Post aus Paris Autos zum Dessert
Audi beispielsweise hat zur "Heure Bleu" ins Hotel d'Evreux am noblen Place Vendome gebeten. Die Ingolstädter wollen an der Seine eine Studie vorstellen - und damit das Fahrzeug auch die nötige Aufmerksamkeit erfährt, gibt es eine "Preshow am Vorabend des Autosalons", wie Audi-Vorstandschef Franz-Josef Paefgen sagt.
Weil allerdings noch ein Bus mit Presseleuten erwartet wird, die bei einer Seat-"Preshow" waren und nun im Pariser Feierabendverkehr festsitzen, verzögert sich das Spektakel. Immer wieder kreisen die Kellner mit Säften und Champagner durch die Versammelten, es gibt Häppchen und für Gourmets mit ausgefallenem Geschmack gebratene Mousse au chocolat mit Milchreis.
Dann endlich tritt Paefgen ans Pult, das Geplauder ebbt ab. Zunächst spricht der Audi-Chef von den tollen Erfolgen seiner Firma - Verkaufsrekord, Le-Mans-Triumph, neuer V8-Motor - um dann endlich zum Thema "Steppenwolf" zu kommen. So heißt Audis neue Studie, und damit niemand auf die Idee käme, es gebe Analogien zu Hermann Hesses Roman, dröhnt der Song "Born to be wild" von der US-Band Steppenwolf durch den Saal.
Das Lied, so Paefgen, drücke ganz gut aus, was es mit dem Auto auf sich habe. Mmh. Endlich schiebt sich die Metallwand zur Seite, und er steht da: der Steppenwolf. Etwas Allroad, ein Schuss TT und eine Prise A4 - vor allem aber ziemlich abgedrehte Ideen des Audi-Design-Studios in München. Darunter kleine Wasserwaagen hinter der Scheinwerferabdeckung, aufsteckbare Trittbretter oder ein aufsteckbarer Griff für den Beifahrer, damit der Halt findet, wenn der Untergrund mal etwas grober wird.
Paefgen sagt, der Wagen verkörpere die Kombination aus Mountainbike und Allrad-Sportwagen, doch das macht die Sache auch nicht klarer. "Sehr schön, aber wer braucht sowas", fragt ein Journalist in die Runde.
Leider bleibt keine Zeit, die Frage zu erörtern, denn draußen warten die Busse, die zur VW-Abendveranstaltung fahren. Die findet im Restaurant Le Pre Catalan im Bois de Boulogne statt, einer ausgesucht feinen Adresse. Die Fahrt im Abendverkehr der Hauptstadt verschlingt allerdings erneut eine Stunde.
Es gibt einfach zu viele Autos - oder zumindest zu viele Menschen, die gleichzeitig mit ihnen fahren wollen. Und demnächst werden es noch mehr werden. Deshalb wird bei VW vor dem Diner der neue Passat präsentiert. Nach der Vorspeise - Steinbuttfilet mit Kaviar in Kresseschaum - spricht VW-Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer davon, dass die Wolfsburger in den ersten acht Monaten dieses Jahres den Pkw-Absatz auf 2,1 Millionen Fahrzeuge gesteigert haben.
Doch damit nicht genug: Im Anschluss an das üppige Menü besteht noch die Möglichkeit, mit Seat zu einer nächtlichen Seine-Fahrt in den Fluss zu stechen. Volkswagen-Konzern total, sozusagen. Nur der Kapitän fehlt: Vorstandschef Ferdinand Piëch blieb den "Preshow-Events" seines Unternehmens fern. Er feierte mit seiner Gattin im allerkleinsten Kreise Hochzeitstag.