt wird, ein genaueres Datum wird aber von Porsche noch geheim gehalten - treibt das Leistungsniveau auf eine neue Bestmarke. Wo genau die liegen wird, das mitzuteilen ziert sich Porsche ebenfalls noch. Aber mit Raumfahrttechnik unter der Haube, müssten 440 PS doch eigentlich drin sein...