Portable Navigationssysteme Pfadfinder in der Brusttasche
Bei Dunkelheit sieht man es am besten: Hinter den Windschutzscheiben von immer mehr Autos schimmern elektronisch animierte Landkarten ins Cockpit. Sie weisen dem Fahrer den Weg zum Ziel und machen Shell-Atlas oder Falk-Plan allmählich überflüssig. Denn die Zahl der Navigationssysteme wächst. So werden nach aktuellen Statistiken der Zulieferer heute bereits zehn Prozent aller Neuwagen in Westeuropa mit einem elektronischen Pfadfinder ausgestattet, Tendenz steigend.
Gut zehn Jahre nach dem Debüt dieser Technologie deutet sich nun ein Systemwechsel an: Anstelle fest installierter Geräte gewinnen mobile Lösungen an Bedeutung. Sie sind zwar meist nicht so leicht zu bedienen und verfügen über ungenauere Anzeigen, können dafür aber bei jedem Fahrzeugwechsel mitgenommen werden. Außerdem sind sie die deutlich günstigere Alternative: Während die Fahrzeughersteller auch für einfache Navigationssysteme mit Pfeil- statt Kartendarstellung meist mehr als 1000 Euro berechnen und für komfortable Anlagen mit Farbmonitor und dreidimensionaler Kartendarstellung oft das Doppelte oder gar Dreifache fällig wird, kosten mobile Geräte nicht einmal die Hälfte.
Nach Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg liegt der Durchschnittspreis derzeit bei 420 Euro. Die billigsten Geräte gibt es bereits für weniger als 200 Euro. Dabei muss man grundsätzlich zwischen zwei mobilen Navigationslösungen unterscheiden: Auf der einen Seite die tragbaren Pfadfinder wie der TomTom Go, die ausschließlich für die Routenführung eingesetzt werden können. Auf der anderen Seite die konventionellen Mobiltelefone und sogenannten PDA-Computer, die mit Programmen wie Route 66 zum elektronischen Beifahrer aufgerüstet werden können.
Mobile Geräte müssen zuerst mit Daten gefüttert werden
Beide Systeme können im Prinzip alles, was auch die fest eingebauten Geräte können. Auch sie zeigen mit Kartenausschnitten und Piktogrammen den schnellsten Weg zum Ziel und weisen den Fahrer mit Sprachkommandos auf die nächsten Manöver hin. Wer über eine Mobilfunkverbindung die aktuellen Verkehrsinformationen von einem Server seines Systemanbieters herunterlädt, kann auch Staus und Streckensperrungen umfahren. Und natürlich sind in den Datenbanken wie bei den werkseitig installierten Systemen Tausende von Sonderzielen hinterlegt.
Allerdings nutzen die mobilen Navigationssysteme kein eigenes Laufwerk, dafür sind sie viel zu klein. Der Kunde muss sie mit dem elektronischen Streckenetz "füttern". Deshalb arbeiten zum Beispiel TomTom und Route 66 mit einer so genannten MMC-Speicherkarte, wie sie auch bei vielen Digitalkameras eingesetzt wird. Diese Karte wird entweder vom Hersteller direkt bespielt oder leer mit einem Kartenleser und einer CD-ROM für den heimischen Computer ausgeliefert. Damit kann der Autofahrer die Datenbank selbst übertragen.
Schnelle Montage per Saugnapf
Wie für die fest eingebaute Navigation ist auch für die mobilen Geräte das gesamte europäische Straßennetz verfügbar. Ihre eigene Position bestimmen die Geräte mit einem GPS-Empfänger, der die Signale der Navigationssatelliten auswertet. Bei Geräten wie dem TomTom ist dieser Empfänger integriert. Weil GPS-Chips bei den Mobiltelefonen erst in den nächsten Gerätegenerationen Einzug halten werden, ist für diese Anwendungen meist noch eine zusätzliche "Satelliten-Maus" erforderlich, die in der Regel kabellos via Bluetooth verbunden wird.
Die Bedienung der mobilen Pfadfinder ist ähnlich einfach wie bei fest installierten Systemen. Die Installation der Karte, die Grundeinstellungen und die Montage per Saugnapf an der Frontscheibe dauern kaum fünf Minuten. Und auch die erste Route ist schnell programmiert: entweder über einen "Touchscreen" oder - meist als Option - über eine Fernbedienungen am Lenkrad. Und beim Mobiltelefon über die Tastatur. Das ist zwar anfangs ungewohnt, doch wer eine SMS schnell schreiben kann, hat im Nu auch die Zieladresse eingegeben.
Die Werks-Navigatoren sind ergonomisch im Vorteil
Im Praxistest funktionieren die mobilen Lösungen ganz gut. Doch wer parallel dazu ein fest installiertes System im Auto ausprobiert, wird die ergonomischen Vorteile der großen und teuren Lösungen schnell erkennen. Zudem sind die Werkssysteme meist besser abzulesen, und die Sprachausgabe erfolgt klar und deutlich über die Musikanlage des Fahrzeugs. Ein weiterer Vorteil ist ihre bessere Ortskenntnis. Denn während die mobilen Geräte ausschließlich auf die Satellitenpeilung angewiesen sind und bei schlechten Empfangsbedingungen hin und wieder neben sich stehen, nutzen integrierte Anlagen auch das Tachosignal und die Lenkwinkelsensoren des Autos. Damit wissen sie in Häuserschluchten oder Tunnels auch ohne Satelliten-Kontakt stets, wo der Wagen gerade fährt.
Doch auch die mobile Navigation hat Vorteile. Sie ist billiger, kann in Gebrauchtwagen problemlos nachgerüstet werden und ist von Auto zu Auto mobil einsetzbar. Auch vergesslichen Menschen hilft sie: Weil man beim Aussteigen den Parkplatz als Ziel definieren kann, führen die mobilen Geräte den Besitzer immer wieder zum eigenen Wagen zurück.