Premiere des Fisker Atlantic, ein Elektroauto mit Range Extender - DER SPIEGEL
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Fisker Atlantic: Grün ist die Hoffnung

Foto: Tom Grünweg

Premiere des Fisker Atlantic Strom-Spaß für alle

Elektroautos sind Spaßbremsen? Nicht für die amerikanische Start-up-Automarke Fisker. Die enthüllte am Vorabend der Autoshow in New York ein schnittiges, sportliches Elektroauto. Das Beste daran: Es soll nur 50.000 Dollar kosten.
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Dienstagnacht im angesagten Meatpacking District von New York. Dort, wo sonst die Stretchlimousinen durch Manhattan kreuzen und die Achtzylindermotoren der Geländewagen durch die Straßen bollern, ist es überraschend still. Nur ein Surren ist zu hören. Das Geräusch stammt von Elektroautos. Ein Fisker Karma nach dem anderen rollt vor die Türen der Highline Stages. Nach einer Weile sind drinnen rund 300 Gäste versammelt, die darauf warten, dass die Automarke des Dänen Henrik Fisker ihr neues, zweites Modell enthüllt. Was bislang unter dem Projektcode Nina als Gerücht durch die Branche geisterte, soll an diesem Abend einen Namen und eine Form bekommen.

Das neue Modell sei für die Marke von essentieller Bedeutung, sagt Fisker. Das erste Modell, Karma, sei zwar die erste Luxuslimousine ohne Kompromisse in Sachen Umweltverträglichkeit, doch koste der Wagen eben 100.000 Dollar aufwärts, fahre daher in einer exklusiven Nische. "Mit unserem zweiten Modell dagegen steigen wir ins Massengeschäft ein", sagt Fisker. Das neue Auto soll deutlich billiger angeboten werden und in einer Stückzahl von rund 100.000 Exemplaren pro Jahr gebaut werden. Das ist eine Ansage für einen Autobauer, der erst vor vier Jahren erstmals ein eigenes Modell präsentierte. Dann zieht der Chef das Tuch vom neuen Wagen: dem Fisker Atlantic.

Im Rampenlicht steht ein Viertürer von kantiger Schönheit. Die Karosserie trägt ein paar Züge des Modells Karma, ist jedoch deutlich kürzer, etwas höher und viel praktischer. Weil Fisker mit dem Wagen vor allem Familien ansprechen will, erhielt das Auto eine große Heckklappe und Rücksitze, die sich umlegen lassen. Für ausreichend Kopffreiheit auf allen Plätzen soll eine Konstruktion namens Spider-Roof - Spinnen-Dach - sorgen. Die Dachstreben erinnern an Spinnenbeine und lassen exakt dort mehr Bewegungsfreiheit zu, wo die Passagiere sitzen werden.

Der Benzinmotor zur Stromerzeugung stammt von BMW

So streift der Scheitel nicht mehr am Dachhimmel, und die Insassen genießen zudem einen Ausblick durch die Glaselemente zwischen den Verstrebungen. Dazu gibt es ein aerodynamisch geformtes, kurzes Heck mit hoher Abrisskante und schlanke Rückleuchten. Die vorderen Scheinwerfer wiederum verzichten auf die derzeit modischen LED-Tagfahrleuchten-Spielereien, sie sehen aus wie leuchtende Eiswürfel hinter Glas. Drinnen im Auto freut man sich über viele blanke Metalloberflächen, Lederbezüge und Kunststoffe, die richtig gut aussehen.

Der Antrieb? Genau wie der Karma ist auch der Atlantic ein Elektrofahrzeug mit sogenanntem Range Ext ender; wahlweise gibt es den Wagen mit Heck- oder Allradantrieb. Die Energie aus den Lithium-Ionen-Akkus, die im Mitteltunnel platziert sind, reicht für rund 50 Kilometer. Danach springt ein Vierzylinder-Benzinmotor von BMW an, um Strom fürs Weiterfahren zu produzieren.

Weitere Details und Daten nennt Hendrik Fisker bei der Premiere in New York noch nicht. Er möchte sich ungern festnageln lassen. Lieber spricht er über die Strategie und die Zukunft des Unternehmens. Darüber etwa, dass der Atlantic nicht, wie das Modell Karma, im Lohnauftrag bei Valmet in Finnland gebaut werde, sondern in einem ehemaligen GM-Werk in Wilmington im US-Staat Delaware.

400 Millionen Dollar frisches Kapital für das neue Projekt

Gern berichtet der Chef des Start-up-Autobauers auch davon, dass er in den letzten Monaten rund 400 Millionen Dollar frisches Kapital eingesammelt hat. Mit der Auskunft möchte Fisker die Vorbehalte zerstreuen, die Produktion des Atlantic hänge an einer eher wackeligen Finanzierung aus Washington. "Wir werden den Atlantic bauen, ob mit Staatsgeld oder ohne", ruft Fisker ins Publikum. Der an diesem Abend vorgestellte Wagen entspreche bereits zu 90 Prozent dem Serienmodell. "Dieses Auto ist ein Versprechen, das wir schon bald einlösen werden."

Bald, das bedeutet in diesem Fall in etwa zwei Jahren. Dann soll der Atlantic von den Bändern rollen und für voraussichtlich knapp 50.000 Dollar verkauft werden. "Der Wagen wird sportlicher und sparsamer sein als alles anderes, was in dieser Preisklasse und Größe angeboten wird", behauptet Fisker noch. Sein Vergleich bezieht sich dabei nicht auf andere Elektroautos mit Range Extender, wie etwa Chevrolet Volt und den baugleichen Opel Ampera. Fisker: "Wir zielen mit dem Atlantic auf Fahrzeuge wie den 3er BMW oder den Audi A5."